„D&D Second Hand“ in Balingen bietet Kleidung und Accessoires aus zweiter Hand. Bei den Kunden spielt auch Nachhaltigkeit generationenübergreifend eine große Rolle.
Es sind schockierende Zahlen: Rund 120 Millionen Tonnen Kleidung landen weltweit jährlich im Müll. Fast Fashion, die schnelle Mode, die in riesigen Mengen billig produziert wird und oft schon nach einer Saison wieder ausgedient hat, hat ihren Preis. Die sozialen Folgen sind enorm. Ganz zu schweigen von den ökologischen.
Doch es gibt sie – die Second-Hand-Läden, die der mächtigen Fast-Fashion-Industrie den Kampf ansagen. Und ein Zeichen gegen Verschwendung und Ausbeutung setzen. Einer dieser Läden ist „D&D Second Hand“ in Balingen. Seit nunmehr einem Jahr betreibt Derya Örs das Geschäft in der Schwanenstraße 11 gemeinsam mit ihrem Mann.
Zweigt man von der Friedrichstraße ab, sticht es sofort ins Auge: das schöne alte Fachwerkhaus, in dem „D&D Second Hand“ am 4. Januar 2025 zum ersten Mal seine Türen öffnete. Auch jetzt stehen selbige weit offen. Derya Örs begrüßt jeden, der den Laden betritt, mit einem strahlenden Lächeln. Hier sind alle gleichermaßen willkommen – egal, ob sie mit ihrem Geld haushalten müssen oder über ein gut gefülltes Portemonnaie verfügen.
Werden die Kunden das Geschäft annehmen?
Derya Örs hat ihre Passion gefunden. „Ich habe es bis heute nie bereut, dass wir diesen Schritt gewagt haben. Ich liebe meinen Job“, kann sie gut ein Jahr nach der Eröffnung voller Überzeugung sagen. Davor gab es hingegen schon einige Bedenken. Wird es auch funktionieren? Werden die Kunden das Geschäft annehmen?
Das waren Fragen, die die Balingerin damals umtrieben. Zumal sie mit dem Laden „komplettes Neuland“ betrat. Bei allen Zweifeln konnte sie jedoch auf die Unterstützung ihrer Familie bauen. Diese stand und steht stets hinter ihr. Und gemeinsam fiel es leichter, diesen Schritt zu wagen.
„Es gibt viele Leute, die bedürftig sind“
Warum gerade ein Second-Hand-Laden? Aus einem einfachen und sehr naheliegenden Grund. „Wie so viele hatten auch wir einfach zu viel Kleidung, die wir nicht oder nicht mehr angezogen haben“, sagt Derya Örs. Regelmäßig hat die Familie deshalb Sachen in die Türkei mitgenommen und sie dort verteilt. Der Gedanke, dass Second-Hand-Kleidung auch hierzulande gefragt sein könnte, führte schließlich zum „spontanen Entschluss“, das Projekt in Balingen anzugehen. „Es gibt viele Leute, die bedürftig sind“, weiß Derya Örs.
„Er hatte genau 10 Euro in der Tasche“
Ein sehr eindrückliches Beispiel ist das eines Mannes, der eines Tages in den Laden kam. Kurzärmelig – obwohl das die Temperaturen zu dieser Jahreszeit eigentlich gar nicht zuließen. „Er hatte genau 10 Euro in der Tasche, mit denen er sich entweder etwas zu essen oder einen Pullover kaufen konnte“, erinnert sie sich. Derya Örs überlegte nicht lange – und schenkte ihm das Kleidungsstück.
Ihren Kunden den bestmöglichen Service zu bieten und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, für kleines Geld einzukaufen – das ist ihr Anliegen. Auch wenn „D&D Second Hand“ feste Öffnungszeiten hat, schließt sie schon mal die Ladentür auf, wenn das Geschäft eigentlich zu hätte. Etwa dann, wenn jemand auf den letzten Drücker noch ganz dringend ein Kleidungsstück, zum Beispiel für einen festlichen Anlass, benötigt.
Kleidung ist gefragt
Waren es zu Beginn viele Spenden aus dem Freundes- und Familienkreis, die die Regale füllten, kommen mittlerweile immer mehr Menschen, die Ware abgeben möchten. Da die Begutachtung Zeit kostet und viele Kunden längere Wege in Kauf nehmen, vereinbart man dazu am besten telefonisch einen Termin. Insgesamt sechs bis acht Wochen bleibt die Kleidung dann im Laden. „Was nicht verkauft wird, holt die Kundschaft wieder ab.“
Gehörten am Anfang noch Haushaltswaren zum Angebot, sind diese – ebenso wie Kinderkleidung – nun nicht mehr erhältlich. „Am meisten gefragt ist Damen- und Herrenkleidung“, kann Derya Örs mittlerweile aus Erfahrung sagen. Im Laden findet man indes nicht nur gebrauchte Kleidungsstücke, sondern auch viel Neuware, die hier zum Second-Hand-Preis verkauft wird.
Immer mal wieder werde die Frage gestellt, ob das Geschäft auch Brautkleider verkaufe. „Dazu haben wir leider zu wenig Platz“, bedauert die Inhaberin, notiert sich aber stets die Adresse des Fragestellers.
Stammkunden kommen vorbei
Sehr zur Freude von Familie Örs konnte „D&D Second Hand“ innerhalb des ersten Jahres schon zahlreiche Stammkunden gewinnen. Unter ihnen sind nicht nur Menschen mit kleinem Budget, sondern auch solche, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legen. Dass auf letzteres vorwiegend Frauen achten, ist ein Klischee, das Derya Örs so nicht bestätigen kann. „Wir haben auch viele männliche Kunden“, betont sie. Ferner sei der Trend zu Nachhaltigkeit nicht nur Sache der jungen Generation, sondern generationenübergreifend. Und sie alle verbindet eines: die Wertschätzung für die Ware.