Am Montag um 19.37 Uhr wurde im Lahrer Gemeinderat entschieden, was aus den städtischen Krematoriumsplänen wird. Foto:  

Knickt der Lahrer Gemeinderat vor der Konkurrenz privater Bestatter ein und beerdigt die städtischen Krematoriumspläne? Diese Frage wurde am Montag beantwortet.

Nach wochenlangem Hickhack zwischen der Stadtverwaltung und einer Gruppe von privaten Bestattern, ausgetragen vor allem über die Presse, wurde es am Montag um 19.37 Uhr ernst. Jetzt stimmte der Gemeinderat über die städtischen Krematoriumspläne ab. Ergebnis: 22 Mandatsträger votierten für die von der Stadt gewünschte Gründung einer Betreibergesellschaft, nur sechs waren dagegen, zwei enthielten sich.

 

Das bedeutet aber noch nicht, dass die Verwaltung das Krematorium am Bergfriedhof auch wirklich in die eigene Hand nehmen wird. Vielmehr behält die Stadt mit diesem Abstimmungsausgang alle Optionen für die Zukunft. Denkbar ist dabei auch, dass nach einer Ausschreibung ein Fremdbetreiber die Einäscherung dort übernimmt.

Die Abstimmung war mit Spannung erwartet worden – aus bekannten Gründen: Nachdem die Stadt angekündigt hatte, ihr Krematorium auf dem Bergfriedhof ab Herbst 2027 selbst betreiben zu wollen, traten private Bestatter nach vorn und kündigten ein eigenes „Haus des Abschieds“ an, zu erbauen auf Schutterner Gemarkung. Gut drei Dutzend Bestatter, die fast den gesamten Markt in der Region abdecken, wollen offenbar dort mitmachen.

Trotz dieser Konkurrenz ist einer Mehrheit der Stadträte der Glaube an den Erfolg des städtischen Projekts am Bergfriedhof aber nicht abhanden gekommen. Die Ja-Stimmen für die Gründung der „Krematorium Stadt Lahr GmbH“ kamen von Kommunalen Freien Wählern, AfD, SPD, FDP und einzelnen Mandatsträgern der CDU. Die Grünen votieren geschlossen gegen die kommunalen Krematoriumspläne. Auch Ilona Rompel (CDU) stimmte dagegen, zwei weitere Stadträte der CDU enthielten sich.

Gegenstimmen kommen von den Grünen und von Ilona Rompel (CDU)

Bevor die Ratsmitglieder die roten Abstimmungskarten in die Hand nahmen, äußerten sich die Fraktionssprecher. Dabei sagte Eberhard Roth (Kommunale Freie Wähler), dass man nun seit mehr als 80 Jahren ein Krematorium beim Bergfriedhof habe. Es sei ein „historischer Bestattungs- und Abschiedsraum“, den es zu bewahren gelte.

In der Kürze liegt die Würze, hatte sich offenbar Sven Haller gedacht: Der AfD-Sprecher sagte nichts weiter, als dass seine Fraktion das Thema „interessiert, aber nicht blauäugig verfolge“ und geschlossen zustimmen werde.

Ilona Rompel (CDU) meinte daraufhin gleich, dass sie länger sprechen werde – sie hatte aber auch das uneinheitliche Abstimmungsverhalten ihrer Fraktion zu erklären. Dabei kam auch sie auf den „historischen Bergfriedhof“ zu sprechen und dass es wichtig sei, den Angehörigen „einen würdevollen Abschied“ zu ermöglichen. „Aber die Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein“, lautete dann ihr Einwand zu den städtischen Krematoriumsplänen. Das dem Gemeinderat im vergangenen Herbst vorgelegte Gutachten dazu ist ihr nicht stichhaltig genug.

Mit dem Vorstoß der Bestatter sei außerdem eine neue Situation eingetreten, auch wenn sich erst noch zeigen müsse, ob bei dem Konkurrenzprojekt wirklich 37 Bestatter an Bord sein werden, so Rompel. Sie wollte auch nicht so recht glauben, dass das privat betriebene Krematorium bis Herbst 2027 fertig wird, schließlich brauche es für so einen Bau mehrere Genehmigungen, die Zeit erforderten. Nichtsdestotrotz sei es „eine existenzielle Frage“, ob das städtische Krematorium sich wirtschaftlich betreiben lasse – so Rompel, die diese Frage für sich persönlich offenbar nicht ausreichend beantwortet sieht und deshalb danach mit Nein stimmte.

Roland Hirsch (SPD) sah es anders und forderte die Ratskollegen auf, „Flagge zu zeigen“ und für die kommunalen Krematoriumspläne zu votieren. Man dürfe sich nicht in die Defensive drängen lassen, meinte er mit Blick auf das Konkurrenzprojekt der privaten Bestatter.

Täubert will Wirschaftlichkeit geklärt haben

Sven Täubert (Grüne) argumentierte ähnlich wie Rompel vor allem mit den Finanzen. Von dem Krematorium werde erwartet, das es den städtischen Etat verbessert. Auf keinen Fall dürfe es „ein weiterer Zuschussbetrieb“ für die Stadt werden. Durch die Initiative der Bestatter habe sich „etwas geändert“, so Täubert zur neuen Konkurrenzsituation, die er offenbar sehr ernst nimmt: Die Bestatter hätten Einfluss auf ihre Kunden und könnten Einäscherungen später so in ihren eigenen Betrieb lenken, gab er zu bedenken.

Jörg Uffelmann (FDP) betonte dagegen das „historische Ensemble“ beim Bergfriedhof, das seiner Ansicht nach so bleiben sollte – und zwar „in den Händen der Stadt“. Wie zuvor bereits Roland Hirsch war er dafür, „Flagge zu zeigen, dass wir es ernst meinen“.

Weiteres Gespräch geplant

Zuletzt war ein geplanter Austausch zwischen der Stadt und den Bestattern geplatzt – doch nun will man doch wieder miteinander reden. Jedenfalls kündigte OB Markus Ibert in der Ratssitzung an, dass es in der nächsten Woche ein Gespräch der Stadt mit Vertretern der Bestatter geben werde, an dem auch die Fraktionen teilnehmen werden.