An der Haustüre klingelt es Sturm. Die Doppelstädterin rennt ausnahmsweise gleich zur Türe, ohne zuvor aus dem Fenster geschaut zu haben.
Vor ihr steht ein junger Mann, der in gebrochenem Deutsch ’ich suche’ sagt. Er steht bereits in der Schwelle, nah, zu nah. Die Frau wirft die Türe zu. Sie meldet den Fall bei der Polizei. War der Unbekannte einfach nur unhöflich oder hatte er anderes im Sinn?
War es übertrieben, wegen dieser Begegnung an der Haustüre die Polizei zu kontaktieren?
Sicherlich nicht, beruhigte sie ein Beamter und ergänzte, dass derzeit wieder Leute unterwegs seien, die Wohnungen und Häuser ausspionierten. „Seien Sie aufmerksam und rufen Sie wieder an, wenn Sie etwas Auffälliges beobachten.“
Seltsame Entdeckung
Wenige Tage später, sie war das Wochenende über verreist, machte sie eine beunruhigende wie seltsame Entdeckung: Auf dem Terrassenboden kleben Eierreste, Schalen sind über den Fliesen verteilt und an einem Fensterladen hatte sich, so berichtet sie unserer Redaktion, auch jemand zu schaffen gemacht. Die Aussage des verständnisvollen wie freundlichen Polizisten im Hinterkopf, ist sie jetzt noch aufmerksamer und vorsichtiger als früher.
Eine weitere Frage geht dieses Mal an Daniel Brill, Sprecher im Polizeipräsidium Konstanz und für den Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig: Gehen Leute, die Häuser ausspähen auf diese Weise vor? Sturmklingelnd, mit einem Zettel in der Hand und zu nahe an der Haustürschwelle?
Offensive Art
Das Ausspähen von Häusern sei in der Vergangenheit zurückhaltender praktiziert worden, so Brills Bilanz. Diese offensive Art scheine eine neue Vorgehensweise zu sein. „Es kam schon vor, dass sich Tätergruppen im Sinne des Ausspähens als Handwerker, oder Stromableser ausgaben“, ergänzt er. Und gerade in den dunklen Stunden oder zur Nachtzeit versuchten diese, von außen Häuser auszuspähen.
Ein Blick auf den Frühling: Das Frühjahr sei keine Jahreszeit in der eine Häufung solcher Handlungen zu erwarten sei. Entgegenstehend treffe dies eher im Herbst und Winter zu. „Eine Rückfrage ergab in den letzten Wochen zwei solcher Fälle im Raum VS“, berichtet der Polizeisprecher.
Ist es korrekt, dass „Ausspäher“ Kreidezeichen an Häusern hinterlassen, besonders interessante Objekte kennzeichnen, oder wenn Menschen alleine leben? Im Gespräch mit unserer Redaktion wies Brill darauf hin, dass es in der Vergangenheit vorgekommen sei, dass solche Methoden dem Modus Operandi von Tätergruppen entsprochen haben. „Dabei wurden auch schon Kreidezeichen benutzt. Früher jedoch mehr als heutzutage.“
Tipps der Polizei
Nach den Schreckensmomenten für die Frau aus VS stellt sich die Frage an die Polizei: Auf was sollten Bürger achten? „Generell niemandem Zugang zu Wohnung oder Haus gewähren, wenn Zweifel an seinen Absichten oder seiner Seriosität bestehen“, antwortet Daniel Brill auf diese Frage. Zudem sollte man zurückhaltend mit persönlichen Informationen umgehen.
In der jetzt beginnenden warmen Jahreszeit meint Brill, man solle weiterhin in Abwesenheit keine Fenster geöffnet und Türen unverschlossen lassen. Zudem: „Ein wachsames Auge auf ungewöhnliche Fahrzeuge und/oder Kennzeichen in Wohngebieten zu haben, kann nie schaden.“
Sind allein lebende Menschen und vor allem Frauen stärker gefährdet, wie im beschriebenen Fall? Dazu der Polizeisprecher: „Diese Personen können eher Zielgruppen von Tätern sein, das hängt aber auch oft von weiteren persönlichen Merkmalen und Verhaltensweisen ab.“
Zahl der Einbrüche
Eine Übersicht über die Zahl der Wohnungseinbrüche in den vergangenen drei Jahren liefert das Polizeipräsidium Konstanz für VS: 2022 gab es 40 Einbrüche, 2023 45 und im Jahr 2024 waren es 35 Einbrüche.