Schokohasen und bunte Eier sieht man zwischen Karfreitag und Ostermontag zuhauf. Doch was vielerorts unentdeckt bleibt: Die religiösen Symbole, die das zeigen worauf sich der christliche Feiertag beruft. Sie zeigen den Tod und die Auferstehung Jesu Christi sowie historische Belege der Feiern dieser Tage. Auch im Kinzigtal und dessen Umgebung gibt es viele davon – eine Auswahl.
Arma-Christi-Kreuze, Thomas Hafen: Im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof bietet das großdimensionale Longinus-Kreuz, das am Hippenseppenhof aus Furtwangen angebracht ist, einen außerordentlichen Blickfang. Das figurenreiche Schnitzwerk bildet in einer überbordenden Symbolsprache auf sehr eindrückliche Art die Geschehnisse des Karfreitags ab. Das markante Kreuz zeigt um den gekreuzigten Christus herum einzelne Gegenstände – vom Kelch des letzten Abendmahls über den Beutel mit dem Judaslohn bis zu den einzelnen Marterwerkzeugen-, wie sie aus den Passionsgeschichten der vier Evangelisten bekannt sind. Die Marterwerkzeuge erfuhren eine volkstümliche Verehrung, da sie im bildhaft geprägten Glauben die Arma Christi waren, also die Waffen mit denen Jesus den Tod besiegte. Neben den Leidenswerkzeugen ist seitlich vor der Christusfigur ein Reiter dargestellt, der den Gekreuzigten mit seiner Lanze in die Brust stieß, um dessen endgültigen Tod zu beweisen. Dieser Reiter, den Legenden nach als „Longinus“ bekannt, wurde außer in der Umgebung von Furtwangen überall in ehemals vorderösterreichischen Gebieten verehrt, da vermeintliche Splitter der Lanzenspitze in Wien als Reliquien aufbewahrt wurden.
Heilige Gräber, Alois Krafczyk: Eine alte christliche Sitte ist es, zwischen Karfreitag und Ostern das Grab Christi aufzubauen und den darin liegenden Leichnam des Heilandes zu verehren. In vielen Kirchen war dies früher eine stark verbreitete Sitte, doch mit der Zeit der Aufklärung gerieten diese Zeugnisse der Volksfrömmigkeit vielerorts in Vergessenheit. Eines der wohl bedeutendsten Nachbildungen des Heiligen Grabes in Jerusalem in Deutschland ist jenes in Gernrode im Harz aus dem Jahre 1100 und damit die älteste Nachbildung eines Heiligen Grabes nördlich der Alpen. Die vielen Nachbildungen des Heiligen Grabes entstanden so im Laufe der Jahrhunderte, viele waren Stiftungen von Herrschaftshäusern und in der Ausführung recht unterschiedlich nachempfunden. Auch im Kinzigtal haben sich noch einige Heilige Gräber erhalten und dazu zählt insbesondere das Heilige Grab, das in der Stadtkirche St. Marien in Gengenbach steht. Die herrliche Steinmetzarbeit stammt aus dem Jahre 1505 und war unter dem damaligen Abt Konrad von Mülnheim errichtet worden. Es zeigt nicht nur den Leichnam Christ mit den trauernden Frauen, sondern an der unteren Vorderseite die sogenannte „Grabwächterplatte“. Ein weiteres Heiliges Grab befindet sich auf dem Bergle oberhalb von Gengenbach und weitere Heilige Gräber finden sich in Steinach und in Hausach Dorf. Für Haslach belegt eine Rechnung aus dem Jahre 1594 ein Heiliges Grab und bei der alten Wallfahrtskapelle St. Jakobus bei Wolfach schließlich befindet sich in der danebenstehenden Antoniuskapelle in deren Kellergeschoss ein Heilig Grab. Über Stufen steigt man dort hinunter zur Grabkammer. in welchem ein Leichnam Christi zu sehen ist, eine beeindruckende, ergreifende Darstellung. Wer schließlich der Schlosskapelle in Wolfach noch einen Besuch abstatten sollte – erbaut unter dem Fürstenbergischen Landgrafen Maximilian Franz - der kann zumindest am Karfreitag oder Karsamstag an der Stirnseite des Altartisches die Darstellung „Christus im Grab“ erkennen, ein Kunstwerk aus dem Jahre 1788 des damals 14-jährigen Wolfachers Johann Baptist Seele (1774 – 1814).
Gutacher Kirche, Jean-Philippe Naudet: Die erste Gutacher Kirche der Herrschaft wurde wohl an der gleichen Stelle gebaut und St. Peter geweiht, wie zahlreiche Kirche im 12. Jahrhundert. 1275 wird sie im „liber decimationis“, Zehntbuch des Kontanzer Bistums, wozu Gutach damals gehörte, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Wie sie aussah, ist aber nicht bekannt. Zwischen 1400 und 1520 wurden in dieser Gegend viele Kirchen erbaut, so in Wolfach, Hausach, Haslach, Mühlenbach, Hornberg und 1504 auch in Gutach. Die Peterskirche wurde im spätgotischen Stil neu erbaut, noch als katholische Kirche. Die Freske an der linken Chorwand ist ein seltenes Exemplar aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie zeigt zwei Propheten und einen Schmerzensmann. Die Sakramentsnische ist teils gemalt, teils mit Steinen in Relief gebaut. Nach der Reformation 1534 war sie nicht mehr gebraucht. Sie wurde später weggespitzt und zugemauert, die Freske weiß übermalt. Erst 1955 unter Regie von Pfarrer Volz wurden beide wieder entdeckt und restauriert.
Magdalenenklage, Frank Schrader: Das interessanteste Gemälde, das sich früher in der Wolfacher Schlosskapelle befand, ist eine in Öl auf Leinwand gemalte Kopie eines verschollenen Altarflügels von Matthias Grünewald, der die Klage der Magdalena vor dem gekreuzigten Christus darstellt. Die Kopie entstand 1648 durch den Maler Christoph Krafft für das Kloster St. Blasien. Nach der Säkularisierung des Klosters 1806 nahm der Konventuale Pius Grambühler das Bild mit nach Oberwolfach, wo er von 1810 bis 1836 als Pfarrer wirkte. Nach dessen Tode kam das Bild in die Schlosskapelle, wo es bis zum Frühjahr 1920 hing. Im Vorfeld der Verhandlungen über den Verkauf ihres Schlosses an die Stadt Wolfach brachte die fürstenbergische Herrschaft das Bild nach Donaueschingen, wo es ein Glanzstück der Gemäldegalerie war, bis Prinz Heinrich von Fürstenberg seine Sammlung 2003 an den Schraubenfabrikanten Reinhold Würth verkaufte. Das Gemälde hängt heute in der zu einem Kunstmuseum umgebauten Johanniter-Kirche in Schwäbisch Hall.