Anstatt durchs Museum oder die Stadt ging es für die Teilnehmer dieser Führung übers Terminal im Hafen von Weil am Rhein, wo Container aus aller Welt eintreffen.
Eine beachtlich gute Resonanz fand die Einladung der Volkshochschule und Contargo zu einer Führung durch das Containerterminal im Weiler Hafen: 18 Interessierte, darunter auch einige von weit her angereist, ließen sich am Samstagnachmittag das Areal zeigen. Stadtführer Günter Steiert fiel es leicht, dabei viele Fragen zu erklären, denn in seiner beruflichen Tätigkeit war er einst selbst in der Logistikbranche beschäftigt.
Im Jahr 1990 ist das Terminal an der Alten Straße eröffnet worden. Betrieben wird es heute von der Firma Contargo, einem der größten Logistiker in Deutschland. Das Unternehmen betreibt insgesamt 24 Terminals, die meisten davon trimodal, das heißt sie verknüpfen Transporte mit Schiff, Bahn und Straße. Die meisten Terminals sind deutlich größer als das hiesige, so zum Beispiel jene in Duisburg, Neuss und Ludwigshafen.
In Baden unterhält Contargo solche Verladezentren in Mannheim, Karlsruhe und Weil am Rhein, hinzu kommen eins in Basel sowie am westlichen Rheinufer, zwei in Straßburg und eines in Ottmarsheim. Das Terminal Werk arbeitet an fünf Tagen in der Woche und kann dabei täglich bis zu 250 Container empfangen und verladen. Standortleiter Thorsten Peter beschrieb beim Rundgang die Abläufe. Heutzutage sei der Umschlag voll digitalisiert. Jeder Container ist registriert und seine Wege sind in den Datensätzen vorgegeben. So muss nicht gesucht werden, sondern lange vorm Entladen vom Schiff oder Zug steht bereits fest, welcher Lastwagen ihn mitnimmt. Ebenso in umgekehrter Reihenfolge.
Der Aktionsradius des hiesigen Terminals erstreckt sich über die Straße etwa bis Bern Singen und Freiburg. Der Gleisanschluss zum Weiler Hafen ermöglicht auch die Zusammenstellung von Containerzügen, die mehrfach in der Woche von dort aus Rotterdam und Antwerpen anfahren. Die Masse der Container allerdings gelangt aber per Schiff in die Nordseehäfen oder kommt von dort in den Weiler Hafen.
Torsten Peter verwies auf den derzeitigen Wandel: Die Flotte der eigenen Lastwagen wird konsequent auf Elektrotraktion umgestellt, derzeit sind sechs E-Lastwagen eingesetzt. Neben den allgemein bekannten Vorzügen der Elektrotraktion hätten sich damit auch für die Fahrer die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert, allein schon durch den Wegfall der stundenlangen Motorgeräusche und Erschütterungen.
In den kommenden Wochen wird das Gelände mit neuen Ladestationen ausgestattet, so dass dann die derzeitigen Provisorien wegfallen. Die Teilnehmer der Führung erlebten beim Rundgang angesichts der vielseitigen Erklärungen, dass auch das relativ kleine Terminal in Weil weltweit angeschlossen ist.
Peter öffnete noch mehrere Container, gab damit Einblick in die Transportmöglichkeiten: eine einfache „Blechbüchse“ unterscheidet sich eben von gut ausgestatteten Kühlcontainern, die dank korrekter Programmierungen auch bei wochenlangen Transportwegen über tausende Kilometer stabile Lagerungsbedingungen erhalten.
Nach dem Gang übers Terminal gab Günter Steiert in einem Vortrag noch ausführliche Informationen zum internationalen Warentransport und erläuterte viele Details. So erhält jeder Container mit vier Buchstaben und sieben Ziffern eine weltweit einmalige Kennung.
Die Geschichte der Güterschifffahrt auf dem Rhein
Steiert beschrieb auch die Geschichte der Güterschifffahrt auf dem Rhein. Seit 1985 werden auf dem Fluss Container transportiert. Dabei bestehen gerade für diese Behälter etliche Hindernisse. So ist die Stapelhöhe auf den Schiffen abhängig von der Wasserführung, um die Höhe bei der Fahrt in die Schleusen am Oberrhein oder auch durch die Mittlere Brücke in Basel nicht zu überschreiten.
In Rheinfelden endet die Großschifffahrt auf dem Rhein. Steiert beschrieb auch, dass die Mannheimer Akte aus dem Jahr 1867 bis heute die rechtliche Grundlage für die freie Schifffahrt auf dem gesamten Fluss ist.
Für alle, die sich sich für Verkehr und Logistik interessieren, war dies sein sehr informativer Nachmittag, organisiert von der Volkshochschule gemeinsam mit Contargo.