Weihnachten ist das Fest der Familie. Gerade an Feiertagen kann sich das Gefühl von Einsamkeit verstärken. Die Caritas gibt einen Überblick im Kreis Rottweil und teilt Tipps.
Langsam sind sie auch im verstecktesten Winkel angekommen – Lichterketten, Weihnachtsbäume und Weihnachtslieder. Sie kündigen die Zeit der Familie an: Weihnachten. Doch was ist, wenn niemand da ist, mit dem man feiern kann? Unsere Redaktion hat sich erkundigt und gibt einen Überblick, wie Menschen das Fest der Liebe nicht alleine verbringen müssen.
Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2024 gebe es eine bundesweite Erhöhung der Fälle von Einsamkeit, berichtet Monika Hipp von der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. Demnach seien rund 15,3 Millionen Erwachsene in Deutschland von Einsamkeit betroffen. Die Beratungsdienste der Caritas würden dies auch im Kreis Rottweil besonders zum Jahresende spüren. Dort sei die Erwartung an Nähe und Familie verstärkt, erklärt Hipp.
Einsamkeit kann jeden betreffen
Doch dabei begleite Einsamkeit die Menschen nicht nur an Weihnachten. Die Feiertage hätten aber eine andere Wirkung, da sie als starkes Symbol für Gemeinschaft stehen würden. Wenn diese fehle, spüre man das in solchen Zeiten besonders deutlich. Oft werde das Thema aber nicht direkt angesprochen und würde eher durch indirekte Fragen wie „Wann kommst du mal wieder vorbei“ deutlich werden, berichtet die Sprecherin der Caritas.
Einsamkeit könne jeden betreffen. Besonders häufig würde sie aber bei älteren Menschen, die alleine leben, Alleinerziehenden oder Menschen mit geringeren finanziellen Möglichkeiten auftreten. Auch Zugewanderte und Menschen nach einem Umzug seien betroffen, da ihnen ein stabiles soziales Netzwerk fehle. Zunehmend würden aber auch junge Menschen durch soziale Medien und die digitale Welt vereinsamen. Gründe könnten auch bei eingeschränkte Mobilität oder Scham, aktiv um Hilfe zu bitten, liegen. Das sei sehr vielfältig, beschreibt Hipp.
Situation sei „Spiegel der Gesellschaft“
„Einsamkeit ist kein persönliches Versagen, sondern eine menschliche Erfahrung, die jeden treffen kann und zugleich ein Spiegel unserer Gesellschaft ist.“ Früher habe es noch vermehrt Großfamilien gegeben, heute hingegen würden immer mehr Menschen alleine leben. „Entscheidend ist, dass wir hinschauen und das nicht nur zu Weihnachten. Gemeinschaft entsteht, wo wir einander wahrnehmen. Tragen wir diese Haltung durchs ganze Jahr, können wir viel bewegen.“
„Niemand muss diesen Weg alleine gehen“
Der erste Schritt aus der Einsamkeit falle oft besonders schwer, weiß Hipp. Scham und Unsicherheit spielen eine Rolle. Doch auch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder ein Krankenhausaufenthalt würden die Situation zusätzlich komplizierter machen. Umso wichtiger ist ihr die Nachricht: „Niemand muss diesen Weg allein gehen.“
Es gebe viele Wege zurück in die Gesellschaft, beispielsweise über offene Begegnungsangebote, Gesprächsgruppen oder auch kreative oder bewegungsorientierte Gruppen. Die Beratungsstellen der Caritas würden bei der Suche nach einem passenden Angebot helfen. Auch ein Ehrenamt könnte ein guter Einstieg sein, um wieder unter Menschen zu kommen.
Jeder könne etwas gegen Einsamkeit tun
Gerade jetzt vor Weihnachten gebe es viele offene Treffen, Mittagstische und Gottesdienste. Die „youngcaritas“ engagiert sich zudem mit der Aktion „Briefe gegen Einsamkeit“. Dabei können Mitmenschen Briefe an zum Beispiel Bewohner eines Pflegeheims schreiben, um ihnen zu zeigen, dass jemand an sie denkt. In diesem Jahr seien bereits viermal so viele Briefe eingegangen, wie noch im ersten Jahr, berichtet Monika Hipp.
Das zeigt auch: Jeder Mensch kann etwas dazu beitragen, dass sich Menschen nicht einsam fühlen. So könne einfach mal nachgefragt werden, ob alles in Ordnung ist, man könne jemanden auf einen Kaffee oder Spaziergang einladen oder den bereits etwas älteren, alleinstehenden Nachbar zum Einkaufen mitnehmen. „Oft sind es kleine Gesten, die große Wirkung haben.“
Einrichtungen gegen Einsamkeit in Rottweil
Spittelmühle Rottweil
Die Spittelmühle Rottweil organisiert jedes Jahr gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz ein Weihnachtsfest für Bedürftige und Alleinstehende im Adolph Kolping Gemeindehaus. Die Feier beginnt um 18 Uhr. Neben einem gemeinsamen Essen wird gesungen, Geschenke verteilt und besinnlich den Abend gefeiert.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Suppenstüble Wärmestube
Die Wärmestube in der Suppengasse 2 in Rottweil bietet günstiges Essen sowie einen Treffpunkt für Bedürftige und ältere Menschen an. Interessierte können unter info@suppenstueble.de oder der Telefonnummer 0741/ 9 42 26 38 Kontakt aufnehmen.
Lebenshilfe im Kreis Rottweil – Senioren Tagesbetreuung
Die Senioren Tagesbetreuung der Lebenshilfe im Kreis Rottweil bietet Betreuung, Mahlzeiten und Freizeitprogramme sowie einen Fahrdienst an. Fragen können an Peter Thürmer vom Sozialdienst unter Telefon 07402 9301-20 oder E-Mail peter.thuermer@lh-rw.de gestellt werden. Außerdem ist die Lebenshilfe unter Telefon 0741/17439-0 erreichbar.
Mehrgenerationenhaus – Café und Bistro zum Kapuziner
Die Bruderhausdiakonie bietet im Mehrgenerationenhaus Kapuziner in der Neutorstraße 4-6 im Café und Bistro kostengünstige Mahlzeiten an. Kontakt kann unter 0741/48640 oder martina.heussler@bruderhausdiakonie.de aufgenommen werden.
Altenzentrum St. Elisabeth
Das Altenzentrum bietet Betreuung, offene Mittagstische, Mahlzeiten, Wissensangebote, Ausflüge und Veranstaltungen an. Interessierte können das Altenzentrum St. Elisabeth unter 0741/94 239-0 oder st-elisabeth.rw@stiftung-st-franziskus.de erreichen.