Die Nachfrage nach Immobilien in Lahr ist deutlich zurückgegangen. Foto: Keiper

Der Immobilien-Boom ist nach Jahren steigender Preise vorerst vorbei. Auch rund um Lahr lassen hohe Zinsen die Nachfrage zurückgehen und machen es den Maklern schwerer, neue Eigentümer für Häuser, Wohnungen und Grundstücke zu finden. 

Die Redaktion hat sich in der Branche umgehört.

Wie hat sich die Nachfrage nach Immobilien in Lahr und Region in diesem Jahr entwickelt?

Zunächst war sie unverändert groß – bis etwa zur Jahresmitte, berichten der Lahrer Volksbank-Chef Peter Rottenecker und Lothar Bächle, Leiter Immobilien bei der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Seitdem zeige die Kurve nach unten. Als Gründe hat Rottenecker "hohe Energiekosten, hohe Zinsen und höhere Lebenshaltungskosten" ausgemacht. Bächle sieht nach dem "extremen Nachfrageüberhang" der vergangenen Jahre einen "ausgeglicheneren" Immobilienmarkt. Die Wahrnehmung von Michael Vergin vom gleichnamigen Lahrer Maklerbüro ist noch drastischer: Die Nachfrage sei "deutlich zurückgegangen".

Wie haben sich die Immobilienpreise entwickelt?

Entsprechend der Nachfrage: Erst ging es weiter hoch, dann stagnierten die Preise oder fielen sogar. Bächle spricht von einer Seitwärtsbewegung, Rottenecker und Vergin von einem leichten Rückgang. Der Makler: "Das Preiskarussell hat seit dem Sommer einen Zwischenstopp eingelegt." Ein Zustand, der eine Zäsur bedeutet, wie der Sparkassen-Experte mit Blick auf die starken Preisanstiege in der Vergangenheit "von zehn Prozent oder mehr pro Jahr" feststellt. Rottenecker bringt die Lage aus Verkäufersicht auf den Punkt: "Anfang des Jahres wurden Immobilien innerhalb von drei bis vier Wochen vermarktet. Aktuell dauert der An- oder Verkauf eher zwei bis drei Monate." Und aus Sicht der Interessenten: "Für viele, vor allen Dingen für junge Familien, ist der Kauf einer Immobilie schwieriger geworden."

Wie entwickelt sich der Markt in den kommenden Monaten?

"Wir gehen davon aus, dass die Immobilienpreise sukzessive beziehungsweise leicht nachlassen werden", sagt Rottenecker. Interessenten warteten auf weiter fallende Preise, Verkäufer hofften auf wieder anziehende Preise. Oder zumindest auf ein Ende des Preisverfalls. Die Folge: "Entscheidungen werden hinausgezogen." Bächle geht grundsätzlich auch "weiterhin von einem Wachstumsmarkt aus". Obschon das aktuelle Geschehen durch die gestiegenen Zinsen und die Inflation gedämpft werde, "einfach weil bei Wohnimmobilien weniger Privathaushalte finanzierungsfähig sind". Zudem müsse man differenzieren zwischen privaten und gewerblichen Immobilien. Bei Letzteren komme es auf die Branche an, bezahlbarer Wohnraum werde indes stark gefragt bleiben. Die allgemeine Situation, sagt Vergin, sorge für eine "gewisse Schockstarre, denn keiner weiß so richtig, wo die Reise hingeht". Stand jetzt geht er davon aus, dass "nach Jahren der Objektknappheit die Zahl der Immobilienangebote weiter steigen und sich die durchschnittliche Vermarktungsdauer verlängern wird".

Was sollten Menschen tun, die derzeit über einen Immobilienkauf nachdenken?

Die beiden Banken-Experten raten: Nichts überstürzen. Eine gute Beratung sei das A und O. Rottenecker empfiehlt, "frühzeitig Eigenmittel anzusparen – je früher desto besser". Der Immobilienerwerb müsse "auf einem sicheren Fundament stehen und langfristig gesichert sein". Bächle weist darauf hin, dass man auch schrittweise zum Traumhaus kommen kann: Es müsse nicht immer gleich das Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung sein, oftmals sei der Kauf "einer passenden und bezahlbaren Eigentumswohnung empfehlenswert". Auch Sicht von Makler Vergin ist "ein Ratschlag oder eine Prognose im momentanen Umfeld sicherlich sehr schwierig". Er sieht in der aktuellen Entwicklung aber durchaus auch Chancen: "Wenn Preis, Immobilie und das Bauchgefühl zusammenpassen, steht dem Erwerb einer Immobilie meines Erachtens nichts im Weg. Sicherlich wird sich für den einen oder anderen in den nächsten Monaten hierzu die Gelegenheit geben, die es so in den letzten Jahren nicht gab."