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50 Einbrüche in Villen, Beute im Wert von 4,9 Millionen Euro: Nun sitzen Drahtzieher in Haft.

Stuttgart/München - Mindestens 50 Einbrüche in noble Luxusvillen in Süddeutschland, bei denen die Täter Beute im Wert von 4,9 Millionen Euro verschwinden ließen, sind offenbar geklärt. Wie die Polizei mitteilte, sitzen die Drahtzieher in Haft. Als Kopf der Bande gilt ein 48-jähriger Italiener, der mit seinem Sohn und drei weiteren Verwandten in den Jahren 2010 und 2011 auf Einbruchstour ging. Bis er in Leonberg, Kreis Böblingen, festgenommen werden konnte. Es folgten monatelange aufwendige Ermittlungen, deren Ergebnis erst jetzt bekanntgegeben wurde.

 

Angiolo G. hatte viele Namen. Mit gefälschten Pässen verschleierte der Mann aus Chianti/Toskana seine wahre Identität, weil er bereits seit Jahren europaweit zur Festnahme gesucht wurde. Die Stuttgarter Halbhöhenlage hatte es den Einbrechern aus Italien besonders angetan. Mit einem Wohnmobil und Begleitfahrzeugen wurden die exklusiven Wohnhäuser ausgespäht und die Einbrüche generalstabsmäßig vorbereitet.

Angiolo G. vertraute dabei nur seiner Verwandtschaft. Unter anderem war sein 20-jähriger Sohn dabei, als die Einbruchsobjekte ausbaldowert wurden. Waren die Hausbesitzer abwesend und gab es eine Schwachstelle am Gebäude - dann schlugen die Täter rigoros zu. Unter anderem traf es im Juli 2010 einen Immobilienmakler am Kräherwald im Stuttgarter Westen. Die Täter drangen über ein gekipptes Fenster im ersten Stock ein, durchsuchten systematisch die Räume und knackten mit einem Trennschleifer den Tresor. Darin befanden sich Bargeld und Schmuck im Wert von mehreren Hunderttausend Euro.

Wohnmobil als Basislager

Die Familienbande gab sich damit allerdings nicht zufrieden. In der Hasenbergsteige im Westen zertrümmerten die Einbrecher die Terrassentür eines Einfamilienhauses, fanden aber nur eine Geldbörse mit Bargeld in ausländischer Währung. Tags darauf drangen sie über eine gekippte Terrassentür in ein Einfamilienhaus in der Straße Am Bismarckturm im Norden ein, fanden Schmuck für mehrere Zehntausend Euro.

Ihre Handschrift hinterließen die Täter bereits im Frühjahr 2010 auf dem Killesberg und im Kräherwald, wo Einfamilienhäuser nach Wertsachen durchsucht wurden. Weitere Fälle registrierte die Polizei im Herbst vergangenen Jahres - unter anderem in der Gänsheidestraße im Stuttgarter Osten. Während die Hausbesitzer im Urlaub weilten, schlugen die Einbrecher ein Loch in die hölzerne Eingangstür und durchsuchten die Räumlichkeiten. Mit einem Trennschleifer flexten die Eindringlinge den Tresor auf, erbeuteten mehrere Tausend Euro.

Die Einbruchspezialisten der Stuttgarter Kripo waren mit ihren Ermittlungen nicht allein: Die Münchner Kripo war ebenfalls dran an den Villen-Einbrechern, die dort 25 solcher Einbrüche verübt hatten. Im April dieses Jahres wurde die Bande in Leonberg aufgespürt, wo sie mit einem Wohnmobil ein Basislager für neue Beutezüge eingerichtet hatte. So weit kam es aber nicht: Das Mobile Einsatzkommando überraschte drei Verdächtige, ehe sie erneut Stuttgarter Villen heimsuchen konnten.

Seither wird geprüft, für welche Taten die Italiener infrage kommen. Nach Angaben eines Münchner Polizeisprechers dürfte die Bande "für etwa zehn Fälle im Großraum Stuttgart verantwortlich sein". Freilich gehen nicht alle spektakulären Villen-Einbrüche auf ihr Konto. Für den Einbruch ins Haus eines früheren CDU-Europaabgeordneten und Daimler-Vorstands im Stuttgarter Westen, bei dem eine wertvolle Uhrensammlung verschwand, machen die Ermittler einen Mann aus dem mazedonischen Skopje verantwortlich. Und der Diebstahl von 29 Luxusuhren für eine Million Euro aus einer Villa im Stuttgarter Osten war das Werk eines ungarischen Trios.