Weihnachtliche Vorfreude in der Kita Jahnstraße: Die eventuelle Bescherung käme zu Beginn des neuen Jahres mit einem positiven Fördermittel-Bewilligungsbescheid. Foto: Schlülze

Alexander Schülzle, Leiter der Kita Jyhnstraße, spricht im Interview über die Aufgaben eines Familienzentrums und die Hürden, die Familien heutzutage überwinden müssen.

Burladingen - Die Kita Jahnstraße soll ein Familienzentrum werden. Warum, und was ist das überhaupt? Alexander Schülzle, Leiter der Kita, spricht im Interview über die Aufgaben eines solchen Zentrums, die Hürden und Hindernisse, die Familien heutzutage zu überwinden haben, und wann die Einrichtung ihren Betrieb aufnehmen könnte – sollte es Förderung vom Land geben.

 

Herr Schülzle, Sie wollen die Kita Jahnstraße zu einem Familienzentrum umwandeln. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Idee, die Kita Jahnstraße in ein Familienzentrum weiterzuentwickeln, gibt’s schon länger. Ein Familienzentrum macht es sich – viel mehr als eine Kita – zur Aufgabe, die Eltern und somit die ganze Familie mit in den Blick zu nehmen. Es ist bekannt, dass man schon bei den Kleinsten ansetzen muss, um bestmögliche Voraussetzungen für eine gute Entwicklung zu schaffen.

Ist diese Idee gewachsen, weil in Burladingen die Kitas aus allen Nähten platzen?

Die steigenden Kinderzahlen sind nicht der Grund. Sie zeigen aber, dass weitere Einrichtungen geschaffen, ausgebaut und gefördert werden müssen.

Täuscht der Eindruck, oder sind heutzutage immer weniger Eltern in der Lage, Kinder gut zu erziehen - mit allem, was dazugehört: gesundes Essen und Medienkonsum, Bewegung, Regeln und ganz viel Liebe?

Viele Eltern stehen vor der Herausforderung, Familie und Berufstätigkeit beider –von Vater und Mutter – zu vereinbaren. Ein Familienzentrum macht es sich zur Aufgabe, Hand in Hand mit den Eltern zusammenzuarbeiten, die gestiegenen Anforderungen an die Erziehung und auch die Belastungssituationen der Familien zu erkennen, und stärkend mitzuwirken. Das Familienzentrum soll ein Ort sein, an dem alle willkommen sind. Und an dem alle Kinder die Möglichkeit zur Chancengleichheit bekommen. Mit wertschätzender Begleitung und Förderung soll das Familienzentrum ein Partner für die Familien sein.

Die vielen Hürden, die finanziellen Kraftakte und auch die Zunahme an ›verbautem Raum‹ und dadurch weniger Orten zum Spielen, haben eine große Bedeutung dabei. Wechselnde Betreuungspersonen im familiären Bereich sowie oft ein Mangel an Zeit macht es vielen Familien schwer, den Kindern Kontinuität und Verlässlichkeit bei Abläufen, Rituale und Regeln zu geben. So kann ein Familienzentrum eine zentrale Anlaufstelle und ein verlässlicher Vernetzungspartner sein.

Wie würde das Familienzentrum finanziert?

Das Land Baden-Württemberg hat ein großes Förderprogramm auf den Weg gebracht. Da können sich Kindereinrichtungen um finanzielle Unterstützung auf ihrem Weg zum Familienzentrum bewerben. Die Kita Jahnstraße befindet sich gerade auf dem Weg der Antragstellung. Als Team und mit dem Elternbeirat hat man sich schon zu den Zielen und Meilensteinen im Sozialraum Burladingen – und speziell fürdie Kita – auseinandergesetzt. Wenn wir den Zuschlag erhalten, ist der zweite Schritt, der Aufbau des Netzwerks, schon in Arbeit und somit auf dem Weg. Die Unterstützung vom Land ist natürlich eine wichtige Voraussetzung, weil Arbeitsmittel, Räumlichkeiten, Referenten und Personalstunden anfallen werden, um adäquat arbeiten zu können.

Dann benötigen Sie mehr Personal, das ja eh schon schwer zu finden ist?

Nein, wir planen mit der aktuellen Personalstärke.

Wenn die Finanzierung steht, wann könnte es losgehen mit dem Betrieb?

Im März wissen wir, ob wir die Fördermittel bekommen. Wenn das der Fall sein sollte, würde ein Prozess beginnen, der etwa vier Jahre dauert. In den vier Jahren wandelt sich die Kita zum Familienzentrum. Beginnen könnten wir mit einem Elterncafé.