Faceboook hatte am Montag einen sechsstündigen Totalausfall. (Symbolfoto) Foto: Dominic Lipinski/dpa

Rund sechs Stunden ohne Facebook, WhatsApp und Instagram: Ein ungewöhnlich langer Total-Ausfall hat am Montag Milliarden Nutzern des Online-Netzwerks zugesetzt. Facebook erklärte die Störung mit einer fehlerhaften Konfigurationsänderung. Dadurch sei der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren zusammengebrochen. Doch was heißt das eigentlich?

Oberndorf - Im Internet gibt es viele sogenannte DNS-Server. DNS steht dabei für Domain-Name-System. Diese DNS-Server funktionieren wie Telefonbücher. Der Nutzer gibt in seinem Browser eine Domain wie "www.facebook.com" ein und startet damit eine Anfrage an den DNS-Server. Dieser meldet nun zurück, unter welcher IP (Netzwerkadresse) sich der eigentlich gewollte Server befindet. Dadurch weiß der Browser, wo die gewünschte Website erreichbar ist.

Die Verbindung zum Server

In der Regel meldet der DNS-Server eine IP-Adresse - im Beispiel des Telefonbuchs also die Nummer - zurück. Diese netzwerkfähige Adresse besteht aus vier Zahlenblöcken zwischen eins und 255 wie etwa 192.168.2.1 oder 8.8.8.8 (was die IP-Adresse des Google-Servers ist). Nur so weiß der Browser also, wie er die Website erreicht. Funktioniert alles ganz normal, wird eine Anfrage an den Server geschickt.

Das "Border-Gateway-Protocol" (kurz BGP) fungiert dabei wie ein Navigationsgerät - es erklärt dem jeweiligen Browser, wie er den schnellsten Weg durch die Untiefen des Netzwerks zur eigentlichen Website findet, sodass diese im Browser angezeigt werden kann.

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Das ganze passiert völlig automatisch im Hintergrund, sodass der eigentliche Nutzer nichts davon mitbekommt. Eine solche Anfrage braucht im Normalfall nur wenige Millisekunden.

Der Fehler

Facebook hat mehrere dieser DNS-Server, die externe Anfragen annehmen. Die Nameserver heißen zum Beispiel A.NS.FACEBOOK.COM - das "NS" steht dabei für Nameserver. Diese Nameserver, und damit auch das BGP, waren - so erklärte es ein Facebook-Sprecher am frühen Dienstagmorgen - wohl aufgrund einer Fehlkonfiguration nicht mehr erreichbar. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Der Telefonbucheintrag für Facebook war plötzlich einfach verschwunden und das Navigationsgerät ist auch ausgefallen.

Durch dieses "Verschwinden" wussten Browser nicht mehr, wo sie die Facebook-Server finden sollen und wie sie dort hinkommen. Sie gaben deshalb eine Fehlermeldung aus.

Alle Dienste gleichzeitig betroffen

Doch warum waren alle Facebook-Dienste - also Instagram, WhatsApp, Messenger und Co. - gleichzeitig davon betroffen? Facebook hat all seine Services über die gleichen Domainserver verbunden. Das bedeutet, dass auch eine Anfrage auf whatsapp.com oder instagram.com bei einem der hauseigenen DNS-Server ankommt. Da diese aber nicht erreichbar waren, fehlten also auch die Einträge für WhatsApp und Instagram im "Telefonbuch".

Auch Smartphone-Apps greifen im Hintergrund auf diese Server zu. Schließlich müssen auch sie irgendwie an die Datenbanken kommen, um Inhalte anzuzeigen. Daher waren sie ebenso ratlos wie ein Webbrowser und zeigten eine Fehlermeldung an, oder - wie im Fall von WhatsApp - funktionierten einfach nicht mehr.

Warum Facebook keine Fehlermeldung anzeigen konnte

Zu Beginn des Ausfalls erschien auf den Websites von Facebook und Instagram noch eine Fehlermeldung. Diese verschwand aber nach wenigen Minuten bei den meisten Nutzern wieder. Hier gilt nämlich das selbe Problem: Die Fehlermeldung liegt irgendwo auf einem Server von Facebook - der aber nicht gefunden wurde.

Sieben Stunden - geht das nicht schneller?

Der Ausfall dauert rund sieben Stunden. Für einen Laien wirkt das vielleicht nicht lange, für Menschen, die auf Facebook aus beruflichen Gründen angewiesen sind, aber wie eine Ewigkeit. Doch warum konnte der Fehler nicht einfach behoben werden?

Facebook verwies darauf, dass von dem Ausfall auch interne Systeme betroffen gewesen seien - wodurch es länger gedauert habe, das Problem zu diagnostizieren und zu beheben. Auch die internen Systeme sind irgendwo auf einem der Server abgespeichert. Vereinfacht erklärt: Auch die Computer der Facebook-Entwickler wussten plötzlich nicht mehr, wo sie ihre internen Systeme finden. Da davon auszugehen ist, dass Facebook diverse Sicherheitseinrichtungen hat, um eine Direktverbindung zum Server zu verhindern, konnten die Entwickler - obwohl sie mutmaßlich die Netzwerkadresse, also die IP des Servers kannten, auch nicht darauf zugreifen. Laut Medienberichte großer amerikanischer Zeitungen, sei daher ein Entwicklerteam direkt ins Rechenzentrum (also den physischen Standort des Servers) geschickt worden, um dort die Fehlerbehebung anzugehen.

Da diese Rechenzentren aber großflächig verteilt sind - und die Server nicht wie haushaltsübliche Computer bei den Entwicklern im Büro stehen - hat diese Anfahrt wahrscheinlich einen großen Teil zur Dauer der Störung beigetragen. Denn nur über einen Direktzugriff auf den Server kann ein so gravierender Fehler behoben werden.

Sind Hacker die Ursache?

Zu Beginn der Störung kursierten im Netz Gerüchte über einen Hacker-Angriff. IT-Experten stellten jedoch schnell klar, dass das eher unwahrscheinlich ist, da alle Services zur selben Zeit ausfielen - und eben nur die "kleinen" DNS-Server betroffen waren. 

Gab es das schon mal und was sind die Folgen?

Bei Facebook hatte es im Frühjahr 2019 einen großflächigen Ausfall gegeben, der dem Konzern zufolge auf einen Fehler bei der Server-Konfiguration zurückging. Die Störung vom Montag war jedoch in Ausmaß und Dauer außergewöhnlich.

Eine Frage ist nun, ob der Ausfall Facebook-Werbekunden veranlassen wird, über Alternativen nachzudenken. Denn gerade viele kleine Unternehmen rund um die Welt verlassen sich auf Facebook, um Kunden anzulocken. Für sie bedeutete die Störung verlorene Geschäfte.

Die Facebook-Aktie schloss mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Das persönliche Vermögen von Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar. Mit noch 121,6 Milliarden Dollar rutschte er demnach um einen Platz nach hinten auf den fünften Rang hinter Microsoft-Gründer Bill Gates. Nachdem die Störung behoben war, legte der Kurs der Facebook-Aktie im nachbörslichen Handel wieder um 0,39 Prozent zu.

Aus technischer Sicht gab es keine besonderen Folgen durch den Ausfall. Auf den Nameservern sind, abgesehen von den Netzwerkadressen, in der Regel keine Daten gespeichert.

Anmerkung der Redaktion: Bei den hier geschilderten Sachverhalten handelt es sich um sehr vereinfacht dargestellte komplexe Systeme und Vorgänge, die lediglich der Veranschaulichung des Problems dienen und somit keinen Anspruch auf technische Vollständigkeit erheben.