Andreas Probst ging mit der Europaabgeordneten Vivien Constanzo die Schritte bei der Tempeh-Produktion durch. Foto: Boller

Andreas Probst will Bio-Tempeh mit regionalen Zutaten in Südbaden etablieren. Die SPD-Europaabgeordnete Vivien Constanzo zeigte sich bei einem Besuch beeindruckt.

„Tempeh – Nein, hat mir nicht geschmeckt – das höre ich öfter“, mit diesen Worten läutet Andreas Probst den Rundgang durch die Produktionsstätte seiner Firma „Abeentoo“ ein. Probst hat sich der Produktion von Tempeh verschrieben, einem fermentierten Lebensmittel, das aus Hülsenfrüchten wie etwa Sojabohnen oder Lupinen hergestellt wird und hierzulande noch immer eher selten auf den Tellern landet. Das will Probst ändern. Der Ernährungswissenschaftler kennt Tempeh bereits seit mehr als 40 Jahren. „Ein super Lebensmittel“, sagt er seinen Zuhörern beim Besuch der SPD-Europaabgeordneten Vivien Constanzo und des Lahrer Landtagskandidaten der Sozialdemokraten, Kai Schröder-Klings. Ebenfalls dabei sind der Erste Bürgermeisterstellvertreter Elmar Trunkenbolz und der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Karl-Rainer Kopf.

 

Andreas Probst hat lange am Geschmack gefeilt

Probst hat die Erfahrung gemacht: Wer einmal Tempeh gegessen habe und ihn nicht mochte, greift oft nicht wieder dazu. Anders als beim Fleisch, bei dem man auch einmal einen anderen Metzger ausprobiere, wenn es einem beim ersten nicht gefallen habe. Also hat Probst vor Produktionsbeginn lange am Naturprodukt herumexperimentiert, um aus dem ziemlich neutralen Grundgeschmack von Tempeh das Beste rauszuholen. Für den Abeentoo-Chef steht fest: „Man kann auch wirklich grottenschlechten Tempeh fabrizieren.“

Vor rund fünf Jahren entschied sich Probst, das Wagnis Tempeh einzugehen. Da Sojabohnen in der Rheinebene großflächig angebaut werden, wenn auch überwiegend als Futtermittel, habe sich für ihn die Möglichkeit ergeben, aus regionalen Zutaten ein möglichst emissionsarmes Produkt nach Bio-Standards herzustellen.

Beim Besuch durfte auch probiert werden. Foto: Boller

Sein Mut hat sich ausgezahlt: Die Backstube der 2014 geschlossenen Traditionsbäckerei Hatt baute Probst zur Produktionsstätte seiner neuen Firma „Abeentoo“ um und machte sich anschließend auf die Suche nach Abnehmern. Keine leichte Aufgabe – mit dem Nischenprodukt Tempeh Fuß zu fassen. Denn wer braucht in Südbaden schon eine Fleischalternative? Begonnen habe er deswegen beim Studierendenwerk Freiburg. Es folgten Großabnehmer, etwa aus der Gastronomie. Doch bald sei klar geworden, dass der Weg in die Gewinnzone langfristig nur über den Endverbrauchermarkt führt. Mittlerweile ist „Abentoo“ in einigen Bioläden in der Region vertreten und Probst hofft, auch in Filialen konventioneller Lebensmittelhändler mit seinem Produkt unterzukommen. Seit 2023 ist „Abeentoo“ in der Produktion, aber schwarze Zahlen schreibt die Firma bis heute nicht. „Ich rechne damit ab diesem Jahr“, sagt Probst.

Was der Firma dagegen noch große Schwierigkeiten bereitet, sind einzelne Zwischenschritte in der Produktion, allen voran das Reinigen und Schälen der Bohnen. Diese Arbeit ist anspruchsvoll und zeitaufwendig. Zwei Schülerinnen aus dem Ort helfen stundenweise aus, außerdem gibt es noch die frühere Seniorchefin der Bäckerei Hatt: Die mittlerweile 91-jährige Margot Hatt, die noch im Haus lebt, packt beim Schälen gelegentlich mit an. Doch trotz dieser Unterstützung ist Probst weiterhin auf der Suche nach einem externen Zwischenproduzenten.

Tempeh sättigt und schrumpft nicht in der Pfanne

Mittlerweile gibt es sieben verschiedene Geschmackssorten in handelsüblichen 200-Gramm-Packungen. „Das reicht für vier Portionen“, sagt Probst. „Tempeh sättigt stark und schrumpft auch nicht in der Pfanne.“ Beim Geschmackstest kam das gebratene Tempeh durchweg gut an. Ob es jedoch auch ein gleichwertiger Fleischersatz sei, darüber gingen die Meinungen auseinander. Für Probst muss diese Frage ohnehin kein Entweder-oder sein. Als reine Fleisch-Alternative sieht er seinen Tempeh nicht. Das gelte auch für die Fleischermeister der Metzgerei Erb, die sein Tempeh inzwischen sogar in ihr eigenes Sortiment aufgenommen hätten, berichtet Probst. Für die Zukunft sei angedacht, deren Expertise im Räuchern zu nutzen, um ein eigenes Produkt mit Raucharoma zu entwickeln.

Kurzer Blick ins EU-Parlament

Tatsächlich ist es also weniger ein Gegeneinander als vielmehr ein Miteinander – ganz anders, als es derzeit auf europäischer Ebene diskutiert werde, wie Constanzo erzählt. Im EU-Parlament wurde jüngst dafür gestimmt, dass vegetarische und vegane Produkte künftig keine Bezeichnungen wie Burger, Schnitzel oder Wurst mehr tragen dürfen. Auch Probst wäre von einem solchen Verbot betroffen, sollte es tatsächlich umgesetzt werden. Für Constanzo ist diese Debatte kaum nachvollziehbar: „Ich finde es affig, dass wir solche Dinge im Europaparlament behandeln müssen, während es weltpolitisch an allen Ecken und Enden brennt.“

EU-Bürokratie

Wenn über Landwirtschaft und die EU gesprochen wird, steht häufig zuerst die Bürokratie im Raum. Auch beim Besuch der Europaabgeordneten Vivien Constanzo ging es darum, wie sich bürokratische Hürden abbauen lassen. Auch ein Thema: Zertifikate. Allerdings sei dies kein ausschließlich EU-spezifisches Problem, sagt Andreas Probst. So verzichtet er etwa auf das baden-württembergische Herkunftslabel mit den drei Löwen, da er seine Sojabohnen nicht nur aus der Region, sondern auch aus dem benachbarten Elsass bezieht.