Beim Tag der offenen Tür in der Psychiatrie Calw vermisste unsere Autorin einen Aspekt schmerzlich.
50 Jahre ist es her, dass die Psychiatrie Calw, heute Zentrum für Psychiatrie Nordschwarzwald (ZfP), ihre Tore öffnete. Das ist eine lange Zeit, gerade im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie hat sich vieles getan. Schade, dass das beim Tag der offenen Tür komplett ignoriert wurde. Was sie über ihre Entwicklung zu berichten hatte, waren vor allem bauliche Veränderungen, gezeigt in einer etwas lieblosen Bildergalerie.
Die Entwicklung, die die Behandlung selbst und der gesellschaftliche Stand psychisch Erkrankter seit den 1970’ern durchgemacht hat, suchte man hingegen vergeblich. Dabei wurde die Klinik in einer Zeit erbaut, als der Umgang mit Patienten in Psychiatrien kaum rosig, wenn nicht gar höchst fragwürdig war – von der immer noch bestehenden Tabuisierung solcher Krankheiten ganz zu schweigen.
Ein wenig kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Profession hätte gezeigt, dass die Klinik sich dessen bewusst ist und – hoffentlich – ihre Konsequenzen daraus zieht. Das würde von Stärke zeugen. Leider hat es das ZfP bei Selbstbeweihräucherung belassen.