Der 500 Kilogramm schwere Tresor der Goldschmiedin wird nach dem Einbruch im Neckar gefunden. Foto: Hoffmann

Goldschmiedin Sabine Hoffmann ist fassungslos: Diebe haben ihr Atelier in Rottweil leergeräumt, den massiven Tresor mitgenommen. Die Diebestour ist geradezu filmreif.

Unbekannte sind in der Nacht auf Donnerstag in gleich drei Werkstätten im Gewerbepark Neckartal eingebrochen. Hinter der recht nüchternen Meldung der Polizei steckt eine brachiale Diebestour.

 

Goldschmiedin Sabine Hoffmann schaut sich immer noch ungläubig in ihrem Atelier im Neckartal um. Die Tür ist aufgebrochen, die Vitrinen leer, und auch die Ecke, wo der 500 Kilo schwere Tresor noch bis am Mittwoch gestanden hat, ist leer. Sabine Hoffmann wurde ausgeraubt. All ihre handgefertigten Unikate sind weg. Gestohlen. Und das auf offenbar spektakuläre Weise, wie sie erzählt.

In gleich drei Werkstätten im Künstlerviertel des Neckartals wurde in der Nacht auf Donnerstag eingebrochen, heißt es im Bericht der Polizei. Tatzeit soll gegen 2 Uhr nachts gewesen sein. Die Täter gelangten demnach über einen Rad- und Fußweg zu den Betrieben an der Straße ‚Neckartal‘. Anschließend sollen sie sich gewaltsam Zutritt zu den Firmengeländen verschafft haben. „Mit Geräten, die sie vor Ort fanden, drangen sie in die Werkstätten ein“, heißt es im Polizeibericht weiter.

Bei Steinmetz Werkzeug für weitere Tat gestohlen

Die Art und Weise lässt aufhorchen, denn offenbar haben die Täter zunächst bei einem Autohändler im Neckartal zwei Autos aufgebrochen und eines davon gestohlen und haben dann in der Steinmetzwerkstatt Werkzeug und eine Schwerlastsackkarre geklaut.

Sie sind damit augenscheinlich zum Atelier von Sabine Hoffmann gefahren, haben den 500 Kilo schweren Tresor mitgenommen, auf dem Gelände des Autohändlers gewaltsam aufgebrochen, den Inhalt gestohlen, den Tresor dann in den Neckar geworfen und sind geflüchtet. So jedenfalls rekonstruieren Sabine Hoffmann und ihr Steinmetzkollege das Szenario.

Tresor mit 15 Zentimeter dicken Außenwänden

„Ich hätte nie gedacht, dass jemand diesen 500 Kilo schweren Tresor hier rausbekommt“, sagt sie kopfschüttelnd. Beim Einzug sei er mit einem Gabelstapler ins Atelier gebracht worden. Und der Tresor aus Beton habe 15 Zentimeter dicke Außenwände. „Es gab nur eine Schwachstelle an der Seite. Und die haben die Diebe gefunden. Das müssen Profis gewesen sein“, vermutet die Goldschmiedin.

Tresor aus dem Neckar geborgen

Mit schwerem Gerät wurde der Tresor am Donnerstag wieder aus dem Neckar geborgen. Bis auf ein paar türkisfarbene Edelsteinketten war er leer. Der gesamte Schmuck ist weg.

Sabine Hoffmann und ihre ebenso entsetzten Kollegen vermuten, dass die Täter die Gegebenheiten vorher ausspioniert haben. „Die mussten ja wissen, dass der Steinmetz so eine Schwerlastsackkarre hat und wie mein Tresor zu knacken ist“, sagt Hoffmann, die erneut um Fassung ringt. „Ich lasse mich dennoch durch diesen Vorfall nicht verbittern und kaputtmachen“, betont sie.

Wie es jetzt weitergeht, weiß sie noch nicht. Sie hofft in jedem Fall auf Zeugenhinweise, die zu dem Täter, oder den Tätern führen.

Der Schock sitzt tief

Am Sonntag, 12. April, laden die Ateliers im Neckartal zu den „Europäischen Tagen des Kunsthandwerks“ ein. Die Vitrinen von Sabine Hoffmann werden dann wohl überwiegend leer bleiben, denn noch immer sitzt der Schock tief. Zudem ist auch alles Material weg. „Und der Goldpreis ist ja im Moment horrend hoch“, sagt sie, hofft aber das Beste.

Wie hoch der entstandene Diebstahl- und Sachschaden ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Das Polizeirevier Rottweil bittet Zeugen um Hinweise. Wer etwas beobachtet hat, kann sich telefonisch unter 0741/4770 beim Polizeirevier melden.