Noch bis Ende des Monats Juni surren die Maschinen der Flüchtlingsfrauen in der Nähwerkstatt von „Fadenlauf“ in der Löhrstraße 2. Wie es nach dem Umzug ins ehemalige Dr. Karl-Hohner-Heim in der Händelstraße weitergehen kann, dahinter stehen derzeit noch etliche große Fragezeichen. Foto: Ingrid Kohler

Im November 2015 wurde für Asylbewerber das neues Projekt Fadenlauf gestartet – im Mittelpunkt steht dabei Handarbeiten und Sprache. Jetzt gibt es dunkle Wolken über dem Projekt.

Flüchtlingsfrauen gab man somit die Gelegenheit unter Anleitung Näh- und Handarbeiten für sich und ihre Familien anzufertigen und dabei gleichzeitig die Sprachkenntnisse anzuwenden und zu festigen. Jetzt steht die Zukunft in Frage.

 

Ab Juni ist die Evangelische Kirchengemeinde nicht mehr der Träger der Nähwerkstatt von Troasyl Fadenlauf, die dann vorübergehend in die Händelstraße umzieht.

Es war „das Kind“ von Initiatorin Rita Buggle-Fink, die schon vor rund fünf Jahren verstorben ist. Die Nähwerkstatt, die sich nach einiger Zeit Troasyl Fadenlauf nannte, wurde in den knapp zehn Jahren ihres Bestehens dank dem großem Engagement einiger Helfer und nicht zuletzt der Flüchtlinge zu einer in Trossingen nicht mehr wegzudenkenden Institution.

Vieles genäht

Das Fadenlauf-Team unter der heutigen Leiterin Silvia Heinz, die bereits seit den Anfängen mit dabei ist, hat mit den Flüchtlingen mit immer wieder neuen Ideen Praktisches für den Alltag wie Jeanstaschen oder Schürzen aus alten Herrenhemden, aber auch jahreszeitliche Geschenkideen und vieles mehr kreiert. Gerne auch auf speziellen Kundenwunsch, hin und wieder auch in „Serie“ wie Bettwäsche oder Sitzkissen für Kindergärten.

Permanente Abnehmer

So zählt unter anderem das Trossinger Nudelhaus zu den permanenten Abnehmern der genähten Geschenkideen des Fadenlaufs. Außerdem beteiligt sich das Team seit Jahren mit Genähtem und Gestricktem beispielsweise auf dem Kunsthandwerkermarkt in Trossingen, auf dem Adventsbasar in Weigheim und weiteren Veranstaltungen und erfährt so immer wieder gute Resonanz bei der Kundschaft.

Mehrfach umgezogen

Immer wieder musste das Team von Fadenlauf umziehen. Ganz zu Anfang durfte das damalige Strickstüble des Handarbeitskreises der evangelischen Kirchengemeinde genutzt werden. Mit dem Umzug ins ehemalige Haus der Diakonie am Kirchplatz, gab es dann genügend Platz und auch Lagermöglichkeiten für Materialien wie Stoffe und Wolle.

Als das Haus der Diakonie – inzwischen ist es das Melanchthonhaus – zum Verwaltungsgebäude der evangelischen Kirchengemeinde wurde, stand ein erneuter Umzug an. Groß war die Freude, als man im Oktober 2020 die neuen Werkstatt- und Verkaufsräumlichkeiten in der Löhrstraße eröffnen konnte.

Schaufensterfront zieht Blicke an

Hell und übersichtlich, barrierefrei und vor allem an exponierter Stelle zog der Laden an den beiden Öffnungstagen (Mittwochmorgen und Freitagmittag) die Kunden an, denn schon die Schaufensterfront wurde immer aktuell und vielversprechend dekoriert und zog somit die Blicke der Vorbeikommenden an.

Doch damit ist zum Ende des Monats Schluss, denn die evangelische Kirchengemeinde führt die bisherige Trägerschaft nicht weiter. Die Räume in der Löhrstraße 2 seien auf Ende Juni gekündigt worden, erläutern Fadenlauf-Leiterin Silvia Heinz und Troasyl-Leiterin Gisela Forn und „viele Leute finden es sehr schade, dass wir hier rausmüssen“.

Sehr gut selbst finanziert

Die Kosten für das Projekt Fadenlauf hätten sich schließlich sehr gut getragen „wir haben ja einige Großabnehmer“, so Silvia Heinz, die die Notlage auch bei Bürgermeisterin Susanne Irion vorbrachte. Mit einem kleinen Erfolg: „Wir können jetzt zum 1. Juli in einen Teil des ehemaligen Speisesaals des ehemaligen Dr. Karl-Hohner-Heims und heutigen Flüchtlingsunterkunft in der Händelstraße einziehen, wo uns natürlich das Schaufenster des jetzigen Ladens fehlt.“

Allerdings nur vorübergehend, denn der Mietvertrag mit dem Landratsamt Tuttlingen läuft im Februar 2026 aus, das städtische Gebäude soll dann verkauft werden, so dass die Nähwerkstatt Fadenlauf bereits heute auf der Suche nach einem neuen Domizil ist.

Neuer Träger gesucht

Und nicht nur das. „Wir suchen auch einen Kooperationspartner als neuen Träger“, so Gisela Forn und denkt dabei an eine soziale Institution. Eine äußerst schwierige Gesamtsituation also für Troasyl-Leiterin Gisela Forn und Fadenlauf-Leiterin Silvia Heinz. „Wir haben Aufträge, aktuell sogar einen Großauftrag für 130 Taschen, wir müssen aber einen Träger und eine dauerhafte Bleibe finden, damit wir weiter arbeiten können.“

Es muss weitergehen

Das Projekt Fadenlauf, das in einem knappen Jahrzehnt zu einem „Selbstläufer“ geworden ist, steht also derzeit am Scheideweg, doch es darf nicht sterben, da sind sich die beiden rührigen Frauen einig. Schließlich gehe es nicht nur um den Verkauf und einen guten Umsatz, denn „wir haben seit längerer Zeit vier Flüchtlingsfrauen, die jede Woche pünktlich und voller Freude in unsere Nähwerkstatt kommen, um zu nähen“.

Somit hätten sie einen sinnvolle Tätigkeit, die dazu noch Spaß mache und vor allem „sie bekommen wie auch wir anderen keinen Cent dafür, wir arbeiten alle im wirklichen Ehrenamt“, betont Silvia Heinz imm er in der Hoffnung, dass sich baldmöglichst eine neue Perspektive findet.