Das Ehrenamt hat Heinz Messner aus Trossingen Zeit seines Erwachsenenlebens begleitet: Handwerk, Kommunalpolitik, Vereine. Kürzlich feierte er seinen 80. Geburtstag.
Wenn man mit Heinz Messner über seine bisherige Biografie spricht, gewinnt man den Eindruck, er hat mehrere Leben in eines gepackt. Aufgewachsen ist Heinz Messner in Trossingen. Sein Vater führte dort einen Handwerksbetrieb im Bereich Natursteine und Fliesen. Klar, dass der Sohn Fliesenleger werden sollte.
Der junge Heinz Messner träumte allerdings von einem Leben als Wildhüter in Afrika – inspiriert von Bernhard Grzimek und Filmen wie „Die Serengeti darf nicht sterben“. Dieser Wunsch ging vorerst nicht in Erfüllung. Er schloss die Ausbildung bei einem Betrieb in Schwenningen ab und legte schließlich als einer der jüngsten seines Faches in Baden-Württemberg die Fliesenleger-Meisterprüfung ab.
„Die Verbindung zum Handwerk und die Meisterschule hat manches beeinflusst“, sagt er rückblickend. So übernahm er zusammen mit seinem Bruder den Familienbetrieb in Trossingen mit in der Spitze 23 Mitarbeitern. Von 1970 bis 1985 war er Ausbilder an der überbetrieblichen Ausbildung der Fliesenleger in Konstanz und Mitglied in den Prüfungskommissionen. Von 1985 bis 2006 füllte er das Amt des Obermeisters der Fliesenlegerinnung Konstanz aus.
Nach der Wende unterstützte er mehrere Jahre im Osten Deutschlands viele Betriebe in Sachen Kalkulation und Betriebsorganisation. „Dadurch waren viele Gespräche mit dem damaligen Bundesfinanzminister Clement in Berlin nötig“, erinnert er sich. Zuerst Vorstandsmitglied in der Landesinnung übernahm er von 1993 bis 2009 das Aufgabe des Landesinnungsmeisters. 2006 wurde er zum Ehrenobermeister der Fliesenleger-Innung Konstanz ernannt und schließlich im Jahr 2009 zum Ehrenlandesinnungsmeister des Verbandes Fliesen BW. Eigentlich genug Engagement neben der Leitung eines Handwerksbetriebes – sollte man meinen. „Wir haben zuhause auch über kommunalpolitische Themen gesprochen“, sagt Heinz Messner. Er sei von Fritz Trümper angesprochen worden, bei den Freien Wählern in Trossingen mitzumachen.
Mit den Freien Wählern in den Gemeinderat
Seit 1974 tat er diesen Schritt und wurde 1980 für die Gruppierung in den Trossinger Gemeinderat gewählt. Messner war bei drei Gemeinderatswahlen Stimmenkönig in der Musikstadt. Obwohl mit auch landesweit bekannten FDP-Politikern aus Trossingen wie Ernst Burgbacher oder Ernst Pfister befreundet, fühlte er sich bei den Freien Wählern kommunalpolitisch am besten aufgehoben. „Die Freien Wähler sind völlig unabhängig, das hat mir sehr gut gefallen.“
Hart aber fair
Zu Beginn seiner Zeit als Gemeinderat habe sich die finanzielle Situation Trossingens als sehr kritisch dargestellt. Der Niedergang der Firma Matthias Hohner habe die Stadt sehr getroffen. Heute könne man zufrieden sein, wie die Stadt da stehe. Messner beschreibt die Zusammenarbeit im Gemeinderat als fair, manchmal hart in der Sache, aber immer auf einen Kompromiss aus. „Ich habe in der ganzen Zeit nur Positives erlebt.“ Aber Kommunalpolitik ist auch zeitaufwendig. Ohne seinen Bruder, sagt er, hätte er sein ehrenamtliches und kommunalpolitisches Engagement mit Blick auf den Betrieb zuhause so nicht machen können.
Auch als Fußballspieler war er talentiert
Als jüngerer Mann war er ein begeisterter und guter Fußballspieler bei der Spielvereinigung Trossingen. „Hobby-Fußball war mein zweites Leben“, bekennt er. Mit dem Verein schaffte er es bis in die Schwarzwald-Bodensee-Liga und später bis in die Schwarzwald-Auswahl. 60 Jahre ist er beim Technischen Hilfswerk in Trossingen dabei. Seinen Traum von Afrika ist er näher gekommen über seine Aktivitäten bei deutsch-namibischen Hilfsfonds „Quandt“, dessen Gründungsmitglied er 1996 war. „Ich wurde angesprochen, ob ich die Hilfslieferungen vor Ort mit dem Lkw ausfahren könnten und musste nicht lange überlegen.“
Über die Jahre begleitete er immer wieder Lieferungen und Aktivitäten des Hilfsfonds in Namibia. Zwei Wochen Urlaub setzte er jeweils dafür ein. „Es war hochinteressant, wir haben in den Camps in Zelten auf dem Autodach geschlafen und außerdem viele Wildtiere von Elefanten über Löwen bis hin zu Nashörnern gesehen.“ Anfang diesen Jahres löste sich der Hilfsfonds auf, weil es laut Messner keinen Nachweis aus Namibia mehr über die Verwendung von Hilfsgütern gegeben habe. Ansprechpartner vor Ort hatten – auch altershalber – gewechselt, der gute Draht war unterbrochen. Messner bedauert, dass es keinerlei Dankesschreiben für das jahrzehntelange Engagement des Hilfsfonds aus Namibia gegeben habe. Für sich persönlich sagt er: „Ich bin dankbar, dass ich das machen konnte“.
Mit dem Hilfsfonds nach Namibia
Angesichts der Folgen des großen Hagelunwetter 2006 insbesondere in Schwenningen und Trossingen gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für Hagelabwehr Südwest, der den Einsatz von Hagelfliegern hier in der Region ermöglicht. Mittlerweiler ist er Ehrenvorsitzender des Vereins. Bereits im Jahr 2004 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein kommunalpolitisches, berufsständisches und soziales Engagement. 2016 übergab er den Fliesenlegerbetrieb in andere Hände. Im Ruhestand hatte er Zeit, seine Frau Birgit Messner in dem Schwenninger Modegeschäft Casa Moda zu unterstützen, bis sie es kürzlich in andere Hände übergab.
Mit 80 Jahren kann er das Leben ruhiger angehen lassen. „Ich werde auch nicht mehr so oft gefragt“, lacht er. Ein gesuchter Ratgeber ist er immer noch. Darüber hinaus spielt er Golf, und auch ein großes Gartengrundstück sorgt für Möglichkeiten der Entspannung in der Natur. Mittlerweile haben die Messners ihren Wohnsitz von Trossingen nach Schwenningen verlegt. Zum Elfewieb auf dem Marktplatz in der Nähe des Rathauses hat er ein besonderes Verhältnis. Die Statue wurde auf seine Initiative hin aufgefrischt.