Kopfball von Jonas Hector (1. FC Köln) im Spiel gegen Borussia Dortmund Foto: /imago/Ant Palmer

Eine neue Studie zeigt: Kopfbälle erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Alzheimer. Der Hamburger Neurologe Christoph Goetz erklärt, warum Kopfbälle dem Gehirn schaden. Für die künftigen Fußballregeln hat er eine konkrete Forderung.

Herr Goetz, was genau passiert im Gehirn bei einem heftigen Kopfduell?

 

Bei einem starken Aufprall oder einer Erschütterung bewegt sich das Gehirn, Druck- und Sogwellen entstehen, die Blutungen im Gehirn verursachen können. Für Langzeitschäden wie Alzheimer oder CTE braucht es aber nicht den einen, intensiven Aufprall. Auch viele kleine Stöße summiert können Schäden verursachen. Die Gefahr besteht also nicht nur für Profisportler, sondern auch für ambitionierte Freizeitsportler, die regelmäßig trainieren.

Warum sollten Kopfbälle besonders im Kinder- und Jugendalter vermieden werden?

Wir wissen, dass das kindliche Gehirn gegenüber Traumen deutlich empfindlicher ist als das von Erwachsenen. Deshalb sollten Kopfbälle im Kindes- und Jugendalter, so gut es geht, vermieden werden. Ein erwachsener Profifußballer kann selbst entscheiden, ob er das Berufsrisiko eingehen will. Kinder können das aber nicht, andere müssen das für sie entscheiden. Dass es vom DFB ab 2024/25 neue Vorgaben zum Kopfball im Kinder- und Jugendfußball gibt, ist gut. Ob sie auch wirklich in jedem Verein umgesetzt werden, sollte kontrolliert werden. Wer sich daran nicht hält, müsste sanktioniert werden.

Zudem mahne ich, die Grenze, bis zu der Kinder geschützt werden, zu früh zu ziehen. Wir wissen nicht mit Sicherheit, wie viel empfindlicher ein 13-jähriges Gehirn gegenüber einem Gehirn von einem 18-jährigen Spieler ist. Deshalb ist es meiner Ansicht nach auch wichtig, Kopfbälle im gesamten Jugendalter nicht oder nur als absolute Ausnahme zu spielen. Ob die künftigen Profifußballer im höheren Alter weniger neurodegenerative Krankheiten entwickeln werden, wird sich erst in vielen Jahren zeigen.

Wäre ein Kopfballverbot nicht am besten?

Den Kopfball vollständig zu verbieten wäre zwar konsequent. Aber ich glaube, in Deutschland hat daran niemand Interesse. Wichtig ist, auch Profifußballer stärker für die Risiken zu sensibilisieren. Viele schieben die Gefahren aber von sich weg, denn die meisten Konsequenzen zeigen sich ja erst im höheren Alter – und nicht in der aktiven Karrierephase.

Was fordern Sie stattdessen?

Ich bin für einen schonungsbewussteren Fußball. Gehirnerschütterungen passieren schließlich nicht nur beim Zusammenstoß Kopf gegen Ball, sondern auch in Sprungduellen, bei denen Spieler mit den Schädeln zusammenstoßen. So etwas dürfte es bei einem schonungsbewussteren Fußball nicht geben und müsste ähnlich wie das hohe Bein oder das Spiel mit der Hand als Foul gelten. Aber das würde den Fußball natürlich stark verändern.

Der Experte

Neurochirurg
Christoph Goetz ist Chefarzt der Neurochirurgie des Asklepios Klinikums Hamburg Harburg.

Forderung
Mit Asklepios-Ärzten hatte er 2022 gefordert, das Kopfballtraining mit Kindern unter zwölf Jahren auszusetzen.