Sie leben irgendwo auf der Welt, tragen ihre Heimat Rottweil aber im Herzen. In einer Serie stellen wir einige Rottweiler vor, die gerne von ihrem Leben in der Fremde erzählen. Heute: Im Gespräch mit dem Winzer Matthias Willi.
Rottweil/Glottertal - Idyllisch liegt er am Steilhang in Glottertal: der Weinberg von Matthias Willi und seiner Partnerin Johanna. Für den Laien sieht es derzeit so aus, als würden die Reben ruhen.
"Oh nein", sagt Matthias Willi und erklärt, dass er die Reben erst kürzlich geschnitten hat, um sie für die Wachstumsperiode vorzubereiten. Matthias Willi ist nicht nur mit Leib und Seele Winzer, sondern mit viel Leidenschaft und aus voller Überzeugung. Gemeinsam mit seiner Partnerin Johanna, ebenfalls Winzerin, bewirtschaftet er zwei kleine Weinberge. Auf dem einen gedeiht Spätburgunder, auf dem anderen Weißburgunder.
Liebe auf dem Weingut entfacht
Geboren und aufgewachsen ist Matthias Willi in Rottweil. Hier absolvierte er am Leibniz-Gymnasium im Jahr 2005 sein Abitur und entschied sich dann für eine Ausbildung im Restaurantfach. Er heuerte im renommierten Hotel Sackmann in Baiersbronn an. "Hier habe ich meine Leidenschaft für gutes Essen und gute Weine entdeckt", erzählt er.
Die Weine faszinierten ihn. Nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hatte, war schnell klar: "Ich studiere noch Weinbau".
Gesagt getan. Und seit dem Jahr 2014 ist Matthias Willi Außenbetriebsleiter bei Franz Keller in Oberbergen. Er ist dort zuständig für die Weinberge und die Reben – er kümmert sich quasi um die Basis. Und noch etwas: Das Weingut Franz Keller wird von Fritz und seinem Sohn Friedrich betrieben. Fritz Keller dürfte vor allem den Fußballfans ein Begriff sein, ist er doch Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB). Aber das nur nebenbei...
Als Matthias Willi auf dem Weingut seine Lebensgefährtin kennenlernte, war nicht nur die Liebe zueinander entfacht, sondern auch die gemeinsame Leidenschaft für den Weinbau. Schnell war klar, dass eigene Weinberge zu pflegen und eigenen Wein zu machen ein Lebenstraum ist. Und dieser Traum ist bereits ein klein wenig wahr geworden, denn der erste Weißburgunder ist bereits abgefüllt.
Und nicht nur das. Er ist auch bis auf den letzten Tropfen verkauft. Und eines sei verraten: Der Wein ist ein wahrer Genuss...
Der erste Spätburgunder ist bereits im Fass
Die Weißburgunder Trauben wurden von Hand gelesen und in der traditionellen Korbkelter gepresst, vergoren und ausgebaut im neuen Viertelstück Fass (300 Liter)". Das nagelneue Holzfass hat das Seine zum Wein beigetragen.
Das Weißburgunder Viertelstück ist die Premiere des Jungwinzers aus Rottweil, der übrigens kein großes Equipment für seinen Wein benötigt, sondern mit minimaler technischer Ausstattung arbeitet. "Der Wein macht das ganz allein", sagt Johanna lächelnd. Die Fässer haben die beiden bei einer befreundeten Winzerin untergestellt. Die Wachskapsel und das Etikett bekommen die Flaschen dann daheim am Küchentisch.
Der 2017er-Jahrgang war die Premiere der beiden. Im Jahr 2018 gab’s keinen Weißburgunder, aber der 2019er ist bereits in den Startlöchern. Man darf sich also freuen. Der erste Spätburgunder ist ebenfalls bereits im Fass.
Auch der Rottweiler Weinhändler Michael Grimm ist auf den Jungwinzer Matthias Willi aufmerksam geworden, als dieser einkaufte. Man sei ins Gespräch gekommen, Grimm habe sich erzählen lassen und den Wein auch verkostet. "Die Überraschung war groß, denn ähnliche Aromen hatte ich bisher nur bei Burgundern von Huber und Knipser, oder bei sehr guten aber teuren Weißen aus dem Burgund", schwärmt Grimm und ist sichtlich begeistert vom Wein des Glottertäler Exilrottweilers. Und da ist er nicht der einzige...