Auf dem Bild (von links, erste Reihe): Isabel Götz, Clemens Götz, Chin-Hua Chou, Bürgermeister Ryyan Alshebl, der Generaldirektor der taiwanesischen Vertretung aus München Ian-Tsing Joseph Dieu, Ying-Lan Chou und viele Gäste freuten sich im Ostelsheimer Rathaus über den Preis der CTK-Stiftung. Foto: Felix Biermayer

Ryyan Alshebl hat einen Preis der taiwanesischen CTK-Stiftung für Kultur und Bildung erhalten. Die Stiftung ist weltweit aktiv und vergibt jährlich einen Preis an Hoffnungsträger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Vor etwas mehr als einem Jahr wählten die Ostelsheimer Ryyan Alshebl zu ihrem neuen Bürgermeister. Das Medieninteresse war wegen Alshebls Lebensgeschichte sehr groß – und zwar weltweit. Dass dieser als syrischer Flüchtling nach Deutschland kam und in Althengstett eine Verwaltungsausbildung absolvierte, weiß im Gäu mittlerweile vermutlich jeder. Alshebl selbst ist im Bürgermeisteralltag angekommen und muss ich mit dem Haushalt, der Kindergartenplanung oder sonstigen kommunalen Aufgaben herumschlagen.

 

Hoffnungsträger Doch am Samstag stand ein Ereignis auf dem Plan, dass wohl wenige seiner Amtskollegen so erleben. Es kamen Gäste der CTK-Stiftung aus Taiwan nach Ostelsheim. Sie überreichten Alshebl einen Preis für seine Lebensgeschichte und die Inspiration, die diese für Flüchtlinge weltweit darstellt.

Die taiwanische Stiftung erinnert an den mit zehn Jahren an Krebs gestorbenen Chou Ta-Kuan. Der wäre heute 37 Jahre alt. Dessen letzter Wunsch war, dass die Menschen nett zu sich, zu anderen und der Erde sein sollen. Die Stiftung setzt sich weltweit für krebskranke Kinder ein. 190 000 Menschen sind für sie ehrenamtlich tätig. Sie vergibt zudem jährlich einen Preis an Hoffnungsträger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Eigentlich wird der Preis in Taiwan vergeben

In Taiwan Normalerweise wird der Preis in Taiwan vom Staatspräsidenten übergeben. Allerdings konnte Alshebl aufgrund terminlicher Verpflichtungen als Bürgermeister nicht in den Inselstaat reisen. Deshalb kam eine kleine Delegation nach Ostelsheim. Das waren Ying-Lan und Chin-Hua Chou, die Eltern von Chou Ta-Kuan, sowie dessen Brüder. Einer von ihnen spielte ein taiwanesisches Volkslied auf einer Art Flöte. Vater Chin-Hua Chou überreichte den vielen Gästen faltbare Drachen aus Papier. Denn 2024 ist das Jahr des Drachen.

Der Vater erzählte von seinem verstorbenen Sohn. Der sei ein Poet gewesen. Der Verkauf von Büchern mit diesen Gedichten, in denen es um Liebe und Hoffnung gehe, sei eine Einnahmequelle für die Stiftung.

„Er ist ein Vorbild für uns alle“

Partnerschaft Und diese Themen inklusive Mut spiegelten sich auch in Alshebls Geschichte wieder - auch im Engagement seiner vielen Helfer. Alshebl habe all das in die Herzen der Menschen gebracht und sei damit „ein Beispiel für Flüchtlinge weltweit“. Der Ostelsheimer Stefan Reiß übersetzte die Rede des Vaters. Und Chou hatte prompt noch eine Idee. Die Stadt Nantou könne als Zeichen der Verbindung eine Partnerschaft mit Ostelsheim eingehen.

Der Generaldirektor der taiwanesischen Vertretung aus München Ian-Tsing Joseph Dieu kam ebenfalls extra nach Ostelsheim. Weil er in Baden-Württemberg studiert hat, richtete er sich auf deutsch an die Gäste. „Er ist ein Vorbild für uns alle“, meinte er über Alshebl. Nantou ist Dieus Heimatstadt. Eine Partnerschaft würde ihn freuen, so Dieu.

Ist er bald Bürgermeister von Stuttgart?

Toleranz Alshebls Werdegang wurde in einem kurzen Video nochmals dargestellt. Dort wurde sogar über dessen mögliche Zukunft als Oberbürgermeister von Stuttgart spekuliert. Das sorgte für einige Lacher unter den Gästen. „Wollen sie mich loswerden?“, scherzte Alshebl. Der bedankte sich in seiner Rede für die Auszeichnung. Er sah darin einen Preis für ganz Ostelsheim. Der Ort habe Toleranz und Weltoffenheit beweisen. „Dass das zu einer weltweiten Bekanntheit führt, hat keiner geahnt“, meinte er. Die Städtepartnerschaft schlage er dem Gemeinderat gerne vor.

Das Leben von Chou Ta-Kuan sei eine Inspiration. Jeder könne sein eigenes Leben und das der andern positiv beeinflussen. „Es liegt in unserer Hand die Welt ein Stückchen besser zu machen“, so Alshebl. Er bedankte sich auch bei den vielen Helfern, die ihm seinen Weg ermöglicht hatten.

Althengstetts ehemaliger Bürgermeister Clemens Götz hat Alshebl unterstützt

Wegbereiter Zwei davon bekamen ebenfalls den Preis der Stiftung überreicht: Althengstetts ehemaliger Bürgermeister Clemens Götz und dessen Frau Isabel. Sie haben Alshebls Weg entscheidend mitgeprägt. In einem Vorstellungsvideo wurde Götz sogar als Engel der Bürgermeister in Deutschland bezeichnet. Der sah darin „eine gewisse Unschärfe“.

Trotzdem bedankte er sich für den Preis. „Wir fühlen uns sehr geehrt“, so Götz. Es sei toll, dass über „die Liebe zum Leben“ eine Brücke ins weit entfernte Taiwan gebaut werde. Aber dafür brauche es stets die Hilfe anderer. Deshalb nehme er den Preis stellvertretend für die vielen Menschen an, die Alshebl auf seinem Weg geholfen haben. „Machen wir weiter, aus Liebe zum Leben“, meinte Götz.