Es sind gewaltige Brände – und sie werden mehr: Nach kräftezehrenden Einsätzen bei einem Entsorger in Zimmern fragen wir nach: Kann die Feuerwehr das langfristig leisten?
Gleich dreimal hat es in der ersten Maihälfte bei einem Entsorgungsbetrieb in Zimmern gebrannt – einmal waren die Feuerwehren mehr als 24 Stunden am Stück gefordert, um den gewaltigen Müllberg zu löschen. Elf Tage später folgte erneut ein langwieriger Einsatz.
Das Problem: Nicht sachgerecht entsorgte Akkus und Batterien werden zunehmend zur Gefahr, auch andere Entsorgungs- und Recyclingbetriebe haben damit zu kämpfen. Was bedeutet das künftig für die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren? Ist das langfristig im Ehrenamt überhaupt zu leisten?
Wir haken beim Landratsamt und Kreisbrandmeister Philipp Glunz nach, wie die Lage im Kreis Rottweil eingeschätzt wird. Die Pressestelle beantwortet unsere Fragen in Absprache mit dem Kreisbrandmeister schriftlich.
Die vergangenen Einsätze beim Entsorgungsunternehmen Alba waren ausgesprochen zeitintensiv und kräftezehrend für die Einsatzkräfte. Wie schätzen Sie die zurückliegenden Einsätze grundsätzlich ein?
Die vergangenen Einsätze beim Entsorgungsunternehmen Alba haben die beteiligten Einsatzkräfte sowohl zeitlich als auch körperlich stark gefordert. Gleichzeitig haben sie erneut gezeigt, wie leistungsfähig und zuverlässig die Feuerwehren im Landkreis Rottweil aufgestellt sind.
Die Zusammenarbeit aller beteiligten Kräfte hat hervorragend funktioniert. Trotz der besonderen Herausforderungen konnten die Einsatzlagen jederzeit kontrolliert und sicher abgearbeitet werden.
Besonders hervorzuheben ist der hohe Einsatzwille unserer ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen, die über viele Stunden hinweg mit großem Engagement im Einsatz waren. Solche Ereignisse machen deutlich, wie wichtig gut ausgebildete, motivierte und einsatzbereite Feuerwehren für die Sicherheit der Bevölkerung und der Betriebe vor Ort sind.
Trotz der hohen Belastung ziehen wir insgesamt ein positives Fazit aus den zurückliegenden Einsätzen.
Angesichts der zugrundeliegenden Problematik (vermutlich nicht sachgerecht entsorgte Elemente im Müll/Akkus oder ähnliches) ist damit zu rechnen, dass diese Brände noch häufiger vorkommen - die, wie man sieht, überaus schwierig zu löschen sind. Kann so etwas eine Freiwillige Feuerwehr überhaupt noch leisten?
Die Problematik falsch entsorgter Akkus oder anderer Stoffe mit hohem Brandrisiko stellt Feuerwehren bundesweit vor große Herausforderungen. Gerade Brände in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben sind häufig besonders personal- und materialintensiv. Ursache dafür sind unter anderem große Mengen an Brandgut sowie die langwierigen Nachlöscharbeiten.
Dennoch zeigt sich immer wieder, dass auch die Freiwilligen Feuerwehren im ländlichen Raum leistungsfähig und professionell aufgestellt sind. Unsere Einsatzkräfte verfügen über ein hohes Maß an Fachwissen, Erfahrung und Einsatzbereitschaft.
An der Belastungsgrenze
Natürlich bringen solche langandauernden Einsätze die Feuerwehren an Belastungsgrenzen. Die Kameradinnen und Kameraden leisten ihren Dienst ehrenamtlich neben Beruf, Familie und Privatleben.
Damit solche Herausforderungen auch künftig bewältigt werden können, sind eine gute Zusammenarbeit der Feuerwehren untereinander, eine zeitgemäße Ausstattung, regelmäßige Aus- und Fortbildung sowie die gesellschaftliche Wertschätzung des Ehrenamts von großer Bedeutung.
Ebenso wichtig ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für die richtige Entsorgung von Akkus und Elektrogeräten. Jeder falsch entsorgte Akku kann im schlimmsten Fall einen Brand mit erheblichen Folgen auslösen.
Die Kostenfrage
Wie werden die Kosten eines solchen Einsatzes getragen?
Die Frage des Kostenersatzes ist in § 34 des Feuerwehrgesetzes Baden-Württemberg geregelt.
Grundsätzlich sind die Träger der Gemeindefeuerwehren verpflichtet zu prüfen, ob für einen Einsatz Kostenersatz geltend gemacht werden kann. Ob und gegen wen ein Kostenersatzanspruch besteht, muss jedoch in jedem Einzelfall anhand der gesetzlichen Voraussetzungen geprüft werden.
Bei Bränden in Entsorgungsbetrieben kommt es insbesondere darauf an, wodurch der Brand verursacht wurde und ob ein Verantwortlicher festgestellt werden kann. Eine pauschale Aussage darüber, wer die Kosten eines solchen Einsatzes trägt, ist daher nicht möglich.
Inwieweit arbeitet man seitens der Feuerwehr im Kreis Rottweil mit den Entsorgungsbetrieben/Recyclingunternehmen an Konzepten, um der grundlegenden Problematik zu begegnen?
Die örtlichen Feuerwehren stehen bereits heute in engem Austausch mit vielen Betrieben in ihren Gemeinden. Dazu zählen neben Entsorgungs- und Recyclingunternehmen auch Industriebetriebe oder andere Einrichtungen mit besonderen Gefahrenpotenzialen.
Gemeinsam werden regelmäßig Einsatzkonzepte abgestimmt, Ortsbegehungen durchgeführt und mögliche Einsatzszenarien betrachtet. Ziel ist es, im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können.
Ursache liegt oft beim Verbraucher
Die eigentliche Ursache solcher Brände liegt jedoch häufig außerhalb des direkten Einflussbereichs von Feuerwehren und Unternehmen. Ein wesentlicher Faktor ist die unsachgemäße Entsorgung von Akkus und Elektrogeräten durch Verbraucher.
Feuerwehren und Unternehmen können sich daher vor allem auf die Vorbereitung möglicher Schadenslagen konzentrieren und geeignete Maßnahmen für den Einsatzfall abstimmen. Die Vermeidung solcher Brände beginnt jedoch bereits bei der korrekten Entsorgung der betreffenden Geräte und Akkus.
Wie ist Ihre Prognose diesbezüglich?
Aus Sicht der Feuerwehr ist davon auszugehen, dass die Zahl solcher Brände in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.
Der Einsatz von Lithium-Ionen-Akkus nimmt stetig zu – sei es in Smartphones, Werkzeugen, E-Bikes, Fahrzeugen oder auch Einwegprodukten wie E-Zigaretten. Damit steigt zwangsläufig auch die Zahl beschädigter oder falsch entsorgter Akkus im Abfallstrom.
Risiko erhöht sich erheblich
Dadurch erhöht sich das Risiko von Bränden in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben erheblich.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten gefragt. Unternehmen, Behörden, Feuerwehren und insbesondere die Bevölkerung können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren. Der wichtigste Schritt bleibt dabei die sachgerechte Entsorgung von Akkus und Elektrogeräten.