Unverhofft kommt oft: Vor einem halben Jahr haben Susanne Conzelmann und ihre Familie Urlaub in Rom gebucht – und sind jetzt mittendrin in der Weltgeschichte. Am Tag nach der Beisetzung von Papst Franziskus sind sie in Rom gelandet – und verblüfft.
Zur Beisetzung von Papst Franziskus, die am Samstag eine Viertelmillion Menschen auf dem Petersplatz im Vatikan zusammengebracht hat, sind Susanne Conzelmann – freie Journalistin für den Schwarzwälder Boten – und ihre Familie zu spät gekommen. Erst seit Sonntag weilen sie in der Ewigen Stadt, ihr Hotel liegt dafür aber keine 250 Meter vom Grab des verstorbenen Pontifex entfernt.
Gleich am Sonntag, nach der Landung, hatte sich die Familie auf den Weg vom Hotel Richtung Zentrum gemacht – vorbei an der Kirche Santa Maria Maggiore, in der Franziskus in einem einfachen Erdgrab seine letzte Ruhe gefunden hat. Von zwei Stunden Wartezeit hatte Susanne Conzelmann gelesen, wie sie berichtet. Doch die Schlange der Menschen, die das Grab besuchen wollten, sei viel länger gewesen, habe um die ganze Kirche herum und die Straße hinab geführt. Als Familie Conzelmann gegen 21 Uhr zurück zum Hotel ging, sahen sie, „dass immer noch Menschen hineingehen – die Wartezeit bis zum Grab waren dann noch maximal zehn Minuten“, anders als am Nachmittag.
„So bescheiden – man könnte es glatt übersehen“
„Wenn nicht so viele Menschen davorstünden, würde man das Grab, auf der linken Seite in der Kirche, glatt übersehen“, berichtet Susanne Conzelmann, beeindruckt von der Bescheidenheit der letzten Ruhestätte des ebenso bescheidenen Papstes.
Die anderen Gräber in der Kirche, wo schon mehrere Päpste begraben sind, seien nicht so schlicht, fügt sie mit Augenzwinkern hinzu – in der evangelischen Kirche, wo die Familie ihre geistliche Heimat hat, ist Pomp, wie er in manchen katholischen Kirchen herrscht, bekanntlich nicht so gerne gesehen.
Mehr als 20 Sekunden vor dem Grab zu stehen und ein Gebet zu sprechen, „waren mir nicht vergönnt“, erklärt sie enttäuscht. „Mittags, beim größten Ansturm, war die Zeit vermutlich noch viel kürzer“, und man werde mehr geschoben als dass man stehe. Wie war die Stimmung in der riesigen Marienkirche? „Besinnlich, aber nicht traurig“ – so hat Susanne Conzelmann es empfunden. „Und sehr würdevoll: Niemand macht Selfies!“ Die Besucher seien sehr international – Menschen aus aller Welt, und nun sogar aus Truchtelfingen.
Was der Rom-Reisenden ebenfalls aufgefallen ist: „Ich hätte mit wesentlich mehr Kitsch-Devotionalien mit dem Bild des Papstes gerechnet“, sagt Susanne Conzelmann. „Tassen, T-Shirts“ – all das halte sich sehr in Grenzen.
„Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen“
Was den Rest der Stadt angeht, so sind Susanne Conzelmann und ihre Familie überwältigt von der großen Zahl der Besucher: „Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen – sehr viele Jugendgruppen, viele mit dem Emblem des Heiligen Jahres, sehr viele Pfadfindergruppen.“ Die Menschenmenge, die eigens zum Requiem und zur Beisetzung für Papst Franziskus angereist sei, gehe vermutlich in den vielen Besuchern unter, die auch ohne diesen Anlass rund um Ostern in der Stadt gewesen wären.
Eine Nebenwirkung des Heiligen Jahres – ziemlich hohe Preise – hat Familie Conzelmann übrigens auch schon zu spüren bekommen: In der Eisdiele „Elisa“ unweit des Trevi-Brunnens haben sie, ihr Mann Uwe und Sohn Ruben je eine Kugel geschleckt – und zusammen das bezahlt, „was 1960 ein Einfamilienhaus gekostet hätte“, wie Ruben Conzelmann scherzhaft anmerkte. Dafür soll die Eisdiele zu den besten der Welt gehören. Und die Kugeln – eine für 7,50 Euro, seien immerhin „riesig – und saulecker!“.