In Oberkollbach gibt es wieder rund um die Uhr Bargeld: In der Filiale der Raiffeisenbank im Kreis Calw wurde ein neuer Geldautomat eingebaut, nachdem der alte im November geknackt worden war. Foto: Thomas Fritsch

Vorigen November haben Unbekannte den Automaten im Oberreichenbacher Ortsteil geknackt. Seither war er außer Betrieb. Nun ist das Nachfolgemodell da – und ein Banker erklärt unter anderem, wie es gesichert ist.

Am Abend des 10. November 2024 kommt es in Oberkollbach zu einer Tat, die nicht nur für den kleinen Ortsteil von Oberreichenbach sehr ungewöhnlich ist: Unbekannte brechen in die Filiale der Raiffeisenbank im Kreis Calw ein und knacken den Geldautomaten. Sie erbeuten eine fünfstellige Summe und entkommen. Auch der Sachschaden bewegt sich im fünfstelligen Euro-Bereich. Details, etwa wie der oder die Täter es geschafft haben, den Automaten zu knacken, nennt die Polizei bis heute nicht. Jegliches Detail sei Täterwissen, erklärte eine Polizeisprecherin bereits im November.

 

Eins allerdings war offensichtlich: Der Geldausgabeautomat war so stark beschädigt, dass er nicht mehr genutzt werden konnte. Monatelang stand er zwar da, war aber nicht nutzbar. Neuerdings können die Oberkollbacher endlich wieder rund um die Uhr Geld abheben: beim Nachfolger.

„Er steht und läuft“, sagt Markus Wiech, der bei der Raiffeisenbank im Kreis Calw die Bereiche Betriebsorganisation/IT und Facility leitet, über den neuen Apparat. Installiert wurde dieser am 6. März.

Vom ältesten zum modernsten Gerät

Neuer Automat Bei dem geknackten Automaten hatte es sich um den ältesten im Besitz der Raiffeisenbank gehandelt. Der neue ist nun der modernste: Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Nutzung, sondern auch auf die Sicherheitsvorkehrungen im Automaten. Zum einen lässt sich dank der NFC-Technologie auch mit dem Smartphone kontaktlos Geld abheben, erklärt der Banker. Zum andern haben es Räuber nun viel schwerer. Auch der alte Automat war bereits mit einem stillen Alarm ausgerüstet. Dieser sei direkt auf die Leitstelle eines Sicherheitsunternehmens geschaltet. Darüber hinaus ist im neuen Apparat aber auch ein Färbesystem verbaut. Sobald der Automat registriert, „es passt etwas nicht, löst der Färbemechanismus aus“, erklärt Wiech. Dann werden die Geldscheine im Automaten eingefärbt und so unbrauchbar gemacht.

Während Bankräuber dann nichts mehr damit anfangen können, haben Banken die Möglichkeit, die so zerstörten Scheine bei der Bundesbank gegen neue einzutauschen.

Der geknackte Oberkollbacher Automat wird verschrottet. Dass rund fünf Monate vergangen sind zwischen dem Aufbruch und der Inbetriebnahme des neuen Geräts, liegt unter anderem daran, dass Gutachten erstellt werden mussten – etwa für die Versicherung. Auch die Frage, ob sich eine Reparatur lohnt oder nicht, wurde abgeklärt. Ergebnis: nicht wirtschaftlich. Als das feststand, gab die Bank die Bestellung auf. Doch neue Automaten haben eine gewisse Lieferzeit.

Automat wird von anderem Raum aus befüllt

Befüllung Im Fall der Raiffeisenbank kommt die Versicherung für die Kosten auf. Das Gerät kostet mit einem eingebauten Färbesystem rund 25 000 Euro, berichtet Wiech. Dazu komme der Einbau, für den Handwerker benötigt werden. Denn die Geräte der Raiffeisenbank werden über die Rückseite gefüllt. Der Automat steht deshalb in einem Loch in der Wand, das Befüllen erfolgt von einem anderen Raum aus. „Es geht um die Mitarbeiter-Sicherheit“, erklärt der Banker. Würden Automaten von vorne befüllt, übernehme dies in der Regel ein Werttransportunternehmen, außerdem müsse der Standort anders gesichert werden. Weil allerdings die Größe der Automaten je nach Hersteller variiert, müssen beim Einbau eines hinten zu befüllenden Geräts immer Handwerker dabei sein, um das Loch in der Wand entsprechend anzupassen. „Aber das ist alles an einem Tag erledigt“, erklärt Wiech. Das Oberkollbacher Exemplar wiegt übrigens etwa 600 Kilogramm. Wie es im Boden verschraubt wird, schreibt die Versicherung vor.

Bankentscheidungen Dass der zerstörte Automat ersetzt werden soll, hatte die Raiffeisenbank früh angekündigt. Dabei ziehen andere Banken derzeit eher Automaten ab, um Kosten zu senken. Zavelstein etwa verlor im Herbst 2023 nicht nur die örtliche Sparkassen-Filiale, sondern gleichzeitig den dortigen Geldautomaten.

Lohnt sich das Oberkollbacher Gerät etwa? „Es geht nicht immer nur um Profit“, antwortet Markus Wiech. Auch die Kundenzufriedenheit sei wichtig. Allerdings spürt die Raiffeisenbank im Kreis Calw ebenfalls, dass die Transaktionen zurückgehen. „Corona hat einen Riesenruck getan“, erklärt er. Seither kann in den meisten Geschäften bargeldlos bezahlt werden. Auch, dass sich Kunden inzwischen in vielen Supermärkten Bargeld auszahlen lassen können, führt zum Rückgang der Automatennutzung. Und dennoch erzählt Wiech: „Die Kunden sind glücklich“ – weil es wieder rund um die Uhr Bargeld gibt in Oberkollbach, und nicht nur während der Öffnungszeiten der Filiale.

Ermittlungen der Polizei Zum Einbruch in die Oberkollbacher Bank teilt das Polizeipräsidium Pforzheim derweil auf Nachfrage mit, dass sich die Kriminalpolizei noch mitten in den Ermittlungen befindet. „Unter anderem stehen kriminaltechnische Auswertungen noch aus“, erklärt Pressesprecherin Sabine Maag. „Auf weitere Details kann derzeit leider nicht eingegangen werden.“

Die Raiffeisenbank im Kreis Calw jedenfalls hofft, dass die Polizei die Täter noch schnappt. „Die machen ja weiter, wenn sie nicht gefunden werden“, sagt Markus Wiech.