Täglich kommen und verlassen eine fünfstellige Anzahl an Paketen das Verteilzentrum in Neuenburg am Rhein. Foto: Piskadlo

Um zu erfahren, wie es im neuen Verteilzentrum Ettenheim ablaufen wird, schaute sich unsere Redaktion in einem ähnlichen Standort um.

8 Uhr – im Amazon-Verteilzentrum in Neuenburg am Rhein laufen seit Stunden die Fließbänder. Darauf bahnen sich unzählige Pakete den Weg durch die 4200-Quadratmeter-Halle, werden gescannt und sortiert. Gebracht werden sie am frühen Morgen: Zwischen 2 bis 8.30 Uhr rollen rund 15 Lastwagen an und laden täglich eine fünfstellige Anzahl an verpackten Waren ab. Sie alle durchlaufen dort die letzte von drei Stationen, bevor sie an ihre Adressaten geliefert werden. „Die letzte Meile“, wie Amazon-Sprecher Steffen Adler beim Besuch unserer Redaktion am Donnerstagmorgen erklärt. Gemeinsam mit Matthias Hornyik, der den Standort seit Eröffnung 2021 leitet, gibt er ein Einblick hinter die Kulissen und zeigt, wie es ab nächstes Jahr auch im neuen Ettenheimer Verteilzentrum zugehen wird.

 

„Sie kommen in der Nacht und gehen mittags wieder raus“, fasst Adler den Weg der Pakete zusammen. Erst werden sie von den Lkw-Ladeflächen auf die Fließbänder gelegt und von Mitarbeitern händisch in Taschen verräumt. Diese sind nach den Zustelldaten sortiert und kommen später in den passenden Lieferwagen. Sobald ein Paket von einem Mitarbeiter vom Fließband genommen wird, leuchtet das Fach der dazugehörigen Tasche. So wird sichergestellt, dass Pakete nicht in den falschen Transporter geraten.

Jeder Transporter wird mit rund 200 Pakete beladen

9 Uhr. „Pause“, hallt es durch die Halle. Jede Tasche ist befüllt, die Reißverschlüsse zugezogen. Für die Nachtschicht endet somit der Arbeitstag. Abgelöst wird sie von Kollegen, die die gepackten Taschen auf Rollwagen verteilen, damit die Ware in die Zustellfahrzeuge verladen werden kann. Zwischenzeitlich rechnet ein intelligentes System die optimalen Routen der einzelnen Fahrer aus. Berücksichtigt werden dabei sogar An- und Rückfahrzeiten, das Wetter und Baustellen.

Standortleiter Matthias Hornyik (links) und Unternehmenssprecher Steffen Adler führten unsere Redaktion durch das Zentrum. Foto: Piskadlo

Das Dröhnen der mittlerweile stillgelegten Fließbänder ist verstummt. Zu hören ist nur das Piepsen der Scangeräte und die Räder der Rollwagen auf dem Betonboden. Lauter wird es erst wieder gegen 10 Uhr, wenn die rund 120 Transporter im 20-Minuten-Takt eintreffen. Zu Hochzeiten – etwa an Weihnachten oder Osten – können es auch mal mehr sein. Pro Wagen sind es durchschnittlich 200 Pakete, die in rund sieben Minuten verladen werden. Wer die längste Route hat, kommt zu erst dran. „So können alle pünktlich Feierabend machen“, begründet der Amazon-Sprecher. Um 12.30 Uhr fährt die letzte Flotte los.

Während des ganzen Prozesses fällt auf: Die Strukturen und Abläufe sind alle perfekt aufeinander eingestimmt. „Viele denken, dass in der Logistik alles schnell gehen muss – das stimmt jedoch nicht. Sie funktioniert nur dann, wenn sie gut geplant ist. Nicht das schnellste System ist das beste, sondern das konstanteste“, weiß Adler, der für alle 60 Verteilzentren in Deutschland zuständig ist. Überall wird nach dem gleichen Prinzip gearbeitet – und das sogar weltweit. „Ich könnte auch in Japan Standortleiter sein“, erklärt Hornyik. Demnach soll auch in Ettenheim nach diesem Konzept gearbeitet werden. Der Unterschied zum rund 100 Kilometer entfernten Standort in Neuenburg: Das neue Zentrum im Gewerbegebiet Dyn A5 wird größer und moderner. So wird der Neubau drei neuartige Fließbänder erhalten, auf denen die Pakete automatisch sortiert werden. Zudem sind drei bis vier weitere sogenannte Docktore – also Laderampen für Lkws – geplant. Im zusätzlichen, fünfstöckigen Parkhaus sollen die rund 350 Lieferwagen stehen und geladen werden. Die gesamte Amazon-Flotte wird derzeit nämlich auf E-Fahrzeuge umgestellt. Dass es bei der Menge an Transportern zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommt, schließt Adler aus. „Sie rücken zwischen 10.30 und 12.30 Uhr aus – also außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Wenn die Straßen den Berufsverkehr aushalten, halten sie auch das aus“, erklärt der Sprecher und betont: „Wir wollen ja auch nicht im Stau stehen.“

Rund 120 Transporter werden täglich in Neuenburg beladen. In Ettenheim sollen es circa 350 werden. Foto: Piskadlo

Aus Ettenheim wird künftig Kundschaft aus der ganzen Region beliefert – teils bis nach Mannheim. Wer rund in einem Jahr wissen möchte, ob sein Paket Halt im neuen Zentrum Halt gemacht hat, muss nur einen Blick auf den Adressaufkleber werfen. Die Abkürzung „DSV-6“ ist schon jetzt für den Ettenheimer Standort reserviert.

Info – Eigenes Motto

Jedes Verteilzentrum hat sein eigenes Motto samt Logo, das von dem jeweiligen Team entworfen wird. So orientiert sich Neuenburg an bekannte Berge der Region, Neuulm an „Marvel“-Superhelden und Wien an Falco-Songs. Ettenheims Thema ist noch nicht bekannt.