Chekka ist trotz der Krise zwischen Hisbollah und Israel eine lebenswerte Stadt nördlich von Beirut, wie Antoine el Beik (Zweiter von rechts) auf Einladung des Vereins Netzwerk Globale Brücke in einem öffentlichen Vortrag berichtete. Auf dem Bild zu sehen sind zudem Clemens Götz (von links), Manfred Schwarz und Roland Leyhr. Foto: Jeanette Tröger/Picasa

Entwicklungspartner Antoine el Beik berichtet mit eindrücklichen Bildern aus Beirut und Chekka über die aktuelle Lage im Libanon.

Seit 2018 besteht eine Entwicklungspartnerschaft der Gemeinde Althengstett mit der libanesischen Stadt Chekka. Im Rahmen der Partnerschaft wurden einige Photovoltaikprojekte verwirklicht, ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der beruflichen Bildung. Der libanesische Projektverantwortliche vor Ort in Chekka Antoine „Toni“ el Beik war zu einem Besuch in der Gäugemeinde und informierte in einem öffentlichen Vortrag im Rathaus über die aktuelle Lage im Libanon und von den Kämpfen der israelischen Armee gegen die Hisbollah, unter denen die Zivilbevölkerung zu leiden hat.

 

Der Ingenieur el Beik stammt aus Chekka, ist dort Gemeinderat und leitet das mit Althengstett verbundene Team. In Beirut arbeitet er als Chef des Facility Managements der Universität, seine Familie lebt aus Sicherheitsgründen im weiteren Umfeld von Beirut.

El Beik war zu einer Tagung von Engagement Global, einer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützten Initiative, in Oberbayern und kam im Anschluss noch nach Althengstett, zum Austausch mit den Freunden des Partnerschaftsteams, das mittlerweile zum Verein Netzwerk Globale Brücke wurde, und zu seinem öffentlichen Vortrag.

Den ganzen Tag ist das Brummen zu hören

In englischer Sprache und übersetzt von Clemens Götz berichtete er zunächst über den deprimierenden Teil, über die Bombeneinschläge in der Bekah-Ebene und in Beirut, auch nahe seiner Arbeitsstätte. In der Hauptstadt ist „all over the day“, den ganzen Tag das Brummen der israelischen Drohnen zu hören.

Mehr als 300 Gebäude sind schon von Bomben zerstört. „Das ganze Land sitzt auf gepackten Koffern.“ Denn die Israelis warnen die Bewohner zwar, wenn sie ein Haus als Hisbollah-Stützpunkt im Visier haben – „In einer halben Stunde fliegt euer Haus in die Luft“ – aber das Zuhause ist dann halt weg, wie Toni mit Videos belegte.

Manchmal fallen zehn Bomben gleichzeitig auf die Stadt, berichtete er, ein weiteres Video zeigte einen Angriff auf den Flughafen, wo die Bombe zehn Meter neben einem startenden Flieger einschlägt.

„Im Libanon gibt es bei fünf Millionen Einwohnern etwa eine Million Vertriebene, die nur das bei sich haben, was sie tragen können.“ Sie kommen zum Beispiel in Schulen unter. Es gebe viel Hilfe aus den arabischen Staaten, auch aus Frankreich und Deutschland. Die vertriebenen Menschen hofften jedoch, dass der Waffenstillstand, der zum Zeitpunkt von el Beiks Vortrag gerade zwei Tage alt war, hält und sie wieder zurückkehren könnten.

Er zeigt Bilder aus seinem Leben

„Wir lieben nämlich das Leben, der Libanon und Chekka sind lebenswert“, leitete el Beik über zu „Hope“, zur Hoffnung. In Chekka selbst, etwa 65 km nördlich von Beirut, bestehe keine direkte Gefahr. Er ging auf die Geschichte seiner Heimatstadt ein, die von der Asbest-Industrie geprägt war. Er berichtete von den PV-Projekten, die das Rathaus und das Bildungszentrum mit Strom versorgen und abends einen Teil der Straßen und den Park beleuchten und sicherer machen. Er zeigte Bilder und Videos vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben in der Stadt.

Energieversorgung wird zur Daueraufgabe

Eine künftige Daueraufgabe werde der Ausbau einer leistungsfähigen Kläranlage sein, denn bisher fließt viel Abwasser einfach ungeklärt ins nahe Meer. Auch dafür brauche es verlässlich Strom aus PV-Anlagen. Denn aus dem öffentlichen Netz fließe die Energie täglich nur für ein bis zwei Stunden. Mit privaten Dieselgeneratoren wird der Bedarf teilweise gedeckt und deshalb solle auch das Netzt an privaten PV-Anlagen ausgebaut werden.

Ob es Beziehungen von Bürgern zur Hisbollah gibt, war eine Frage aus dem Publikum an den libanesischen Gast. „Die Leute der Hisbollah sind nicht als deren Mitglieder erkennbar,“ sagte el Beik, die Hisbollah sei keine Miliz, die ständig unter Waffen stehe. Die Mitglieder sind normale Menschen, die Berufen nachgehen, selbst deren Angehörige seien nicht eingeweiht. Das sei durch die Geschichte mit den explodierenden Pagern sehr deutlich geworden.