Wie gut sich der Oleander in der Kokoserde (unten am Boden) im Vergleich zur herkömmlichen Pflanzenerde entwickelt hat, zeigt Martina Miller aus Göttelfingen in ihrem Garten-Paradies. Foto: Feinler

Der Verein Eine-Welt-Laden aus Eutingen geht während der Corona-Pandemie neue Wege, um sich für den fairen Handel stark zu machen und die Umwelt zu schonen.

Eutingen/Göttelfingen - Die Ehrenamtlichen laden nicht nur in die Räumlichkeiten am Eutinger Rathaus ein, sondern bilden sich zum Thema "Eine Welt – und fairer Handel" fort.

Noch vor der Corona-Pandemie besuchte Martina Miller aus Göttelfingen die Fair-Handeln-Messe in Stuttgart und wurde auf Kokoserde als Alternative zur herkömmlichen Pflanzenerde aufmerksam.

Im Eine-Welt-Laden in Eutingen wird nicht nur der Erzeuger von Lebensmitteln wie Schokolade, Kaffee, Tee und Gewürze, gerechter bezahlt, auch Hersteller von Non-Food-Materialien sollen fair entlohnt werden. So bietet der Verein Saison-Ware zu Festtagen und passend zur Jahreszeit an, aber auch ganzjährig Kunsthandwerk und Textilien aus allen möglichen Ländern der Erde. Im Mittelpunkt steht immer der Erzeuger, dessen Produkte auch im Supermarkt gekauft werden können, aber für dessen gerechtere Bezahlung sich das Team des Eine-Welt-Ladens besonders einsetzt.

Vorab wird viel ausprobiert

Damit die Ehrenamtlichen die Produkte auch kennen, werden viele vorab ausprobiert. Martina Miller war von der Kokoserde als Alternative zur herkömmlichen Pflanzenerde angetan. "Die ist nicht so dreckig und ganz leicht", erklärt die Göttelfingerin. Sie hatte mit Oleander den Vergleich gemacht. Den gleichen Oleander teilte sie in zwei gleiche Behältnisse auf und pflanzte beide zur gleichen Zeit. Der Oleander in der Kokoserde reicht ihr heute fast bis zur Hüfte. Der in der herkömmlichen Pflanzenerde gerade einmal bis zur Kniekehle. Ihr Resultat: "Der Oleander in Kokoserde hat sich wesentlich besser entwickelt." Und das obwohl beide gleich gepflegt wurden, sich am gleichen Platz aufhielten und keine Veränderung erlebt haben. Daher hat Miller auch schon wieder den nächsten Kokosblock in sechs Liter Wasser eingeweicht und für die nächste Verpflanzung vorbereitet. Mit Zimmerpflanzen hat sie das Experiment noch nicht gewagt, doch im Freien gelang ihr dieses mit der Kokoserde aus Sri Lanka schon ganz gut.

Mirjam Armbruster aus Rohrdorf, die nun in Basel lebt, erhielt von ihrer Mutter Karin den Kokoblock im Weihnachtsgeschenke-Korb. "Da ich Gärtner-Neuling war und den Umgang mit herkömmlicher Pflanzenerde daher nicht gewohnt, bin ich überhaupt nicht skeptisch gewesen und habe es einfach ausprobiert", erklärt Mirjam Armbruster und fügt hinzu: "Erstaunlich war, wie sich das Volumen durch die Zugabe von Wasser vervielfacht hat. Aus 750 Gramm trockener Kokoserde wurden neun Liter fertige Pflanzenerde!" Für die gebürtige Rohrdorferin super, denn so musste sie keinen schweren Sack Pflanzenerde auf den Balkon im obersten Stock tragen. Eingepflanzt hatte sie gleich verschiedene Wiesenblumen, Gartenkräuter, Tomaten, Zucchini, Chili und Erdbeeren. Fotos zeigen, dass alle Samen gekeimt haben.

Auch für die Anzucht gut geeignet

Auch den Umweltaspekt sieht Armbruster: "Der Kokoblock besteht aus gepressten Kokosfasern – ein Abfallprodukt der Herstellung von Seilen und Teppichen." Für den Kokobolck werden keine Regenwälder abgeholzt, um Palmen und das oft in der Kosmetik und in Lebensmitteln verwendete Palmöl zu erhalten. Zudem hat das Team des Eine-Welt-Laden erfahren, dass mit dem Kauf des fair gehandelten Produkts neue Arbeitsplätze geschaffen werden und zur wirtschaftlichen Dorfentwicklung in Sri Lanka beigetragen wird.

Zudem weist das Team des Eine-Welt-Ladens in Eutingen auf die Alternative zum Torf-Abbau hin, der manche verborgene Tücke beinhaltet. Harry Henke, von Greenpeace, und Michael Krabs veröffentlichten über die Internetseite Reportagen.de: "Laut Greenpeace bestehen 99 Prozent der handelsüblichen Blumenerden mindestens zur Hälfte aus Torf. Allein in Deutschland werden für den Einsatz in Gartenbaubetrieben, Hausgärten und Blumentöpfen jährlich 10,2 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut. Aus ökologischer Sicht ein katastrophaler Verlust, denn in den Mooren leben äußerst seltene Tier- und Pflanzenarten." Beispielsweise über die Torfmassen im Kongobecken hatte Greenpeace berichtet und forderte die Weltgemeinschaft schon bei einigen Klimagipfeln mit der Botschaft zum Handeln auf: "Torfmoore schützen das Klima: einfach, indem sie Kohlenstoff binden, das sonst als CO in die Atmosphäre gelangen würde."

Martina Miller aus Göttelfingen hat die Kokoserde überzeugt, die auch für die Anzucht gut geeignet sei – und vielleicht probiert sie das fair gehandelte Umweltprodukt auch demnächst für Obst- und Gemüsesetzlinge aus.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: