Aufatmen in Vollmaringen, denn nun können die Bürger und Vorbeikommende wieder im Nahversorger einkaufen: Wo 28 Jahre die Bäckerei Miller Produkte des täglichen Bedarfs anbot, sorgt nun das Team von Backwelt Broß für das 1800-Seelen-Dorf.
Vier Wochen ohne Einkaufsmöglichkeit im Ort, das hat so mancher Bürger gemerkt, weiß Hauseigentümer Josef Krknjak. Der Vollmaringer wurde oft angesprochen, was in die Räumlichkeiten kommt. „Wir hatten einige Interessenten, aber wir haben uns bewusst für einen Bäcker mit Nahversorgung entschieden“, erklärt Josef Krknjak.
Bereits vor 28 Jahren hatte er die ehemalige Scheune gekauft, damit seine Eltern und weitere ältere Menschen vor Ort einkaufen können. Einige Jahre war Vollmaringen mit zwei Bank-Filialen, Gastwirtschaften, Bastelgeschäft und zeitweise weiteren Einkaufsmöglichkeiten gut ausgestattet, doch ein Angebot nach dem nächsten verringerte sich.
„Wenn wir keinen Nahversorger im Ort haben, dann ist Vollmaringen tot“
Nachdem Eugen Miller im vergangenen Jahr bekannt gab, seine Bäckerei-Filiale in Vollmaringen nach 28 Jahren zu schließen, ging die Suche los. „Das hat mich einige Zeit gekostet, mein ganzer Allerheiligen-Feiertag ging drauf“, sagt Ortschaftsratsmitglied Daniel Alber, der bereits die Familie Gleich als neue Sportheim-Wirte gewonnen hatte und damit dem Wirtshaus-Sterben in Vollmaringen entgegenwirkte.
Zuerst fragte er einen benachbarten Bäcker, der nicht mitmachte. „Hätte Familie Broß auch abgesagt, dann hätten wir ein Problem gehabt“, verweist der Vollmaringer, dass sein Heimatdorf einen Nahversorger braucht: „Hier haben viele Menschen, die nicht so oder gar nicht mobil sind, eingekauft. Auch ich habe meine Wocheneinkäufe beim Bäcker gemacht. Wenn wir keinen Nahversorger im Ort haben, dann ist Vollmaringen tot.“
„So eine Unterstützung habe ich noch nicht erlebt“
Umso mehr freuten sich Josef Krknjak und Daniel Alber, dass Familie Broß das Experiment wagt. In ihrer Bäckerei in Oberschwandorf und in den Filialen Haiterbach, Ebhausen, Rohrdorf und Ebershardt gibt es neben Backwaren auch mal etwas Mehl und Süßigkeiten – einen Nahversorger wie in Vollmaringen haben sie aber noch nie betrieben. Mit dem Unternehmen Okle und der Metzgerei Pfeffer aus Emmingen habe das Team rund um Bertram Broß gute Zulieferer an der Hand.
Nach 28 Jahren standen nun Neuerungen an, denn die Gesellschaft hat sich geändert. Mit den örtlichen Handwerkern wie Elektro Helber mit Michael Mast und Maler Thomas Raible wurde der Vollmaringer Bäcker modernisiert. „So eine Unterstützung habe ich noch nicht erlebt“, weiß Broß. Neben den Ortschaftsräten Alber und Mast half auch Marco Ackermann mit. Er war mit der Stadt Nagold in Kontakt und sorgte für die Internet-Auffindbarkeit der neuen Backwelt-Broß-Filiale.
Man setzt auf regionale Zutaten
Um etwas Warmes wie Leberkäsweckle oder Pizza-Ecken anbieten zu können, wurde eine Wärmetheke installiert. Auch gibt es Sitzmöglichkeiten. „Viele denken, der Bäcker ist doch klein, wo soll das hin“, zeigt Daniel Alber auf die Regale und erklärt: „Das Sortiment wirkt kleiner, es gibt aber weiterhin alles zu kaufen. Früher gab es fünf verschiedene Sprudel, vier verschiedene Essig und weitere Auswahl. Das haben wir auf eine Sorte reduziert um Platz zu sparen.“
Das 40-köpfige Team von Backwelt Broß setzt auf regionale Zutaten und die Handwerkskunst. „Wir machen jeden Tag acht bis neun verschiedene Körnerweckle aus verschiedenen Teigen. Unser Berliner-Fett wird in der Anlage nach dem Backen gereinigt“, beschreibt Bertram Broß die feinen Unterschiede, warum einige Kunden von seinen Berlinern kein Sodbrennen bekommen. Das Mehl komme von kleinen Mühlen aus der Region. Neu ist auch, dass in Zukunft neben Bargeld auch Kartenzahlung möglich ist.
Ein Treffpunkt soll entstehen
Der neue Bäcker soll laut Daniel Alber ein Treffpunkt sein, wo man einen Kaffee trinken kann. Auch Schüler sollen nach der Schule und Handwerker in ihrer Mittagspause vom neuen Bäcker profitieren, daher wurden die Öffnungszeiten angepasst. Von 6 bis 13.30 und von 15.30 bis 19 Uhr hat die Filiale nun geöffnet. Montag- und Mittwochmittag ist sie geschlossen. Weitere Planungen sind, dass ein Verkaufsautomat aufgestellt wird und auch eine Außenbewirtschaftung ermöglicht wird.
Zur bisherigen Verkäuferin Monika Hamp kommen Sandra Sen und Ramona Broß dazu. Josef Krknjak freut sich, dass alles so zügig geklappt hat. „Nun habe ich nur einen Wunsch“, erklärt der Vollmaringer: „Dass die Bürger und Vereine den neuen Bäcker annehmen und der lange in Vollmaringen für die Nahversorgung sorgt.“