Seit mehr als 130 Jahren ist das Gasthaus Rößle fester Bestandteil von Schönwald. Heute führen Frank und Silvia Walter den Familienbetrieb mit viel Einsatz und Liebe zur Tradition.
Das Gasthaus Rößle, wie man es heute kennt, besteht seit dem Jahr 1895. Eine Urkunde zur Wirtschaftseröffnung vom 10. September 1895 hängt noch immer im Gasthaus – ein sichtbares Zeichen für eine lange Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird. Ein Gerücht hält sich allerdings hartnäckig: Das Gasthaus Rößle solle schließen. Doch wer mit den Inhabern spricht, merkt schnell – daran ist nichts wahr.
Inzwischen führen Frank und Silvia Walter den Betrieb in vierter Generation und setzen damit eine Familientradition fort, die eng mit dem Ort Schönwald verbunden ist.
Der Ursprung des Gasthauses reicht jedoch noch weiter zurück. Frank Walter erzählt, dass seine Großmutter einst in einem Haus oberhalb der heutigen Skilifthütte lebte, am Hang des jetzigen Rößle-Lifts. Dieses Gebäude brannte nur vier Jahre nach Bau durch einen Blitzeinschlag ab. In der Folge wurde das heutige Rößle an dem Standort errichtet, an dem es bis heute steht.
Frank Walter wurde in Triberg geboren und wuchs im Haus des Gasthauses Rößle auf. Die Gastronomie begleitete ihn von klein auf, auch wenn sein ursprünglicher Berufswunsch ein anderer war. Der 60-Jährige verrät, dass er eigentlich Zimmermann werden wollte, doch er wurde früh in Richtung Gastronomie erzogen. „Es hieß schon immer, du wirst mal Koch.“
Übernahme durch Schicksalsschlag
Seine Ausbildung zum Koch absolvierte er im damaligen Hotel Bäuerle in Schönwald. Berufliche Stationen führten ihn anschließend bis nach Karlsruhe. Seine Frau Silvia stammt aus Rastatt, weshalb er dort blieb, bis die beiden 2007 das Rößle von seinen Eltern übernahmen.
Eigentlich war vorgesehen, dass seine ältere Schwester den Betrieb weiterführt, was dann jedoch nicht möglich war. Die Frage, wie es weitergeht, stand im Raum, berichtet Walter. Da beide gelernte Köche sind, entschieden er und seine Frau sich, das Gasthaus gemeinsam weiterzuführen. Frank Walter war zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt – für ihn persönlich fast zu spät, um die Chance wirklich umfassend nutzen zu können, wie er heute sagt.
Neben dem Gasthaus prägte die Familie Walter auch das Umfeld entscheidend. Frank Walter kümmerte sich lange Zeit um den Rößle-Lift, den sein Vater im Jahr 1972 baute. Der Kiosk am Lift wurde später von Frank Walter gebaut und betrieben. Die Kombination aus Gastronomie, Skibetrieb mit Kiosk bedeutete viel Arbeit, so der 60-Jährige. Erst vor sechs Jahren wurde der Lift verpachtet. „Man muss viel arbeiten und viel leisten, um sowas aufrechtzuerhalten, aber alleine geht das nicht.“
Umso wichtiger sei es gewesen, eine Lebenspartnerin an seiner Seite zu haben, der dieselbe Richtung einschlägt, betont Frank Walter.
Eine Leidenschaft, die viel fordert
Der Arbeitstag beginnt früh: Bereits um 7.30 Uhr startet Frank Walter mit den Vorbereitungen in der Küche. Auch den Einkauf erledigt der 60-Jährige meist selbst und fährt dafür wöchentlich nach Villingen, um seine Ware zu holen. Zur Wahrheit gehört auch, dass wie viele Gastronomiebetriebe das Rößle mit Personalproblemen zu kämpfen hat. Auch aufgrund der Corona-Pandemie musste die ein oder andere Veränderung vorgenommen werden. Das frühere Kaffeegeschäft am Nachmittag wurde eingestellt, ebenso der Party-Service – beides mangels Personal.
Die Kundschaft bestehe heute überwiegend aus Stammgästen aus der Region. An den Wochenenden sei stets viel Betrieb, ebenso während der Schulferien.
Wie sieht es in Zukunft aus?
Frank Walter blickt mit dem Wissen, dass viele Gastronomien in der Raumschaft schließen, mit einer gewissen Sorge in die Zukunft. Seine Tochter ist ausgebildete Hotelfachfrau und weiß um die Belastungen des Berufs – sie werde den Betrieb in dem Rahmen, wie man ihn kennt, nicht weiterführen. Auch eine Verpachtung erscheint schwierig, da ein Gasthaus ständige Präsenz erfordert. „Man muss immer da sein, an jedem Feiertag.“
Aber auf der Suche nach einem Nachfolger sind die beiden derzeit nicht, sagt der 60-Jährige. Stattdessen konzentrieren sich Frank und Silvia Walter darauf, das Rößle so weiterzuführen, wie es seit mehr als 130 Jahren besteht.