Der Angeklagte wird beschuldigt, bei einer Firma Lötzinn gestohlen zu haben. Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com/Andrey Popov

In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt: Laut Anklageschrift hat er Lötzinn im Wert von 10.000 Euro gestohlen. Mit bedrückten Blicken wartet seine hochschwangere Frau auf das Urteil.

Zuvor saß der Angeklagte in Untersuchungshaft, wegen Diebstahls. Er brach fünf Wochenenden hintereinander in das Gebäude einer Schwenninger Firma ein und klaute dort mehrere dutzend Kilo Lötzinn. Diesen verkaufte er illegal weiter. Insgesamt fiel so ein Schaden von knapp 10 000 Euro an. Muss der Angeklagte für seine Tat ins Gefängnis?

 

Der Angeklagte hat ein bewegtes Leben. 2004 wanderte der damals 18-jährige nach Deutschland ein und kam, laut eigenen Angaben, durch den falschen Freundeskreis an Drogen – welche ihn im Laufe seines Lebens noch häufig begleiten werden. 2011 absolvierte er seinen ersten Haftaufenthalt und auch seinen ersten stationären Entzug. Das Blatt schien sich zu wenden.

Das Glück hielt nicht lang an

Einige Jahre schien sein neues, kriminalfreies Leben zu funktionieren und er heiratete seine jetzige Ehefrau, mit der er heute zusammen vier Kinder hat. Mehrere Jahre arbeitete der Angeklagte bei der geschädigten Firma und sah sich in der finanziellen Lage, ein gemeinsames Haus in Schwenningen zu kaufen. Das Glück blieb ihm nicht lange hold: Todesfälle in der Familie und eine Kündigung seitens seines Arbeitgebers trieben den jungen Mann zurück zu den Drogen.

Glücksspiel und Drogen entwickelten sich zur Sucht

Den Druck, seine schwangere Frau und die Kinder zu ernähren und zusätzlich das Haus abzubezahlen, hielt der Angeklagte nicht aus und flüchtete sich in die Drogen. Um alles ohne einen festen Arbeitsplatz finanzieren zu können, fing er an Glücksspiel zu betreiben. Doch der erhoffte Gewinn blieb aus, stattdessen verlor er mehr Geld als er sich leisten konnte. Drogen und Glücksspiel entwickelten sich von einer Fluchtmöglichkeit zu einer fatalen Sucht.

Einbrüche in die Firma

Geplagt von Schulden, Stress und Druck traf er die Entscheidung bei seinem ehemaligen Arbeitgeber einzubrechen und dort Lötzinn zu klauen. Im November 2022 stieg der Mann durch ein unverschlossenes Fenster ein und klaute drei Kartons á 25 Kilo Lötzinnstangen im Wert von 2500 Euro. Eine Woche später wiederholte er den Vorgang. In der darauffolgenden Woche entnahm er fünf Kartons mit 25 Kilo Lötzinn im Wert von 4200 Euro. Die gestohlene Ware transportierte der Angeklagte in einem Auto, welches er ohne Fahrerlaubnis führte.

Von Polizei auf frischer Tat ertappt

Nach diesem Einbruch meldete die Firma sich bei der Schwenninger Polizei und installierte eine Videoüberwachung in der Lagerhalle. Wie vermutet brach der Angeklagte erneut ein und wurde von der Kamera gefilmt, doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht identifiziert. Um die Überwachung zu verschärfen wurde ein stiller Alarm installiert, der die Polizei direkt informierte und die Bilder der Kameras übertrug. In der fünften Woche löste der Angeklagte den stillen Alarm aus und wurde von der Polizei an Ort und Stelle festgenommen.

Wunsch ein normales, Drogen freies Leben zu führen

Bereits vor Ort habe er seine Taten gestanden und noch am selben Wochenende einer Durchsuchung zugestimmt. Bei dieser wurden 40 Kilo Lötzinn sichergestellt und der Firma zurückgebracht. Auch vor Gericht gestand er seine Taten und zeigte Reue. Sein Wunsch sei es, in ein normales Leben zurückzukehren und drogenfrei leben zu können. Verurteilt wurde er auf fünf Jahre Bewährung, 2500 Euro Schadensersatz, 250 gemeinnützige Arbeitsstunden und einer verpflichtenden Entzugs- und Stressbewältigungstherapie.