Die Erfolgsgeschichte Schlachthaus Brambach: Wie Metzger aus Schramberg-Sulgen mit Ausdauer EU-Vorgaben änderten und ein Schlachthaus retteten.
Das Schlachthaus Brambach in Schramberg-Sulgen wird diesen Monat 30 Jahre alt. Es wurde von der Schramberger Schlachthaus GmbH gebaut und bis 2016 auch betrieben. Seitdem gehört es der Stiftung St. Franziskus.
Der 16. März 1996 ging, so der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, als „ein Glückstag für Schramberg“ in die Stadtgeschichte ein. An diesem Tag eröffnete die aus sechs Gesellschaftern bestehende Schramberger Schlachthaus GmbH feierlich das Schlachthaus im Brambach. Bis dahin konnten die beteiligten Metzgereien ihren Schlachtbetrieb nur mit provisorischen Lösungen aufrechterhalten.
Das städtische Schlachthaus stand schon seit Mitte 1990 nicht mehr zur Verfügung. Durch das moderne Betriebsgebäude war es nun weiterhin möglich, von einheimischen Bauern gekauftes Vieh selbst und tiergerecht zu schlachten und damit bei kurzen Transportwegen etwas zur regionalen Wertschöpfung beizutragen.
Unterstützung vor Ort
Bis zur Einweihung der Kleinschlachtanlage war es ein weiter, teilweise auch steiniger Weg. Die Probleme lagen aber weniger vor Ort. Ganz im Gegenteil. Das Anliegen der örtlichen Metzger wurde von Gemeinderat und Stadtverwaltung von Anfang an unterstützt. Die zunächst schwierige Grundstückssuche konnte mit der Überlassung des Grundstückes im Gewerbegebiet Brambach einvernehmlich abgeschlossen werden. Aus der Stadtkasse wurde das Bauvorhaben mit 220 000 Mark bezuschusst. Die Forderung nach dem Erhalt handwerklicher und kundennaher Metzgereigeschäfte wurde bei einer Unterschriftenaktion durch die Kunden der Metzgereien einhellig geteilt.
Mehrkosten
Hingegen zeichneten sich auf europäischer Ebene zunächst nicht lösbare Probleme ab. Im Wege stand die „Frischfleischrichtline“ der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG), die im Januar 1993 in Kraft treten sollte. Sie sah für kleinere Schlachtanlagen Bedingungen vor, die die Metzger GmbH aus wirtschaftlichen Gründen nicht hätte erfüllen können. Das 1992 geplante Investitionsvolumen wäre dadurch von 900 000 Mark auf rund fünf Millionen Mark angewachsen.
Die Richtlinien waren auf Großschlachthäuser ausgerichtet. Vernachlässigt wurden die Anliegen der kleinteiligen bäuerlichen Betriebe und Metzgereien in Bayern und Baden-Württemberg. Diese hatten auch die Lobbyverbände der Metzger und Bauern in ihren Stellungnahmen gegenüber der EG übersehen.
„Lex Schramberg“
Die Gesellschafter der GmbH, insbesondere deren Sprecher, der Sulgener Metzgermeister Peter Hezel, wollten sich damit nicht abfinden. In den folgenden Jahren suchten und fanden Sie die Unterstützung von Abgeordneten aller parlamentarischen Ebenen und Parteien. Unterstützt wurden sie auch von der baden-württembergischen Landesregierung. Gehör fanden sie auch beim für die Materie zuständigen Bundesgesundheitsministerium. Peter Hezel und der Verfasser konnten
Helmut Kohl nahm sich dem Anliegen an
1992 auf Vermittlung des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Kirschner aus Oberndorf, das Schramberger Anliegen auch dem zuständigen Staatssekretär Wagner vortragen. Mit Erfolg. Bundeskanzler Helmut Kohl nahm sich des Anliegens an und schlug für die Bundesregierung der EG eine Änderung der Richtlinie zugunsten von Kleinbetrieben vor.
Die Frischfleischrichtlinie wurde 1995 von der EG dann auch auf Initiative und im Sinne der Schramberger Metzger geändert. Die so zustande gekommene „Lex Schramberg“ stellt für den Verfasser nach wie vor einen Vorgang mit bundesrepublikanischer, wenn nicht europäischer Bedeutung dar.
Unermüdlicher Einsatz
An dieser Erfolgsgeschichte haben viele Institutionen und Persönlichkeiten mitgeschrieben. Natürlich in erster Linie die Gesellschafter und Vertreter der Schramberg Schlachthaus GmbH. Mit Peter Hezel, dem Sprecher der GmbH, sei aber eine Person besonders hervorgehoben. Er war Ideengeber und Motor des Projektes. Ohne seine Ausdauer und Hartnäckigkeit im Umgang mit Behörden und Politikern wäre es wohl nie zur Einweihung der Kleinschlachtanlage gekommen. Leider ist er bereits 2004 im Alter von 57 Jahren allzu früh verstorben.
Kauf durch Stiftung
Mit der Zeit nahm die Zahl der in Brambach schlachtenden Metzger aufgrund des Kaufverhaltens der Kundschaft ab. Infolgedessen stellte die Metzger GmbH 2016 den Betrieb ein und veräußerte das Schlachthaus an die in Heiligenbronn ansässige Stiftung St. Franziskus.
Die Stiftung mit eigener Landwirtschaft und Metzgerei gehörte seit 2002 bereits zu den Nutzern des Schlachtbetriebes. Um den Fortbestand des Schlachthauses zu sichern, sanierte die Stiftung in den Betrieb und bietet auch externen Metzgereien die Möglichkeit, dort zu schlachten. Die hinter der Einrichtung der Kleinschlachtanlage steckende „Philosophie“, Fleisch aus der Region dort auch zu verarbeiten und als regional erzeugte Produkte auf den Markt zu bringen, hat sich erfreulicherweise noch nicht überlebt. Sie stieß sogar auf ausländisches Interesse.
So besuchte 2025 eine Gruppe moldauischer Veterinärinspektoren unter anderem den Betrieb im Brambach um zu sehen, wie ein Kleinschlachthof nach EU-Standards in der Praxis funktioniert. Der Autor war von 1990 bis 2011 Oberbürgermeister von Schramberg.