Sogenannte "Behältnis-Schleusungen" treten immer mehr auf. Sybmolfoto: Bundespolizei/dpa Foto: Schwarzwälder Bote

Zwei Fälle in zwei Bundesländern, die sich zufällig oder vielleicht doch nicht zufällig sehr ähneln: In Horb (Kreis Freudenstadt) wurden am Mittwoch sechs geschleuste Männer entdeckt – sie stammen laut Polizeipräsidium Pforzheim und Staatsanwaltschaft Rottweil vermutlich aus Afghanistan. Am Autobahnrastplatz Irschenberg (A8) in der Nähe von Rosenheim (Bayern) waren es am gleichen Tag zwei Afghanen, die sich in einem Lkw-Auflieger befanden.

Horb/Irschenberg - Sie hatten mit Klopfgeräuschen auf sich aufmerksam gemacht. Die Lkw-Fahrer, die beide aus Bulgarien stammen, versicherten der Polizei, nichts mit der Schleusung zu tun zu haben. Sie hatten beide selbst die Polizei gerufen. Der Anhänger in Horb war verplombt. Die geschleusten Männer waren laut Polizei augenscheinlich nicht schwerwiegend gesundheitlich beeinträchtigt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sie erst in Rumänien den Anhänger bestiegen.

Nach Recherchen des Radiosenders MDR Thüringen registriert die Bundespolizei immer mehr "Behältnis-Schleusungen" – also in Lkw oder Kleintransportern. "Nach Polizeiangaben greifen Schleuser die Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Irak sehr häufig in Rumänien oder Bulgarien auf", so MDR Thüringen.

Einige Speditionen sind Teil krimineller Schleuser-Netzwerke

Ein paar Tage lang würden die Menschenschmuggler die Migranten in geheimen Unterschlupfen unterbringen. Dort müssten sie so lange warten, bis sie auf Lkw-Ladeflächen oder in Kleintransportern versteckt würden. Einige Speditionen seien Teil der kriminellen Schleuser-Netzwerke. Andere Fahrer wiederum würden die Flüchtlinge ohne eigenes Wissen über die polnische oder tschechische Grenze bringen. Laut Bundespolizei werden über die deutsch-tschechische Grenze oftmals Menschen aus Afghanistan geschleust.

Eine Sprecherin von Pro Asyl überrascht diese Entwicklung nicht. "Seit der Schließung der Balkan-Route suchen die Menschen vermehrt andere Wege, um nach Deutschland und Europa zu kommen", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Routen verschieben sich permanent."

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