Nach drei Siegen in Folge gegen hochkarätige Mannschaften hat der VfL Nagold II in der Bezirksliga Nordschwarzwald riesige Schritte in Richtung Klassenerhalt gemacht. Doch wegen dem Einsatz von Spielern aus dem Landesliga-Kader wird Kritik laut.
Erst ein 3:0-Sieg gegen den Landesliga-Absteiger SF Gechingen, dann ein 6:0 gegen den starken SV Gültlingen und schließlich wurde auch die Spvgg Freudenstadt als Tabellenzweiter mit 4:1 vom Feld gefegt – wie ein Abstiegskandidat hat sich der VfL Nagold II an den vergangenen drei Spieltagen in der Fußball-Bezirksliga Nordschwarzwald nun wirklich nicht präsentiert. Und mit den neun eingefahrenen Punkten hat er sich nun auch ein ganzes Stück von den Abstiegsrängen entfernt.
Beim Blick auf die Aufstellung kommt bei manch einem Gegner und Abstiegskonkurrenten aber Unmut auf, denn der VfL Nagold II setzte auch Spieler ein, die man eigentlich mit dem Landesliga-Kader in Verbindung bringt – darunter Kapitän Chris Wolf, Frederic Fleischle und der verbandsligaerfahrene Nico Graf.
Zwei Spieler sind erlaubt
Verboten ist das nicht. „Grundsätzlich bewegen wir uns innerhalb von vom Verband definierten Regularien. Wir machen nichts Falsches“, betont Marco Quiskamp, sportlicher Leiter des VfL Nagold. Laut WFV handelt es sich erst dann um eine sogenannte sportwidrige Einflussnahme, wenn mindestens drei Spieler der höheren in der unteren Mannschaft eingesetzt werden. „Spieler der höheren Mannschaft sind die Spieler, die in den vier unmittelbar vorangegangenen Pflichtspielen (Meisterschaft und Pokal) der höheren Mannschaft mindestens zweimal von Beginn an zum Einsatz gekommen sind“, heißt es in den WFV-Regularien.
Die drei genannten Spieler erfüllen diese Kriterien nicht. Fleischle verbrachte ein halbes Jahr für sein Auslandssemester in Spanien, Wolf und Graf waren lange verletzt. Quiskamp: „Ich kann verstehen, dass diese Spieler gedanklich dem Landesliga-Kader zugeordnet werden. In ihrer momentanen Verfassung sind sie das aber nicht. Und genau dafür ist unsere U23 gedacht. In ihr kommen zum Beispiel Spieler nach langen Verletzungsphasen zum Einsatz.“ Generell seien die Grenzen zwischen erster und zweiter Mannschaft beim VfL Nagold bewusst sehr durchlässig, betont Quiskamp.
„Wir sind dazu gezwungen“
Keinen Hehl macht der sportliche Leiter aber auch daraus, dass dem Verein viel daran gelegen ist, dass die zweite Mannschaft in der Bezirksliga bleibt – und das notfalls auch durch den Einsatz von Spielern aus der Landesliga. „Wir hätten es uns anders gewünscht, aber der Verbleib unserer U23 in der Bezirksliga ist enorm wichtig für unsere Vereinsstruktur. Deshalb sind wir gezwungen, diesen Weg zu gehen“, unterstreicht Quiskamp.
Bald greift Sonderregelung
Am Sonntag (15 Uhr) spielt der VfL Nagold II bei der SG Vöhringen. Unmittelbar danach greift die „Sonderregelung zum Saisonende“, die die letzten vier Spieltage betrifft. Dann dürfen generell keine Stammspieler mehr aus der ersten Mannschaft eingesetzt werden. Stammspieler ist laut WFV-Definition, wer während der Saison bei mehr als der Hälfte der Spiele in der Startelf stand. Dies betrifft die Bezirksliga-Spiele des VfL Nagold II gegen den SV Althengstett, den SV Gündringen, die SF Salzstetten und Spitzenreiter TuS Ergenzingen.