Einen Baum in Schenkenzell hat ein Sturm mitsamt des Wurzelwerks herausgerissen. Eugen Haberer entfernt diesen Baum aus Sicherheitsgründen aus dem Wald und führt ihn dem Holzmarkt zu. Haberer erzielt sein Einkommen in erster Linie aus der Forst- und nicht aus der Landwirtschaft. Zugleich steht er dem Kreisbauernverband Rottweil vor und engagiert sich für die Belange der Landwirte. Foto: Jambrek

Die Bauernproteste sind in vollem Gange. Wie sich ein landwirtschaftlicher Betrieb führen lässt und worum er sich von seinem Schenkenzeller Hof aus kümmert, darin gibt der Land- und Forstwirt Eugen Haberer einen Einblick.

Idyllisch klingt es, wenn der Schenkenzeller Landwirt Eugen Haberer über seinen Betrieb erzählt. So kümmert er sich etwa um 20 Milchkühe und um 34 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Damit bewirtschaftet er seinen Angaben zufolge den kleinsten Vollerwerbsbetrieb im Landkreis Rottweil.

 

Dazu kommen bei Haberer 40 Hektar eigener Wald und etliche Arbeitseinsätze in anderen Wäldern. Haberer ist dabei kein Unbekannter, als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Rottweils ist er auch für die Organisation der Proteste im Landkreis zuständig und vertritt den Berufsstand in der Region in der Öffentlichkeit.

Im Gespräch mit unserer Redaktion wird deutlich, dass die Landwirtschaft für ihn nur ein Zubrot ist. Den größten Anteil zu seinem Auskommen als selbstständiger Unternehmer steuert stattdessen die Forstwirtschaft bei. Das habe auch mit seiner Verortung in Schenkenzell zu tun – schließlich bestehe die Gemeinde Schenkenzell zu etwa 85 Prozent aus Wald. Auch sein eigener Bauernhof am Kuhberg liege wie eine Insel inmitten des Waldes gelegen. Sorge bereitet Haberer, dass in der Waldwirtschaft und den erzielten Holzpreisen ebenfalls eine negative Tendenz aufziehe.

Die Böden in Schenkenzell und die vielen Steillagen seien nicht optimal für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Aichhalder Bauern hätten es etwa mit ebenen Feldern bei der Bewirtschaftung bereits deutlich einfacher. Dennoch müsse es der Gesellschaft wert sein, auch auf nicht ganz optimalen Flächen Lebensmittel anzubauen, schließlich würde es nicht ausreichen, nur optimale Flächen für den Anbau zu nutzen.

„Viele Themen im Argen“

Viele Themen liegen bei der Landwirtschaft im Argen, findet Haberer. So stört ihn etwa die deutsche Umsetzung der Düngeverordnung. Darauf angesprochen, dass viele der für die Landwirtschaft relevanten Themen als Vorgabe der Europäischen Union (EU) daherkommen, schildert er, dass viele der EU-Richtlinien in Deutschland und Baden-Württemberg noch eine gehörige weitere und zusätzliche Portion Bürokratie erhalten würden, wenn es zu einer Umsetzung der Regeln vor Ort komme. Demnach sei der zügige Bürokratieabbau dringend erforderlich.

Zu einem Punkt will Haberer auch noch unbedingt Stellung nehmen: „Fallen die Subventionen für die Landwirtschaft, dann werden die Lebensmittel teurer“. Dementsprechend sollte jeder ein Interesse daran haben, dass diese erhalten blieben und so auch die Stellung der heimischen Landwirtschaft stärken.

Erweiterung des Geschäfts

Die Gesellschaft müsse laut Haberer wissen, dass Forst- und Landwirte auch sehr viel dazu beitragen würden, dass etwa im Sommer in schönen Gelände spazieren gegangen werden könne, denn all diese Flächen müssten gepflegt und etwa Wege offen gehalten werden.

Natürlich könne ein Landwirt versuchen, sein Einkommen etwa mit einem Milchautomaten, einem Hofladen oder anderweitigem Direktvertrieb zu verbessern. Oder im Winter im Winterdienst tätig werden. Doch ein Problem bleibe dabei existent, gibt Haberer zu bedenken: „Auch der Tag eines Landwirts hat nur 24 Stunden, eine unendliche Erweiterung des Geschäfts ist nicht möglich“.