Mehr Menschen suchen pandemiebedingt seelsorgerische Hilfe, sei es telefonisch oder direkt in der Gemeinde. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Mehr Menschen suchen seelsorgerische Hilfe. Der direkte Kontakt fehlt dabei sehr.

Hausach/Hornberg - Im Bereich der Seelsorge ist der direkte Kontakt zu den Menschen sehr wichtig. Wie hat sich die Pandemie auf diese Arbeit ausgewirkt? Der Schwarzwälder Bote hat mit Pfarrer Christoph Nobs darüber gesprochen.

Es sind etwas mehr Menschen die Hilfe suchen, so Nobs. Insgesamt sei es jedoch eher selten, dass ein Mensch in Not das direkte Gespräch mit ihm suche. In den Zeiten von Corona wenden sich die Menschen oft direkt an die Telefonseelsorge: "Darüber bekommen wir aber keine Rückmeldung". Auf der Dekanatskonferenz habe er jedoch erfahren, dass die Zahlen der Hilfesuchenden gestiegen sei.

Anlass seien oft die gleichen Themen, die in der Öffentlichkeit besprochen werden, ganz vorne Einsamkeit und Existenzsorgen. "Viele Menschen leiden wirklich sehr unter der Einsamkeit", betont Nobs. Das merke er immer wieder, wenn sich Gespräche auf der Straße oder bei Telefonaten ergeben.

Auch Existenzsorgen bedrücken vor allem "kleine Selbstständige" aus dem Bereich Gastronomie oder Handwerk, berichtet Nobs.

Gesamtseelsorge blockiert

Insgesamt ist die Gesamtseelsorge blockiert, stellt Nobs fest. Das betreffe sowohl die Einzelseelsorge als auch das Gemeinschaftsleben der einzelnen Gruppen. "Präsenzsitzungen sind etwas anderes als Zoomkonferenzen". Das macht Nobs in Hinblick auf anstehende schwierige Themen, die im Pfarrgemeinderat zu besprechen sind, Sorgen. Dazu gehören die vielen Kirchenaustritte, die Missbrauchsvorwürfe, der umstrittene Segen für gleichgeschlechtliche Paare und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche.

"Wir brauchen dringend Gespräche und Beschlüsse dazu, wie wir vor Ort damit umgehen und welche Signale wir senden".

Den Umgang mit den Kirchenaustritten bezeichnet Nobs als "Seelsorge in aktuellen Fragen". Es würden teilweise "sehr gute Leute, die sich sehr engagiert haben und von denen man es nicht gedacht hätte", aus der Kirche austreten. Für diese sei es ein "sich lang entwickelnder, schmerzhafter Vorgang, die Institution nicht mehr zu unterstützen. Aber irgendwann sei die Schmerzgrenze erreicht, man hat seine Würde und Linie", stellt Nobs klar.

Zur konkreten Seelsorge gehören auch die Trauerbesuche vor einer Beerdigung, die Pfarrer Nobs genauso wieder aufgenommen hat, wie die Gespräche zu Hochzeiten und Taufen. Dass bei Beerdigungen keine großen Gruppen erlaubt sind, hatte teilweise positive Folgen, sagt Nobs. Man habe viel persönlicher sein können, die Angehörigen hätten selber etwas sagen können.

Neue Wege

Auch die Tatsache, dass die Kirchenchöre nur noch mit maximal acht Personen singen dürfen, habe positive Aspekte: neue gestalterische Wege werden gegangen.

Schwierig sei jedoch die Erstkommunionvorbereitung. Die aus dem vergangenen Jahr verschobenen Erstkommunionen wurden im April nachgeholt, die in diesem Jahr anstehenden werden im Juni gefeiert. Die Vorbereitungen mussten immer wieder überdacht und verändert werden, was zu einer extremen Belastung für die Gemeindereferentin geführt habe. Für die Firmvorbereitung musste ein völlig neues Konzept gefunden werden, dort sind normalerweise Begegnung und Erfahrung die zentralen Elemente.

Auch die sonstigen Gemeinschaftsveranstaltungen fallen weg, bei den Gottesdiensten darf weder mitgesungen werden, noch darf man sich die Hände geben. "Die für den Hygienedienst verantwortlichen Ehrenamtlichen gehen auf den Felgen", so Nobs. Die Ministranten brechen weg, sie haben nur noch wenige Aufgaben und die Gruppentreffen fallen weg: "Wenn Kinder das nicht mehr haben, ist es ein trockenes Brot", hat der Pfarrer Verständnis.

Hilfesuchende können sich an die Telefonseelsorge Ortenau, 0800/1 11 01 11 und 0800/1 11 02 22 wenden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.ts-ortenau.de.