Jürgen Burmeister (links) erhielt für sein Engagement langen Applaus und emotionale Reden – unter anderem von Bürgermeister Burno Metz (Zweiter von rechts). Foto:  

Jürgen Burmeister hat seit 2001 den Taktstock geführt und den Klang des Ettenheims Orchesters geprägt. Nun wurde er von der Kapelle emotional verabschiedet.

„Keine Emotionen, nur Fakten“ – so kündigten zu Beginn das Moderatorenduo Anna Dees und Fabian Blank das Programm an. Dann starteten die 65 Musiker unter der Leitung von Jürgen Burmeister sogleich fulminant mit dem Radetzkymarsch, einer Komposition von Johann Strauss, vielen vom Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bekannt. Das Publikum in der voll besetzten Stadthalle ließ sich auch gleich zum Mitklatschen bei diesem Marsch-Klassiker verführen.

 

Pompös, festlich und mit kräftigen Trompetenstößen schloss die „Procession of Nobles“ von Nikolai Rimsky-Korsakow aus dessen Oper Mlada an. Flirrende Klarinetten- und Flötenklänge spielten hier mit mächtigem Blech und wuchtigem Schlagwerk zusammen. Im Gegensatz dazu stand die musikalische „Postcard from Beijing“ aus der Hand des Belgiers Dirk Brosse, in der traditionelle, fernöstliche Klänge mit großstädtischen Bildern verbunden werden. Nordische Energie in feierlicher Stimmung brachte noch vor der Pause der „Entry March of the Boyars“ von Johan Halvorsen. Tuba mit dunklem Dröhnen, Tenorhorn und Trompete zeigten sich nachahmend oder kontrastiv im interessanten Klangspiel.

Kapelle spielt bekannte Melodien aus der Kinowelt

Einer besonderen Herausforderung stellte sich das Orchester mit dem „Westernsound“ aus Silverado aus dem Jahr 1985. Großes Broadway-Kino ertönte mit „Colors of the Wind“ und der Melodie „I will always love you“ aus den Filmen Pocahontas und Bodyguard. Der Gesang von Lea Oberle und Melanie Schäfer verzauberte die Bühne in ganz besonderer Weise und stellte auch eine besondere Würdigung des jahrzehntelangen Wirkens des Dirigenten für die Stadtkapelle Ettenheim dar.

Das Orchester zeigte vollen Einsatz. Foto: Decoux

Auch die jungen Solisten an der Oboe und dem Saxophon trugen mit ihrem Können zum Erlebnis bei. Große Melodiebögen und jazzige Klänge schienen gegen Ende auf, mit den Zugaben sollte die Musik nochmals richtig Spaß machen. Das Publikum zeigte sich bei lautem Beifall begeistert von der Musik und der Leitung des Dirigenten. Bei so viel Emotion ließen sich dann doch bei vielen im Saal und auf der Bühne ein paar Tränen nicht ganz vermeiden.

Wegbegleiter danken dem langjährigen Dirigenten

Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz dankte auch in seiner Eigenschaft als Präsident der Stadtkapelle dem scheidenden Dirigenten Jürgen Burmeister. Er habe in den 24 Jahren einen unglaublichen Klangkörper entwickeln können: „Wir verlieren viel mit Ihnen, aber das von Ihnen Geschaffene wird bleiben.“

Die Vorsitzende Carina Kratt bedankte sich für das große Engagement, die Hingabe und Leidenschaft Burmeisters an das Orchester. Er habe es entscheidend geprägt, habe es gefordert und gefördert. Als Dankeschön überreichte sie im Anschluss Eintrittskarten für ihn und seine Frau für die Bregenzer Festspiele.

Zwei Konzerte stehen ihm noch bevor

Martin Balzer dankte in bewegten Worten Burmeister und seiner Frau für die mehr als 1500 Tage, die er „in Vollzeit“ in Ettenheim bei Proben und Konzerten verbracht habe: „Eine Ära geht zu Ende.“ 15 Musiker im Gesamtorchester seien noch nicht geboren gewesen, als er in Ettenheim vor 24 Jahren seine Tätigkeit aufgenommen habe.

Jürgen Burmeister wird noch die von ihm wieder eingeführte Tradition des Weihnachtsliederspielens am 24. Dezember leiten und am Neujahrsempfang am 6. Januar ein letztes Mal den Taktstock für die Stadtkapelle schwingen.

Info – Jugend zeigt ihr Können

Das Konzert war vom Jugendorchester mit Unterstützung für das schwere Blech unter Leitung von Christian Sade mit einer Konzertouvertüre von Claude T. Smith eröffnet worden. Daran schloss sich ein Barbie-Medley an. Beim Stück „Band of Heroes“ konnte das Publikum mithilfe von Leuchtstäben interaktiv mitbestimmen. Bei den Jungmusikern haben im Jahr 2025 das Leistungsabzeichen in Bronze erworben: Mirjam Plöse, Finn Lübbers, Elisa Emma Schiller, Elias Weber; das Leistungsabzeichen in Silber haben abgelegt: Lene Schwab, Smilla Schwill, Hanna Singler