Der Markt in Rottweil zieht viele Menschen an – doch nicht alles läuft rund. Was Kunden und Verkäufer zu sagen haben, zeigt unser Besuch vor Ort.
Bei strahlendem Sonnenschein zieht der Rottweiler Wochenmarkt am Mittwoch zahlreiche Besucher an. Zwischen buntem Obst, frischem Gemüse und duftendem Kaffee genießen viele einen Bummel durch die Innenstadt. Aber was macht den Reiz des Markts aus – und wo sehen Kunden und Händler Verbesserungsbedarf? Wir haben nachgefragt.
Nicht alle Käufer kommen wöchentlich auf den Markt. „Wir kommen nur ab und zu“, meinen Margareta und Rolf Pfriender aus Neufra. Renate Nobel und Karolina Behr aus Rottweil hingegen besuchen die Verkaufsstände sogar mittwochs und samstags. „Einmal Markt – immer Markt“, meint Nobel schmunzelnd.
Doch egal, ob Dauerkunden oder sporadische Einkäufer, sie alle sind sich einig: Sie kommen wegen der frischen und regionalen Produkte. „Man bekommt alles auf einen Schwung“, fügt Erika Roth hinzu, beispielsweise am Obst und Gemüse-Stand Massler-Renner, die vom Bodensee kommen.
Kritik und konkrete Verbesserungsvorschläge
Neben Lob äußern Besucher und Händler aber auch Kritik – und konkrete Verbesserungsvorschläge. „Die Preise sind nicht gut ausgezeichnet und nachfragen ist nicht jedermanns Sache“, meint Karolina Behr. Auch Renate Nobel muss nicht lange nachdenken, als wir nach Problemen auf dem Wochenmarkt fragen. „Die Stadt muss dem Markt mehr den Rücken stärken“, findet sie.
Morgens würden dort oft noch Autos stehen, wo eigentlich die Marktstände aufgebaut werden sollten, so Nobel. Ihrer Meinung nach würden die Einzelhändler und Restaurants in der oberen Hauptstraße mit ihren Auslagen beziehungsweise ihre Sitzgarnituren ebenfalls die Verkäufer des Markts behindern. „Da kommt kein Ordnungsamt“, kritisiert sie.
Schade sei auch, dass der Lojdl Hofspezialitäten-Stand dem Wochenmarkt verloren ginge, meint Karolina Behr bedrückt. Franziska Lojdl aus Pfullendorf bestätigt, dass sie an diesem Tag das letzte Mal Puten- und Bisonfleischprodukte auf dem Rottweiler Markt verkauft habe. Die Fahrtzeit sei einfach zu lang, sie bekomme ein Kind und habe dann niemanden, der sie im Verkaufsstand vertreten könne. Außerdem „läuft es nicht so gut“, fügt sie hinzu.
Fehlende Kundschaft und Personalmangel
Der Lojdl-Stand ist nicht der einzige Marktstand, der mit schwindender Kundschaft zu kämpfen hat. Auch Anna Gunst am Dietinger Natürlich Fisch-Stand meint, es gäbe deutlich weniger Kunden durch die Inflation. „Die Stammkundschaft kommt aber weiterhin“, verrät sie uns.
Jürgen Lepsch aus Bösingen berichtet, dass er an seinem Metzgerstand ebenfalls eine geringere Anzahl an Kunden zu verzeichnen habe. Ein weiteres Problem sei auch der anhaltende Personalmangel. Dadurch, dass er nicht genug Mitarbeiter habe, könne er seine Waren nur mittwochs auf dem Rottweiler Wochenmarkt anbieten, sagt Lepsch, während er Speck in feine Streifen schneidet. Sein Wunsch ist deshalb klar: „Die Stadt soll mehr Werbung für den Wochenmarkt machen.“
Traude Hölle, die seit 23 Jahren mit ihrem Stand „Höllehof Laible“ dabei ist, berichtet, dass sie hat kürzlich ein Schreiben der Stadt erhalten habe – mit einer ungewöhnlichen Formulierung: „Der Schlendrian hat sich eingeschlichen“, habe es darin geheißen.
Schon um 10 Uhr kein Brot mehr
Gemeint sei damit, dass einige Händler ihre Stände bereits vor dem offiziellen Ende des Marktes abbauen – entgegen der geltenden Vorschrift, meint Hölle. Grundsätzlich sei diese Regel nachvollziehbar, doch problematisch werde es, wenn schlicht keine Ware mehr vorhanden sei, ergänzt sie verständnislos.
Bei Traude Hölle mit ihrem kleinen Stand komme es durchaus vor, dass die Ware schon früh ausverkauft sei, erzählt sie. Besonders während der Corona-Zeit habe es einen regelrechten Ansturm gegeben – „um 10 Uhr hatte ich schon kein Brot mehr“, erinnert sie sich. Trotzdem müsse sie bis zum offiziellen Ende des Marktes bleiben.
Unverständliche Vorschrift
Denn in dem Schreiben der Stadt habe es wörtlich geheißen: „Nur weil man keine Ware mehr hat, ist das noch lange kein Grund zu gehen.“ Für Hölle ist diese Regelung unverständlich: „Ein Witz“, sagt sie und hofft auf eine Anpassung der Vorschrift.
Trotz seiner Beliebtheit steht der Wochenmarkt in Rottweil vor Herausforderungen – und die Stimmen von Kunden und Händlern zeigen deutlich, dass noch Verbesserungsbedarf besteht.