Eine App soll die Papierflut bei der Mehrwertsteuererstattung künftig vereinfachen.
Insgesamt 2,8 Millionen Mal drückten die Mitarbeiter des Zollamts Lörrach allein 2024 ihren Stempel auf die grünen Ausfuhrzettel, vor Corona und vor der Einführung der Bagatellgrenze von 50 Euro wurden zeitweise sogar bis zu sechs Millionen Ausfuhrscheine an den Grenzen im Kreis Lörrach registriert.
Eine neue App soll diesen Aufwand künftig reduzieren. Noch für dieses Jahr ist ein Probelauf angekündigt, die deutsche Zollverwaltung stellt den Praxistest für Dezember in Aussicht.
Das digitale Hilfsmittel heißt „eAKZ-App“, was für „elektronischer Ausfuhrkassenzettel“ steht. In der Praxis soll das Verfahren geschmeidiger werden, als es der sperrige Name vermuten lässt. Kunden, die in der Europäischen Union einkaufen, aber in einem Drittstaat leben, müssen sich nach dem Herunterladen der App lediglich registrieren. Dann können sie an der Kasse des Geschäfts, das ebenfalls für die Teilnahme am eAKZ-Verfahren angemeldet sein muss, auf ihrem Mobiltelefon einen Code aufrufen, der vom Geschäft gescannt wird. Automatisch lädt das System dann den Kassenbon in elektronischer Form in der App des Kunden hoch. Vor der Ausfuhr müssen die Kunden dann eine Tracking-Funktion freischalten, sodass die App den Grenzübertritt automatisch registriert.
Der Halt an der Grenze würde für die Kunden aus der Schweiz dann entfallen. Zumindest in aller Regel, denn ein paar Ausnahmen werden bleiben. Bei der ersten Nutzung muss das Verfahren vor Ort von einer Zolldienststelle bestätigt werden. Und bei allen späteren Grenzübertritten kann es im Rahmen von Stichproben sein, dass eine rote Ampel in der App aufleuchtet. Dann müssen die Kunden wie bisher an der Grenze erscheinen.
App lange angekündigt
Die eAKZ-App wurde lange angekündigt, nun soll die Testphase laut Zoll noch in diesem Jahr anlaufen. Allerdings wird der Probebetrieb vorläufig sehr eingeschränkt und nur an bestimmten Zollstellen erfolgen. Interessierte Geschäfte müssen über die Website des Zolls eine Teilnahme am Probebetrieb beantragen.
Beim Hauptzollamt Lörrach erhofft man sich langfristig eine Entlastung. 40 Arbeitskräfte setzt das Hauptzollamt Lörrach in ihrem Bereich derzeit für das Abstempeln der grünen Zettel ein. Wie viele von ihnen später andere Aufgaben erledigen können, lasse sich derzeit nicht abschätzen, erklärt Pressesprecherin Antje Bendel vom Hauptzollamt Lörrach. Dies werde davon abhängen, wie gut das System funktioniert und wie sich daraus die Akzeptanz entwickelt.
Positive Signale
Ganz auf die persönliche Präsenz wird der Zoll ohnehin nicht verzichten können. Ein Grenzübergang, das ist der Autobahnzoll Weil am Rhein, muss sowieso an sieben Tagen rund um die Uhr geöffnet bleiben. Auch vom Handel kommen positive Signale. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee, die den gesamten grenznahen Bereich zwischen Rheinknie und Bodensee abdeckt, unterstützt die Einführung der App „ausnahmslos“. In der Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung heißt es: „Wir versprechen uns eine einfachere, unbürokratischere und schnellere Abwicklung für die Schweizer Kunden, die teilnehmenden Betriebe und die Zollverwaltung.“
Ende des Papierkriegs
Treten die erhofften Effekte ein, dann könnten im Idealfall auch die Staus an den Grenzübergängen verschwinden. Vor allem aber erhofft sich die IHK ein Ende des Papierkriegs in den Handelsunternehmen. Um auch kleineren Geschäften den Zugang zu erleichtern, empfiehlt die IHK auch die Einführung einer webbasierten Version. Eines soll sich selbst bei einem Erfolg der App indes nicht ändern: Die Händler können weiter entscheiden, wie sie die Mehrwertsteuer erstatten. Wer das weiter direkt im Laden vornehmen will, um auch auf diesem Weg die Kundschaft aus der Schweiz zu binden, kann dies weiterhin tun.
Überhaupt spielt der Aspekt Service für die Kunden eine wichtige Rolle. Dies stellt der deutsche Zoll bei den Erläuterungen zum neuen Verfahren ebenso heraus wie die regionale Wirtschaft.
Denn in Spitzenzeiten hätten die Umsätze mit Schweizer Kunden durchschnittlich 30 Prozent betragen. Aktuelle Rückmeldungen würden jedoch zeigen, dass dieser Wert derzeit „leider rückläufig“ sei, erklärt die IHK Hochrhein-Bodensee.