Einen Einbruch mit einer derart wertvollen Beute hat es in der Region bislang wohl selten gegeben: 700 000 Werkzeuge wurden in Rottweil gestohlen. Wir haben von der Polizei weitere Details erfahren – und wie irre hoch der Schaden tatsächlich ist.
Die Nachricht zieht auch überregional weite Kreise: Diebe haben aus der Produktions- und Lagerhalle eines Werkzeugunternehmens auf dem Berner Feld im großen Stil Dreh- und Fräswerkzeuge gestohlen. Mehr als 700 000 Stück der kleinen und hochwertigen Präzisionswerkzeuge für die Metallbearbeitung wurden laut Angaben der Polizei geklaut. Wir haben auf Nachfrage weitere Details zum Ablauf und den Hintergründen erfahren.
Große Frage natürlich: Wer waren die Täter? Für die Polizei ist mehr oder weniger klar, dass es sich hier um professionellen Bandendiebstahl gehandelt haben dürfte, wie Dieter Popp vom Polizeipräsidium Konstanz erklärt. Darauf weisen die Tatumstände sowie die schiere Masse des Diebesguts hin.
Gebäude ausgespäht
Anzunehmen sei, dass das Gebäude im schwer einsichtigen südlichen Rand des Berner Felds und die Abläufe dort im Vorfeld genau ausgespäht wurden. Infos, dass dort wertvolle Werkzeuge zu holen sind, ziehen sich die Banden ganz einfach aus dem Internet, wo das Portfolio der jeweiligen Unternehmen samt Werkzeugbeschreibung einsehbar ist.
Die Diebe haben dann den ersten Ermittlungen zufolge irgendwann zwischen Samstag, 22 Uhr, und Sonntag, 22 Uhr, das Dach der Halle professionell aufgeschnitten, um ins Innere zu gelangen. Dort, so Popp auf Nachfrage, seien die Hartmetall-Zerspanungswerkzeuge in Boxen gelagert gewesen, die von den Tätern ebenfalls aufgeschnitten wurden.
Schaden bei mehr als sieben Millionen Euro
Die Werkzeugaufsätze – ähnlich wie für einen Bohrer – seien zwar mit vorwiegend 2 x 2 x 10 Zentimeter recht klein, dafür aber hochwertig. „Wenn man mal von einem Stückwert von zehn Euro ausgeht, dann sind das bei 700 000 Stück schon sieben Millionen Euro“, verdeutlicht der Polizeisprecher die Dimensionen. Dabei seien manche Teile aber auch bis zu 20 Euro wert.
Diebesgut von mehr als sieben Millionen Euro also, das wohl nun auf dem Schwarzmarkt verkauft wird.
Gab es Videoaufnahmen?
Wie die Werkzeuge genau nach draußen geschafft und abtransportiert wurden, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Ob es eventuell Videoaufnahmen von Überwachungskameras gibt, lässt der Polizeisprecher offen. Wenn es diese gebe, würden sie nicht öffentlich gemacht sondern fließen in die Ermittlungen ein.
Diebstähle nach diesem Muster bei Werkzeugunternehmen gebe es im Präsidiumsbereich immer wieder, so der Sprecher. Die Dimensionen jetzt in Rottweil seien aber durchaus besonders.
Wer hat etwas gesehen?
Die Polizei bittet um Hinweise: Wer am vergangenen Wochenende, insbesondere in der Zeit von Samstagabend bis Sonntagabend, verdächtige Wahrnehmungen im südlichen Teil des Industriegebietes Berner Feld gemacht hat, wird gebeten, sich mit dem Polizeirevier Rottweil, Telefon 0741/47 70, in Verbindung zu setzen.