Das Thema „Buskinder“ lässt derzeit in Nusplingen die Emotionen hochkochen: Der Hol- und Bringservice der Kinder vom und zum Bus durch das Personal des Kindergartens wird eingestellt – und eine funktionierende Alternative gibt es nicht.
Zum Jahreswechsel hat die Nusplinger Kirchengemeinde als Kindergartenträger darüber informiert, dass der Hol- und Bringservice der Kinder vom und zum Bus nicht mehr fortgesetzt wird. In der jüngsten Gemeinderatsitzung standen Kindergartenleiterin Birgit Münster und Kita-Managerin Susanne Ringwald vom katholischen Verwaltungszentrum Albstadt Rede und Antwort.
Wie Bürgermeister Jörg Alisch zusammen fasste, war Auslöser des Vorgangs, dass ein Kindergartenkind – das von der Erzieherin in den richtigen Bus gesetzt worden war – dort einschlief und nicht an der vorgesehenen Haltestelle ausstieg, sondern bis zur Endhaltestelle mitgefahren war.
Bischöfliches Ordinariat: Busfahrt ohne Aufsicht ist eine Aufsichtsverletzung
„Der Fehler wurde sofort bei der Erzieherin gesehen, gefolgt von Schuldvorwürfen“, so Alisch. Daher habe die katholische Kirchengemeinde beim bischöflichen Ordinariat in Rottenburg um eine Stellungnahme gebeten.
In dieser wurde klargestellt, dass die Aufsichtspflicht der Erzieherinnen mit der Übernahme der Kinder im Kindergarten beginne und mit der Übergabe an einen Sorgeberechtigten ende. „Die unbeaufsichtigte Fahrt im Bus stellt damit automatisch eine Aufsichtsverletzung dar“, so das Bischöfliche Ordinariat.
Auch Eltern könnten strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden, meint Alisch
Derjenige, der das Kind in den Bus setze, habe auch weiterhin die Aufsichtspflicht, fasste es Bürgermeister Alisch zusammen. Sollte währen der Fahrt etwas passieren, wären eventuell sogar strafrechtliche Konsequenzen zu ziehen. Dies gelte auch für die Eltern, die ihre Kindergartenkinder morgens alleine in den Bus setzten.
Für Ringwald war klar, es gelte, die Mitarbeiterinnen des Kindergartens zu schützen. Birgit Münster fügte an, ihr sei klar gewesen, dass es ein heißes Thema ist. „Aber mal ganz klar – wer möchte diese Verantwortung übernehmen?
Wir können froh und dankbar sein, dass bisher nichts Schlimmes passiert ist.“ Jörg Alisch bestätigte dies: „Wir bedauern es sehr, sehen aber keine andere Lösung – auch wenn es bisher in den vergangenen Jahren oder gar Jahrzehnten tadellos funktioniert hat.“
Kritik: Nusplinger Eltern werden erst am letztmöglichen Tag informiert
Im Nusplinger Gremium stieß das Thema auf geteiltes Echo. Andreas Kleiner, selbst Mitglied im Kindergartenausschuss, war maßlos verärgert über die Informationspolitik.
Die Eltern seien nach Kindergartenende am letzten Tag vor den Weihnachtsferien darüber informiert worden, dass ab Januar kein Hol- und Bringdienst mehr erfolge. „Die Kommunikation war unterirdisch und eigentlich so nicht geplant gewesen“, schimpfte er.
Für sie sei klar gewesen, dass das Thema im Januar nochmals besprochen und erläutert wird, verteidigte sich Susanne Ringwald. Gemeinderätin Sarah Reger bekräftigte die miserable Kommunikation. Für sie war jedoch nachvollziehbar, dass die bisherige Praxis aus Sicht der Erzieherinnen nicht mehr so weiter betrieben werden könne.
Ein kommunaler Busdienst wäre eine enorme Herausforderung
„Aber wie machen wir weiter“, fragte Reger. Ein kommunaler Buszubringerdienst würde die Gemeinde vor enorme finanzielle und personelle Herausforderungen stellen, ergänzte Bürgermeister Alisch. In anderen Kommunen des Kreises seien ähnliche Dienstleistungen ebenfalls eingestellt worden, gab er zu Bedenken.
Susanne Ringwald stellte nochmals klar: „Es ist alleinige Aufgabe der Eltern, die Kinder in den Kindergarten zu bringen.“ Birgit Münster fügte an, es gebe auch keine Versicherung, die so etwas trage.
Für Gemeinderat Peter Reiser war die Situation eindeutig: „Das Ding ist geschwätzt, wir haben klare Vorgaben.“ Allerdings hätte er sich zu dem Thema vorab eine Infoveranstaltung für die betroffenen Eltern gewünscht.