Den Fasentumzug am Montag in Kappel traf der Regen. Davon ließen sich die vielen Narren aber nicht abhalten. Tags darauf ging es dann in Grafenhausen hoch her.
Der montägliche Fasnachtsumzug in Kappel wurde voll vom Wetterpech erwischt. Pünktlich zu seinem Beginn begann es nämlich bei kalten Temperaturen in Strömen zu regnen. Dennoch harrten noch viele hunderte regenschirmbewaffnete Zuschauer an den Straßenrändern aus.
Angeführt wurde der heuer stolze 49 Gruppen umfassende Umzug wie immer vom örtlichen Narrenpolizisten samt Kappeler Musikkapelle und Rhinschnooge-Hästrägern einschließlich Narrenräten, Funkenmariechen und Junger Garde bis hin zu heimischen „Kappler Sisters“ und Rhinwald-Maidli.
Keine Schirme halten konnten die dann im Zug verteilten weiteren Musiker. So beim Fanfarenzug Kappel mitsamt dazu gehörig geschwungenen schwernassen Fahnen sowie den später folgenden schrägen Guggemusiken der Offenburger „Nodepuuper“ und dem ebenso lautstarken „KoMaSex“ (nur wegen Herkunft aus Kollmarsreute, Malterdingen und Sexau so genannt).
Narrenpolizisten an der Spitze
An aberhunderten schaurigen Hexen herrschte dann kein Mangel. So wurden welche aus dem Freiburger Weiher gesichtet, dem Kappeler Fürschtegrab, Altdorfer Rossbach, aus Raschdadd (Rastatt) als Schdaffelhexen samt Schnatzern, vom Ettenheimer Hähnlefeld, Lahrer Moorloch, aus der Kenzinger Altstadt, als Schwendinger Hexen samt Waldgeistern und Durbacher Burgunderhexen.
Hunderte schaurige Hexen ziehen durch Kappel
Nicht genug damit. Auch welche aus Kippenheim, der Kenzinger Altstadt, vom Riegeler Michaelsberg samt Kinderwagennachwuchs oder als Burgheimer Eiszäpfle und Ämmendinger Bäägle-Hexen sorgten für wohligen Schrecken unter dem begeisterten Straßenpublikum. Eine derartig massive Hexeninvasion dürfte weit und breit im ganzen Südgäu heuer einmalig gewesen sein, samt dazu manch ergänzend aufgetauchten gehörnten Teufeln etwa aus Heimbach, Widdenung (Weitenung) vom Sondbach und zusätzlich geisternden Steinbacher Trollen samt Bleibacher Grottenwald-Dämonen.
Und damit nicht genug mit dem Narrentreiben. Eingefunden hatten sich als Zünfte auch die Rhinschnooge-Namensvettern aus Kehl, Däninger (Teninger) tabakbraune Dübaggeischder, Broatschua aus Vöhringen bei Ulm im Hüpfschritt oder aus Münchweierer die Gelruewe. Ettenheimweiler schickte die Wölfe und Altdorf die Sendewelle. Dazu gesellten sich ferner Durbacher Winschlotzer, Gomaringer Käsperle, Acherner Veldbachschrecken, St.Wendeler Almenkutze, Kürzeller Ridd’l Schdägge oder Ottenhöfener Knöperli und sogar Narren aus dem Höllental oder Scherzheim im Hanauerland.
Unmöglich, auch noch sämtliche der weiter teilnehmenden Cliquen und Privatgruppen aufzuzählen, die in Kappel ebenfalls regen-unverdrossen durchs Dorf liefen und für zusätzliches närrisches Bunt sorgten. So etwa die „Voll danäbe“, seit mittlerweile 32 Jahren bei Kappeler Umzügen dabei, oder sogar schon seit mehr als 40 Jahren die “Gruppe Lorber“. Mit großen Umzugswagen beteiligten sich die „Party Choppers“ mit vervielfachtem Föhnwellen-Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn als Disco-Thema, die Alten Herren des Orschweierer Sportclubs mit einer eigenen Raumrakete in die ferne Zukunft und der Münchweierer „Bauwagen“ zur filmbekannten Reise eher in die Vergangenheit sogar mit einem futuristisch umgebauten Audi-Reisewagen samt klappenden Flügeltüren.
Grafenhausen lockt mehr als 70 Gruppen an
Pünktlich nach einer knappen Kappeler Umzug-Stunde mit im wahren Wortsinn feuchtfröhlich bester Stimmung brach überraschend ein Hauch von Sonne durch und beendete die heftigen Regengüsse für ein Weilchen. Anschließend trockneten sich die meist gründlich durchgeweichten Akteure dann samt der Zuschauer in der beheizten Halle zur trockenen Nachfeier.
Und im benachbarten Grafenhausen? Mehr als 70 Gruppen beteiligten sich am Dienstag am großen Umzug der Hexenzunft Grafenhausen: einer der Höhepunkte der Fasent. Sie boten ein farbenfrohes Bild und sorgten für ausgelassene, närrische Stimmung. Auch die Zuschauer waren zahlreich erschienen und erlebten bei meist blauem Himmel einen rundum gelungenen Festtag. Es gab nur ein paar Regentropfen. Sogar die Sonne ließ sich immer wieder blicken.
Viele Narrenzünfte aus dem Südring waren vertreten. Angeführt wurde der Umzug von der Hexenzunft und der Musikkapelle Grafenhausen. Mit dabei war auch der stellvertretende Narrenvogt und Sendewelle-Mitglied Bernhard Schwarz, der als Sunnebergwieb der Sendewelle Altdorf mitmarschierte.
Die Wehrpflicht wurde zum Fasentsthema
Die Alten Herren des Sportvereins Grafenhausen feierten als Hühnerschar ihren „Eierkönig“ Sepp Holler für dessen beste Eier und verteilten gefärbte Ostereier an das Publikum. Zur Musterung musste der Jahrgang 2008 antreten, wo „Stabsärzte“ einen Ganzkörperscan vornahmen. Die Fußgruppe Rappenecker und Singler war als „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Hütchen unterwegs. Zahlreiche aufwendig gestaltete Wagenbauer aus Münchweier bereicherten den Umzug ebenso wie die „Partey Pipelz“, die als Tweedledee und Tweedledum aus „Alice im Wunderland“ begeisterten. Die Partychoppers feierten unterdessen musikalisch die „Fasent der Liebe“. Dazwischen sorgten Hexen, Teufel und Dämonen unter anderem aus dem Bühlertal, aus Herbolzheim, Emmendingen und Waldkirch für schaurig-schöne Momente.
Verlegter Umzug
In großer Zahl war auch die Narrenzunft Hanfrözi aus Rust samt Vogt vertreten. Da ihr eigener Umzug vorverlegt worden war, konnten sie endlich einmal als Gäste im Nachbarort Grafenhausen dabei sein.