Treffpunkt im Quartier: Das Ukraine-Café ist nur eine der erfolgreichen Veranstaltungen im Quartierstreff an der August-Bauer-Straße. Foto: Beatrice Ehrlich

Großen Rückhalt gab es im Kultur-, Sport und Verwaltungsausschuss für die Pläne der Stadt, die Quartiersarbeit in Friedlingen und in der „Hohen Straße“ fortzusetzen.

Die Fortsetzung der Quartiersarbeit ist für die Stadt künftig mit Kosten verbunden, wie Hauptamtsleiterin Annette Huber im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss (KSVA) ausführte. In Friedlingen sollen die Personalkosten für die Quartiersmanagerin künftig je zur Hälfte (30 000 Euro im Jahr) von der Stadt Weil und der Städtischen Wohnbaugesellschaft getragen werden. Während die Wohnbau zudem die Räume stellt, steuert die Stadt 5000 Euro für die Sachkosten bei.

 

In der Kernstadt will die Stadt zusammen mit dem Caritasverband und der Wohnbau die Quartiersarbeit weiterentwickeln. 2025 solle rund 8000 Euro überplanmäßig zur Verfügung gestellt werden.

Antrag auf Fördergelder

Hier bestehe eine gewisse Dringlichkeit, machte Huber deutlich: Zwar laufe die Anschubfinanzierung für den Quartierstreff „Hohe Straße“ in der August-Bauer-Straße 3 erst Ende Mai aus. Doch um Fördergelder aus dem Programm „Quartiersimpulse“ des baden-württembergischen Sozialministeriums beantragen zu können, müsse bis zum 14. März ein Gemeinderatsbeschluss vorliegen, so Huber. Wenn alles so laufe wie geplant, müssten in den kommenden Jahren von städtischer Seite jeweils 15000 Euro für die Quartiersarbeit aufgebracht werden.

Die Räte waren sich einig, dass an beiden Orten wertvolle Arbeit für die Stadt geleistet werde und stimmten dem Entwurf Hubers vorbehaltlos und einstimmig zu. „Das ist eine absolut sinnvolle Arbeit“, lobte Ulrike Fröhlich (Grüne).

Große Freude herrschte bei der Eröffnung des neuen Quartierstreffs in Friedlingen. Foto: Beatrice Ehrlich

Im Fall Friedlingens ist die Einrichtung eines Quartiersmanagements einem Antrag der Freien Wähler aus dem Jahr 2019 entsprungen. Der Wunsch war, damit die Baumaßnahmen im Zuge des städtebaulichen Sanierungsprogramms um eine weitere Facette zu ergänzen.

Holpriger Start in der Corona-Zeit

Am 1. Juli 2020 nahm Quartiersmanagerin Sonia Bekhoucha-Held die Arbeit auf. Nachdem es in der Anfangsphase wegen der Corona-Krise etwas holperte, habe das Projekt schnell Fahrt aufgenommen, erinnerte sich Huber in ihrem Vortrag.

Lokale Akteure wie etwa der Stadtteilverein oder die Elternmentorinnen hätten dazu beigetragen. Mit der Eröffnung des Quartierstreffs in der Hauptstraße 400 in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei nahm das Projekt im Juli 2023 dann noch mehr an Fahrt auf.

Mittlerweile finden dort viele Veranstaltungen statt – von der Morgengymnastik bis zum Männercafé. Zweimal jährlich gibt es einen Clean-Up-Day mit vielen Teilnehmern. Während ihrer Elternzeit wurde Quartiersmanagerin Bekhoucha-Held von Pauline Siebert vertreten.

Vom Quartiersmanagement initiiert: Clean-Up-Day in Friedlingen Foto: zVg

Bis April 2024 konnten 60 Prozent der Personalkosten über die Städtebauförderung gedeckt werden. 40 Prozent übernahm bis dahin die Stadt. Nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung habe die Weiler Wohnbau die Kosten für den Rest des Jahres 2024 übernommen. Für 2025 soll bereits das neue Finanzierungskonzept wirksam werden.

Von der Kunst-Nacht bis zum Männer-Café: die Quartiersmanagerinnen haben sich einiges einfallen lassen. Foto: Beatrice Ehrlich

In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie etwa dem Stadtteilverein werde sich das Quartiersmanagement auch weiterhin um projektbezogene Zuschüsse bemühen, sicherte Huber zu.

Adventszauber und Pflanzentreff

Im April 2020, ebenfalls mitten in der Corona-Krise, startete Brigitte Lill ihre Arbeit als Quartiersmanagerin im Bereich des Baugebiets „Hohe Straße“. Die Stelle, die beim Caritasverband zusammen mit der Weiler Wohnbau angesiedelt ist, werde bis Ende Mai auch dank Unterstützung durch die deutsche Fernsehlotterie finanziert, informierte Huber. Der Quartierstreff in einem Wohnbau-Gebäude an der August-Bauer-Straße habe sich seit seiner Eröffnung im September 2021 immer mehr mit Leben gefüllt.

Beim Pflanzentausch kommen die Menschen zusammen. Foto: Armin Wikmann

Adventszauber und Weihnachtsmarkt, Pflanzentauschbörse oder Quartiersflohmarkt – die Zahl der Veranstaltungen, die sich über das Neubaugebiet an Menschen in ganz Weil richtet, ist groß.

Ein fester Bestandteil sei das Ukraine-Café, das sich zu einer Anlaufstelle für Ukrainerinnen in Weil am Rhein entwickelt habe, hob Huber in ihrem Bericht hervor. Ein öffentlicher Beteiligungsprozess zur Gestaltung der Grünflächen in der „Hohen Straße“ zog viele Teilnehmer an. Ein weiterer Fokus solle künftig auf dem Ausbau nachbarschaftlicher Netzwerke liegen, um auch Bürger mit einzubeziehen, die aus verschiedenen Gründen benachteiligt seien. Huber schlägt daher als neuen Namen „Quartiersmanagement Weil-Ost“ vor.

Kooperation mit der Caritas

Dafür soll beim Caritasverband für die Dauer von zwei Jahren eine halbe Stelle eingerichtet werden. Um die Finanzierung sicherzustellen, soll beim Programm „Quartiersimpulse“ ein Antrag auf Förderung in Höhe von 60 000 Euro gestellt werden. Der Eigenanteil der Stadt betrüge dann für diese Stelle noch 15 000 Euro jährlich.