Junge Leute aus der Jugendbauhütte des Landes bringen Leben in das alte Hotel-Denkmal Waldlust in Freudenstadt.
Den Hauch der Luxusgeschichte des früheren Grandhotels Waldlust verspürten 22 junge Leute über fünf Tage der vergangenen Woche. Davor, dass sie auch gleich den weniger luxuriösen Staub der Hotelgeschichte mitschlucken, schützten sie Atemmasken. Zur aufwendigen Präsentation ihres wertvollen Arbeitseinsatzes fand sich viel Prominenz aus Landespolitik und Denkmalpflege ein.
Erstmals hatte die Landes-Jugendbauhütte ein sogenanntes Seminar zum Freudenstädter Hotel-Denkmal Waldlust verlegt. Die Jugendbauhütte wird getragen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Jugendgemeinschaftsdiensten. Die freiwilligen jungen Frauen und Männer, sogenannte Bufdis im Bundesfreiwilligendienst, kamen in diesem Fall vorwiegend aus den Berufsfeldern Denkmalpflege und/oder Archäologie.
Dabei standen auch das Landesamt für Denkmalpflege und die Staatliche Kunstakademie Karlsruhe unterstützend zur Seite. Roland Lenz, Professor für Restauration, betonte die praxisbetonte Begleitung der jungen Leute durch die Akademie, der die „Waldlust“ durchaus bekannt sei.
Die Aufgaben
Die Aufgaben Drei Aufgaben warteten in und bei der „Waldlust“ auf die jungen Gäste aus dem ganzen Land. Eine Gruppe nahm sich einer zerfallenen Trockenmauer bei der Auffahrt zur „Waldlust“ an und setzte diese Mauer fachmännisch neu.
Die zweite Gruppe tauchte in die Bauforschung ein und verfolgte die Spuren ehemaliger Bauphasen der alten „Waldlust“ bis in das Gründerjahr 1900 und früher. Dazu wurde in alten Pläne geblättert und neue angelegt, Wände und Zwischenbauten abgegangen und abgeklopft. „Das ist wie intensive Detektivarbeit“, meinte die 20-jährige Antonia Bobke anschließend.
Die dritte Gruppe leistete ganze Arbeit unter dem Dach und in Lagerräumen des Hotels. Sie sichtete, sortierte, fotografierte und kartierte den Bestand an ausrangierten „Schätzen“ wie Bleche und Dachziegel, aber auch Schreibtische, Liegesofas, Spiegel oder Wandschränke, die unter Staub und Spinnenweben aus hundert Jahren ungeordnet in finaler Vergessenheit zu versinken drohten.
Wertschätzung
Wertschätzung Im historischen Festsaal präsentierten schließlich die jungen Leute unter Leitung von David Nonnenmann von der Jugendbauhütte vor zahlreichen Gästen, unter ihnen Landtagsabgeordnete und Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder, anschaulich ihre Arbeit. Dabei gab es Gelegenheit, den örtlichen Helfern und Fachleuten wie Olfert Dorka, Thomas Faißt, Siegfried Schmidt, Bernd Wetzel, Jochen Rothfuß oder dem Küchenteam mit Barbara Zieske und Silke Nösler für die Gemeinschaftsarbeit zu danken, ebenso wie den Spezialisten aus der Denkmalpflege.
Es wurde deutlich, welcher Wertschätzung sich das ehemalige Hotel unter Fachleuten erfreuen darf. Siegfried Schmidt vom Vorstand der Denkmalfreunde versicherte, dass die von Fleiß, Sachverstand und Einsatzbereitschaft, Fantasie und Verantwortung getragene Arbeit der jungen Menschen deutliche Spuren in der „Waldlust“ hinterlassen haben.
„Waldlust“ als Mahnmal
„Waldlust“ als Mahnmal Oberbürgermeister Sonder dankte ihnen „mit großem Herzen“ und lud sie ein, auch zu neuen Projekten wieder nach Freudenstadt zu kommen. Ihre Aktion und der nimmermüde Einsatz des Denkmalfreunde-Vereins beweise, dass die alte „Waldlust“ weiterlebe als ein Ort, „wo Geschichte weitergedacht wird“. Sie sei nach wie vor Mahnmal für den Aufstieg Freudenstadts zur internationalen Kurstadt im 20. Jahrhundert und zugleich Mahnmal dafür, was passieren kann, wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkennt.
Blick in die Zukunft
Blick in die Zukunft Juliane Votteler vom Vorstand der Denkmalfreunde beantwortete mit Schmidt viele Fragen über die Zukunft des alten Gemäuers und die Arbeit des Vereins. Dabei wurde deutlich, wie sehr die Möglichkeiten und Finanzmittel des kleinen Vereins begrenzt sind, um ein so bedeutendes Denkmal als lebendigen Ort der Begegnung zu erhalten, zu pflegen und weiter zu entwickeln. Da konnte sich Sonder vorstellen, dass die „Waldlust“ künftig auch im Tourismuskonzept der Stadt eine Rolle übernehmen könne.
Fazit von Antonia Bobke
Hintergrund
Antonia Bobke (20) aus Zwiefalten ist in ihrem sozialen Jahr im Bundesfreiwilligendienst bei der Landes-Denkmalpflege im Einsatz. Sie arbeitet derzeit archäologisch bei der Heuneburg im Donautal, bei Arbeiten an einem Keltengrab. Zum Seminar in Freudenstadt hatte sie sich gemeldet, um mehr über „das Handwerk der Denkmalpflege“ zu erfahren. Sie interessierte sich besonders für die Methodik der Bauforschung und die Suche nach Spuren der Baugeschichte. Dabei wurde sie mit ihren Kollegen in der „Waldlust“ durchaus fündig, wie sie später den Gästen anhand von selbst gezeichneten Plänen erläuterte. Sie habe beim Camp in Freudenstadt viel gelernt und sei – wie manch anderer der jungen Leute auch – in ihrem Berufswunsch bestätigt worden. „Es gibt viele, die jetzt erst wissen, was sie mal machen wollen oder auch nicht machen wollen“, zieht die junge Frau Bilanz nach einer Seminarwoche. Für sie ist es aber klar: Sie will sich im Sommer für ein Studium der Archäologie an der Universität in Heidelberg einschreiben.