Der AHP-Standort in Nagold ist gefährdet. Foto: Heiko Hofmann

Seit 2016 ist die Hochschule Pforzheim mit einer Außenstelle in Nagold präsent. Doch finanziell trägt sich der Akademie-Standort nicht. Droht bald die Schließung?

AHP steht auf dem Schild geschrieben. AHP – das ist die Abkürzung für „Akademie der Hochschule Pforzheim gGmbH“. In Nagold hat die AHP einen Außenstandort. Im einstigen Postgebäude wurden Räume angemietet, dort wo auch die VHS untergebracht ist.

 

In Nagold ist man eigentlich auch ziemlich stolz darauf, die AHP in die Stadt gelockt zu haben. Für den Ruf als Bildungsstandort ist das gut. Und für den Ruf als Wirtschaftsstandort natürlich auch. Schließlich ist die AHP darauf spezialisiert, berufsbegleitende Weiterbildungsgänge auf Hochschulniveau anzubieten. Das kann nicht jeder.

Das Problem: Die AHP-Außenstelle in Nagold trägt sich finanziell noch immer nicht selbst. Unter anderem geben der Landkreis und die Stadt Nagold Zuschüsse. Zudem sind einige regionale Unternehmen mit im Boot, die das AHP-Angebot für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter nutzen.

Um jeden Preis ist man in Nagold nicht mehr bereit, die AHP zu halten

„Letztmalig“ wird die Stadt Nagold in den Jahren 2026 und 2027 nochmals einen Zuschuss über 40 000 Euro pro Jahr gewähren. Das hat der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung beschlossen. Und dabei wurde deutlich, dass dieser Zuschuss eng mit zählbaren Erfolgen verbunden wird. Um jeden Preis ist man in Nagold nicht mehr bereit, den AHP-Standort zu halten. Dieses „Letztmalig“ ist wörtlich im Beschluss fixiert.

„Wir riskieren es nochmal“, gab Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann in der Debatte die Richtung vor. Und bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen sah das auch die große Mehrheit des Gemeinderats so. Doch die Skepsis ist groß.

OB Großmann: „Wir müssen noch mehr Interessenten begeistern“

„Es ist ein klares letztes Angebot“, sagte selbst der OB. Er warb aber auch für die AHP. Die Chance, berufsbegleitend zu akademisch orientierten Abschlüssen zu kommen, solch ein Angebot gebe es nicht wie Sand am Meer. „Das ist eine Einmaligkeit. Das gibt es im Nordschwarzwald nur hier und in Pforzheim.“

Knackpunkt sei, dass die Interessentenzahl größer werden müsse. „Im Moment gelingt uns das noch nicht“, so Nagolds OB. „Wir müssen noch mehr Interessenten begeistern.“

Die Eingangspforte zur AHP in Nagold. Foto: Heiko Hofmann

Auch CDU-Stadtrat Thomas Eisseler merkte kritisch an: „Das darf man schon hinterfragen“. Denn seit 2016 sei es faktisch nicht gelungen, weitere Unternehmen zu gewinnen. „Da muss man schon die Frage stellen, ob das noch zeitgemäß ist.“ Auch er verdeutlichte: „Spätestens nach zwei Jahren müssen wir das beenden, wenn es nicht gelingt, das Angebot kostendeckend zu gestalten.“

Daniel Steinrode: „Es wäre schon ein Verlust“

Stadtrat Günther Schöttle fragte sich da, ob man dann die Unterstützung überhaupt noch zwei weitere Jahre geben müsse. Zumal der Standort Pforzheim ja gut erreichbar sei. Auch AfD-Rat Joachim Mehles stellte in den Raum: „Warum fördern wir das?“

SPD-Gemeinderat Daniel Steinrode warb dafür, an die Sache positiv heranzugehen. Gefragt sei eine Werbeoffensive. „Es wäre schon ein Verlust, wenn wir die AHP verlieren würden.“ Und weiter sagte er: „Wenn wir das jetzt investieren, dann sollten wir uns auch ernsthaft bemühen.“

Carl Christian Hirsch: „Das kann hier schon funktionieren“

CDU-Stadtrat Carl Christian Hirsch verwies darauf, dass der Bildungsstandort Nagold ein sehr guter sei. „Das kann hier schon funktionieren“, war er überzeugt. Es lohne sich, nochmal einen Schub zu geben.

„Das ist jetzt nochmal, um richtig Gas zu geben“, ergänzte Nagolds Oberbürgermeister. Die Chancen stuft er auf „50 zu 50“ ein. „Ansonsten müssen wir das halt akzeptieren.“ Wobei Großmann sicher war, dass es nicht am inhaltlichen Angebot der AHP liege. „Die Frage ist eher, welches Engagement wird da jetzt hineingelegt.“

Stichwort

AHP
In der Drucksache für die Gemeinderäte schreibt die Stadt Nagold: „Die Akademie der Hochschule Pforzheim gGmbH (AHP) bietet ein flexibles wissenschaftliches und berufsbegleitendes Weiterbildungsprogramm mit Zertifikaten im Bereich Innovationsmanagement an, bis hin zum Erwerb des Mastertitels „Strategisches Innovationsmanagement M.A.“. Darüber hinaus werden Weiterbildungszertifikate auf Bachelorniveau angeboten, sowie (unternehmensspezifische) Praxisseminare zum akademischen Forschungs- und Wissenstransfer, von denen die Mitarbeitenden eines Unternehmens profitieren. Während Programme wie Inhouse-Seminare ein deutliches Wachstum zeigen, stagnieren die Teilnehmerzahlen im Kerngeschäft “Innovationsmanagement“ derzeit.(…) Für nachhaltiges Wachstum müssen die Teilnehmerzahlen deutlich gesteigert werden.“