Neben Familie und Wegbegleitern haben Hunderte Ortenauer am Freitag in Offenburg von Wolfgang Schäuble Abschied genommen. Unsere Redaktion hat sich unter den Trauernden umgehört.
Zehn Minuten lang ist in der Offenburger Innenstadt Glockengeläut zu hören, bevor die Türen der evangelischen Stadtkirche um 11 Uhr von Sicherheitskräften geschlossen werden. Um die Kirche herum ein massives Aufgebot von Polizisten, die den Bereich großflächig absichern. Hinter den Absperrungen: Hunderte Bürger, nicht wenige in Schwarz gekleidet, die innehalten. Sie alle sind aus einem Grund gekommen – um Abschied von Wolfgang Schäuble zu nehmen.
Schäuble bleibt Bürgern als Ortenauer in Erinnerung
„Er hatte sich nicht nur bundesweit für Bürger stark gemacht, sondern auch immer für die Ortenauer. Schäuble war einfach ein guter Mensch“, erklärt eine Offenburger Seniorin im Gespräch mit unserer Redaktion, während sie mit einem Taschentuch ihre glasigen Augen trocknet. Sie ist nicht die einzige, die den CDU-Politiker als Mann in Erinnerung behält, der nie vergessen hatte, wo er herkam. „Er war für die Bürger greifbar, hat sein Leben in der Region verbracht. Auch seine Frau konnte man immer wieder beim Markt antreffen“, erzählt ein Zuschauer über Ingeborg Schäuble, die zu diesem Zeitpunkt in der Stadtkirche um ihren Ehemann trauert.
Was in der Kirche passiert, Politiker, Familien und Weggefährten über Schäuble berichten, ist im Internet in Echtzeit mitzuverfolgen. Die gesamte Trauerfeier wird vom SWR-Fernsehen live übertragen. So auch in der Reithalle im Kulturforum, etwas mehr als einen Kilometer von der Kirche entfernt. Im September 2022 hatte es dort noch einen Festakt zum 80. Geburtstag Schäubles gegeben. Auch hier haben Trauernde nur Gutes über den gebürtigen Hornberger zu sagen. „Er war ein Mann mit klaren Vorstellungen und klaren Ansagen – einfach ein Vorbild“, sagt Hans-Joachim Böhm im Gespräch unserer Redaktion.
Bürgerwehren stehen mit 100 Mann ein Ehrenspalier
Der Landeskommandant der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen ist mit 100 Uniformierten vor Ort, um beim anschließenden Trauerzug ein Ehrenspalier zu stehen. „Für die Bürgerwehren ist das sehr bedeutend. Bereits zu seinem 75. Geburtstag haben wir für ihn einen Aufmarsch gemacht“, erinnert sich Böhm.
12.20 Uhr – der Platz vor der Stadtkirche füllt sich immer mehr. Anwohner öffnen ihre Fenster, beobachten das Ganze von ihrer Wohnung aus. Noch rund zehn Minuten soll es dauern, bis Soldaten des Wachbataillons den Sarg Schäubles aus der Kirche tragen. Dann ist es soweit: Die Kirchentür öffnet sich. Die Orgel, die bis gerade eben bloß bei genauem Hinhören wahrzunehmen war, ist nun deutlich zu vernehmen und begleitet Uniformierte nach draußen. Zwei Männer treten hervor, in ihren Händen ein großes Blumen-Herz aus Rosen mit der Aufschrift „Deine Ingeborg“.
Acht Soldaten tragen den Sarg aus der Stadtkirche
Das militärische Ehrengeleit setzt ein und spielt Musik. Unter den Augen von Hunderten Trauernden tragen acht Soldaten den Sarg nach draußen, auf dem eine große Deutschlandfahne mit Bundesadler überspannt ist. Hinter ihnen Schäubles Familie und Ehrengäste, die bis eben an der Trauerfeier teilgenommen haben. Nicht nur bei ihnen sind bedrückte Gesichter und Tränen zu erkennen. Auch bei den Zuschauern, die hinter den Sperrgittern stehen, herrscht Wehmut. „Es ist einfach nur traurig“, beschreibt ein älteres Ehepaar die Stimmung vor der Stadtkirche.
Nachdem für den ehemaligen Bundestagspräsidenten die Nationalhymne gespielt ist, setzt sich um 13 Uhr der Trauerzug in Bewegung. Ein Polizeiwagen gibt den Weg in Richtung Waldbachfriedhof vor. Dahinter die Soldaten, die den Sarg durch die Offenburger Straßen führen, sowie Schäubles Angehörige, Freunde und Wegbegleiter.
Zu hören sind nur das Traben der Polizeipferde und die Marschtrommel des Musikzugs. Zu sehen sind unzählige Trauernde am Straßenrand. Und zu spüren ist besonders eines: Dankbarkeit für alles, was der Offenburger Ehrenbürger für das Land und vor allem für seine Heimat bewirkt hat.