Die Soldaten, die vor einem Jahr an der Evakuierung aus Afghanistan beteiligt waren, lässt das Erlebte nicht los. Wer mit ihnen spricht, hört erschütternde Details.
Neulich beim Stadtfest in seiner schwäbischen Heimat, da hat es ihn wieder eingeholt. Martin P. kommt mit alten Freunden und Verwandten darüber ins Gespräch, wie es war, als Bundeswehrpilot im Chaos von Kabul zu landen. In der Waldkaserne von Hilden berichtet der Feldjäger Marc-André H. über seine Erlebnisse am Flughafen der von den Taliban zurückeroberten afghanischen Hauptstadt. Ihn überkommt seither eine unerklärliche Traurigkeit, wenn er verletzte Tiere hilflos am Wegesrand entdeckt. Und Markus D. gerät immer wieder ins Grübeln, wenn er morgens zu seinem Objektschutzregiment der Luftwaffe im niedersächsischen Upjever fährt: „Diese zehn Tage beschäftigen mich bis heute.“
Die Kanzlerin greift zum Telefon
Es ist 9 Uhr am Morgen des 16. August 2021. Marc-Andre H. und Markus D. sitzen im Frachtraum einer A400M, die vom Fliegerhorst Wunstorf zu einer der gefährlichsten Missionen der Bundeswehrgeschichte aufbricht. Drei Stunden zuvor ist der erste Flieger gestartet mit General Jens Arlt an Bord, der den Einsatz leitet. Weil alles so schnell gehen muss, ist dem Feldjäger „gar nicht richtig klar, was ich eigentlich in Kabul machen soll“. Er ist dennoch „relativ gelassen, weil ein guter Freund von mir in der ersten Maschine war, der mich dann in Kabul in Empfang nehmen würde“.
Auf der politischen Ebene herrscht Vollalarm. Fast zwei Einsatzjahrzehnte enden im Fiasko, nur um den Schaden zu begrenzen, wird die Truppe überstürzt losgeschickt. „Die ersten Flieger sind gestartet, ohne dass wir schon alle Überflugrechte hatten“, erinnert sich ein Beteiligter im Verteidigungsministerium. Parallel laufen in Katars Hauptstadt Verhandlungen mit den Taliban, damit sie die Rettungskräfte nicht angreifen. Auch Angela Merkel, die davor zu wenig getan hat, greift zum Hörer. „Die Kanzlerin hat das Zuständigkeitsgerangel zwischen den Ressorts um die Ortskräfte zu lange laufen lassen“, erinnert sich ein Ministerialer – das Innenministerium beharrte der Sicherheit wegen auf Personenprüfungen vor Ort in Afghanistan, während Außen- und Verteidigungsressort ihre Helfer erst einmal mit Chartermaschinen ausfliegen wollen; „So war das Thema nicht gelöst, als Kabul fiel.“
Der Notfallplan aus dem Frühjahr ist für die Tonne
Im Einsatzführungskommando vor der Toren Potsdams haben feststellen müssen, „dass das, was in der Schublade lag, zum größten Teil überholt war“, wie Oberst Ludger Bette erzählt, der Leiter des Referats Nationale Krisenvorsorge. Im März kam das Ministerium erstmals auf ihn zu. Er plante für den Notfall, knapp 300 Deutsche evakuieren zu müssen. Sammelpunkt sollte die sechs Kilometer vom Airport entfernte Botschaft sein. Zu diesem Zeitpunkt aber ist sie schon verlassen, und die Zahl möglicher Passagiere um ein Vielfaches größer – alle Westler und jene Afghaninnen und Afghanen, die für sie gearbeitet haben und deren Leben deshalb bedroht ist. Noch während Regierungsjuristen über das Mandat streiten, beordert Bette 450 Männer und Frauen nach Wunstorf bei Hannover, um keine Zeit zu verlieren: „36,5 Stunden nach Alarmierung waren die ersten Kräfte in der Luft“.
Die Menschen hingen an den Transportern
In Aserbaidschan wird aufgetankt. Stundenlang stehen die Maschinen, die Landeerlaubnis am Zielort fehlt. Im Internet erfährt die Mannschaft, warum. Sie sieht „das Video, wie Kabuls Flughafen durch Zivilisten gestürmt wurde und die Menschen an der amerikanischen C17 hingen“, wie Markus D. erzählt. An einen Weiterflug ist nicht zu denken. In Potsdam muss Bette das US-Zentralkommando Centcom überzeugen, „dass wir da nicht nur kommen und Ressourcen verbrauchen, sondern dass unsere Fallschirmjäger auch zur Bewachung, Sicherung und zum Betrieb des Flugplatzes beitragen“. Am späten Abend gibt er den Maschinen in Baku grünes Licht.
Die mit dem General ist wieder eine Stunde voraus, kreist lange über Kabul, da immer wieder verzweifelte Menschen auf der Landebahn sind. Mehrere Anflüge scheitern, der Pilot muss durchstarten – und am Ende abdrehen. Marc-André H. in der zweiten Maschine erfährt nun, dass sie die ersten Bundeswehrkräfte am Boden sein werden. „Da war dann ein richtiges Tohuwabohu im Flieger“, erzählt der Feldjäger. Alles setzt sich um, damit die Kämpfer vom Kommando Spezialkräfte zuerst aussteigen können. Es geht in schnellen Kreiselbewegungen nach unten, Fliehkräfte wirken. „Ich war so voller Adrenalin“, erinnert sich H., „dass ich davon kaum etwas gemerkt habe.“
„Wir waren noch nicht da und wurden bereits kritisiert“
Fliegerisch ist das alles andere als Routine. Der A400M-Pilot Martin P. aus Oberschwaben, der vom Luftbetankungseinsatz über dem Irak zurückbeordert wurde und erst am dritten Operationstag Kabul anfliegt, schildert im Nachhinein die Herausforderungen. „Ich musste in einem unkontrollierten Luftraum an einen Ort, wo alle hinwollten“, sagt der Major, „Ich konnte nur über Funk sicherstellen, dass mir kein anderes Flugzeug in die Quere kommt.“ Afghanistans Hauptstadt ist umringt von hohen Bergen, erst kurz vor der Ankunft empfängt der Pilot Signale des improvisierten Towers. Steil muss er hinabtauchen - auch um spät erkannt zu werden und lang außerhalb der Reichweite feindlicher Waffen zu sein. „Es gab keine Lichter am Boden, der Flughafen war ein schwarzes Loch“. Die Landescheinwerfer löscht er schnell wieder, als sich beim ersten Anflug aus der Stadt heraus Laser auf ihn richten. Nicht nur einmal hat er „durch die Nachsichtbrillen gesehen, dass immer wieder über die ganze Stadt verteilt geschossen wird“.
Am Flughafen Kabul fallen ständig Schüsse
Brütende Hitze und beißender Geruch, als sich die Heckklappe der ersten Maschine öffnet. Markus D., der zum Air Protection Team gehört und für die Sicherheit des Fliegers zuständig ist, rechnet mit dem Schlimmsten, dass verzweifelte Afghaninnen und Afghanen sie zu stürmen versuchen werden. Das aber ist nicht der Fall, alle werfen sich um die Maschine herum auf den Boden. „Sieben Minuten passierte gar nichts, ich habe nur Schüsse gehört, es kam mir vor wie eine Ewigkeit“, erzählt der Feldjäger H rückblickend: „Dann tauchte ein amerikanischer Gabelstapler auf, um unsere Ausrüstung zu entladen - in dem Moment wusste ich, dass die Lage wohl zumindest wieder halbwegs unter Kontrolle war.“ Es sind vor allem Warnschüsse, mit denen US-Truppen jetzt die Menge von den Flugzeugen fernhält.
Inmitten des Wirrwarrs besteigen den Flieger zurück die ersten sieben Personen, die die Bundeswehr aus Afghanistan evakuiert. Als diese Nachricht Deutschland erreicht, ist das Geschrei groß, da parallel Fotos von überfüllten amerikanischen Frachträumen veröffentlicht werden. „Wir waren noch nicht da beziehungsweise noch nicht arbeitsbereit und wurden bereits kritisiert“, ärgert sich Feldjäger H. rückblickend: „Realistisch hätte auf dem ersten Rückflug gar niemand evakuiert werden können.“ An Schlaf ist in der ersten Nacht nicht zu denken, es wird noch entschieden, am North Gate jene Schleuse aufzubauen, die zum Nadelöhr für all jene werden soll, die mit einem deutschen Ticket gerettet werden.
Am North Gate geht es zu wie im Western
So weit ist es noch nicht. Der Feldjäger braucht erst ein Gefühl für die Umgebung. Mit KSK-Soldaten erkundet er den Airport, geht auch vor die Tore, was er im Nachhinein „blauäugig und gefährlich“ nennt, „aber ich musste wissen, was da los ist“. Was er sieht, entspricht „nullkommanull dem, was im Fernsehen zu sehen war - es wurde 24 Stunden am Stück geschossen“. Er ist schockiert über die Art und Weise, wie verbliebene afghanische Soldaten mit für den Kampf ausgebildeten US-Marines rund 35000 Menschen in Schach zu halten versuchen – nicht so, wie er das als Militärpolizist gelernt hat: „So macht man es vielleicht im Western“. Querschläger verwunden und töten. Gleich am ersten Tag muss er die Leiche einer Frau aus der Menge ziehen. Gekümmert hat sich sonst niemand. Babys werden durch die Menge gereicht und Soldaten über den Zaun zugeworfen. „Ich habe Männer gesehen, die Kinder mitgebracht und dann einfach sitzen gelassen haben, weil sie nur ihre Eintrittskarte für einen Flug sein sollten“, berichtet der 31-Jährige und zeigt Fotos auf seinem Handy: „Mir kommen die Tränen, wenn ich die Bilder der Kinder sehe, die da im Dreck spielten und nicht wussten, was um sie herum geschieht.“ Alle Waisen kommen mit.
Per Handyfoto die Verheirateten identifiziert
Mitten in der Verzweiflung beginnt die Arbeit in der Schleuse. Anfangs fehlen Vorgaben. „In den ersten Tagen war völlig unklar, wen wir jenseits von Deutschen und EU-Bürgern eigentlich mitnehmen sollen – das haben wir uns dann selbst zusammengeschustert.“ Wenn jemand dem Oberleutnant „glaubhaft machen konnte, dass es für das Max-Planck-Institut gearbeitet hat, haben wir gesagt: Komm, den packen wir ein‘“. Am vierten Tag gibt es die Ansage, allein reisende Männer nicht an Bord zu lassen. Afghanische Heiratsurkunden, die nun wichtig werden, sind H. unbekannt. „Ich habe mir dann mit Handyfotos und Videos zeigen lassen, ob ein Paar wirklich zusammengehört.“ Häufig kommt es vor, dass Angehörige noch in der Menge sind, dann muss mit den langjährigen Taliban-Feinden, die nun vor den Toren das Sagen haben, kooperiert werden: „Wenn die eine Durchsage machten, haben alle gespurt. Sie wussten, dass sie sonst einfach abgeknallt werden.“ Auch jetzt kommen die eilig zusammengestellten Namenslisten des Auswärtigen Amtes nur zum Einsatz, wenn sich jemand direkt darauf beruft: „Mit den Listen konnte ich überhaupt nicht arbeiten, das war unmöglich, sonst würde ich da heute noch stehen.“
Im Hintergrund läuft jetzt ein logistisches Puzzlespiel ab. Manchmal bleibt das Tor aus Sicherheitsgründen zu. Die Zahl der Abflugbereiten variiert, muss mit den Maschinen synchronisiert werden, die Tag und Nacht aus der eine Flugstunde entfernten Hauptstadt Usbekistans einfliegen. Die Piloten müssen ihrerseits Berechnungen anstellen, wie Martin P. erzählt: „Wieviele Leute kann ich mitnehmen, damit ich noch rauskomme aus dem Talkessel - bei hohen Temperaturen steigt man langsamer.“ Es liegt in seinem Ermessen, ob er mehr als die 115 Menschen mitnimmt, für die es Sitzplätze gibt. Das muss abgestimmt werden, da es auch eine Auflage des Gastlandes gibt, wie Oberst Bette im Einsatzführungskommando berichtet: „Niemals durften mehr als 200 Evakuierte gleichzeitig in Taschkent sein – es mussten also immer genug zivile Maschinen für den Weiterflug bereitstehen.“
Halb verdurstete Kinder an Bord
Wie alle anderen aus dem Air Protection Teams fliegt Markus D. täglich von Taschkent nach Kabul und zurück. „Eine Routine hat sich nie eingestellt, weil jeder Flug anders war – zuerst mit sieben, später mit 230 Passagieren: „Je länger der Einsatz dauerte, umso schlechter war der Gesundheitszustand“. Kinder ohne Schuhe, Babys ohne Windeln, oft halb verdurstet, nicht immer ist genug an Bord. „Du siehst also diese durstigen Kinder und fragst Dich, wie es sein kann, dass jetzt eine Flasche Wasser für 20 Cent fehlt.“
Die kleinen Passagiere bewegen alle besonders. Der Pilot Martin P. erinnert sich an einen seiner fünf Flüge zurück aus Kabul, als „die Hälfte bis zwei Drittel Kinder“ waren: „Ich musste mir dann immer wieder vorstellen, wie es wäre, wenn meine Kinder da auf einem Flug ins Unbekannte säßen.“ Meist wird es schnell ruhig in der Kabine. „Jedes Mal hat man sofort nach dem Start gemerkt, wie die Anspannung von den Leuten abgefallen ist.“ Einmal wird ihm aus dem Frachtraum berichtet, dass eine Frau vor Erschöpfung sofort eingeschlafen ist und ihr Baby ihr fast aus den Armen fiel: „Dann hat unser Ladungsmeister es getragen.“ Hauptfeldwebel Mark W., als A400M-Techniker auf mehreren Flügen dabei, erinnert sich an strahlende Kinderaugen, wenn er Nimm-2-Bonbons oder ein Kollege Spielzeug verteilt hat. Oft kommt auch die ängstliche Frage auf, wohin es geht: „Die vielen verzweifelten Menschen in meinem Laderaum“, sagt W., „werde ich nie vergessen.“
Düstere Gedanken kommen auf. Crew-Mitglieder wie Markus D., der zuvor mehrfach in Afghanistan war, sind „frustriert“, dass „die Ortskräfte aus unserem Bundeswehrstandort Mazar-i-Sharif praktisch kaum eine Chance hatten nach Kabul zu kommen“.
Verwundete und Tote bei einem Feuergefecht
Am Boden wird es von Tag zu Tag gefährlicher. Am North Gate kommt es am Ende der ersten Woche zu einem Schusswechsel, an dem Bundeswehrsoldaten beteiligt sind. Die Schleuse ist da längst zum Anlaufpunkt aller Deutschen geworden – weil Marc-André H. Kühlschrank, Kaffeemaschine, Sofas und eine Dartscheibe organisiert hat. Als die Lage eskaliert, sind vor Ort deshalb auch die Sanitäter, die Hilfe brauchen. „In der Nacht des Feuergefechts waren wir diejenigen, die Finger in Schusswunden gesteckt haben, um die Blutungen zu stillen“, erzählt der Feldjäger – und fügt etwas leiser hinzu: „Leichensäcke mussten wir auch packen.“
Das ist ein Vorfall, den das Führungskommando melden muss. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat schließlich angekündigt, im Falle eines Scheiterns der Mission sofort zurückzutreten. So verfolgt sie quasi rund um die Uhr das Geschehen. „In diesen zehn Tagen saßen wir mit der militärischen Führung quasi rund um die Uhr im Ministerium“, erzählt einer der dabei war: „Es war eine unglaublich intensive Zeit, aber an Schlaf wollte und konnte keiner denken.”
Das North Gate wird geschlossen. Tausende harren trotzdem davor aus, doch noch auf Einlass hoffend. „Wir wussten: Es geht nie wieder auf“, erzählt Marc-André H., „das war sehr traurig.“ Nun kommt nur noch durch, wer vom Aufnahmepunkt am Südtor des Flughafens weiß oder direkt vom Kommando Spezialkräfte aus der Stadt abgeholt wird. Jetzt heißt es von den Amerikanern auch, dass sie allein die Evakuierungsoperation beenden wollen und die letzten Partnernationen am Donnerstag den 26. August das Land verlassen sollen.
Der „Schockmoment“, als zwei deutsche Soldaten fehlen
Der letzte Aufruf in Kabul ist dramatisch. Drei deutsche Flieger sind abflugbereit, das Material ist eingepackt, die Soldaten an Bord. Plötzlich ist auch aus hunderten Metern Entfernung eine Staubwolke zu sehen, am Schluss sind die ständigen Anschlagswarnungen wahr geworden. Viele US-Soldaten am Gate werden getötet oder verletzt. Es erfolgt der Befehl zum sofortigen Start. Bereits in der Luft wird jeder Name abgefragt und durchgezählt, wie der Techniker Mark W. erzählt, „da haben wir gemerkt, dass zwei fehlten“. „Das war ein Schockmoment“, heißt es im Ministerium: „Als nach einer gefühlten Ewigkeit beide unverletzt ausfindig gemacht wurden, war die Erleichterung unendlich groß.“ Eine zur Sicherheit noch über Kabul kreisende Maschine holt sie ab. Bis sie an Bord sind, bleibt die Handyverbindung bestehen. Dann fällt Oberst Bette im Einsatzführungskommando „ein Stein vom Herzen“.
„Ich habe mich entschlossen, stolz zu sein“
Es ist vorbei, hinter der sich schließenden Ladeluke verschwindet die bittere Verlängerung des bald zwei Jahrzehnte dauernden Afghanistan-Einsatzes, Für Gefühle aber ist nicht die Zeit. „Die Fallschirmjäger, die quasi durchgearbeitet hatten, waren noch sehr aufgedreht, die zwei Hunde auch“, berichtet Mark W. vom letzten Rückflug. „Es wurde dann aber schnell ruhig, weil alle so platt waren.“ Bei Feldjäger Marc-André H., der in zehn Tagen an der Schleuse rund 5400 Menschen das Ticket heraus aus Kabul ausgestellt hat, geht es noch schneller. „Ich lag noch nicht im Flieger, da bin ich sofort eingeschlafen, weil die ganze Last abgefallen ist“, erzählt er: „In Taschkent sind wir uns alle in die Arme gefallen, weil alle heil zurückgekommen sind.“
Ein Jahr mit Auszeichnungen, Sonderurlaub und psychologischen Betreuungsangeboten ist seither vergangen, aber es nagt noch an ihnen. In einem schmucklosen Besprechungszimmer der Waldkaserne von Hilden kämpft der inzwischen zum Hauptmann beförderte Feldjäger mit den Tränen, als er daran denkt, wie stolz der inzwischen verstorbene Opa auf ihn war. „Ihr seid Helden.“ Nur fühlt sich das nicht immer so an. „Mir tat es im Herzen weh, dass wir nicht alle mitnehmen konnten“, sagt der Enkel. Und auch Mark W. hat lange mit sich gerungen: „Ich habe mir nach dem Einsatz überlegt, ob ich stolz darauf sein soll, obwohl wir nicht alle retten konnten. Ich habe mich entschieden, stolz darauf zu sein, dass ich einen Beitrag leisten konnte.“
Die Evakuierungsoperation aus Kabul
Der Einsatz
Von 16. bis 26. August 2021 hat die Bundeswehr 34 Flüge von Kabul in die usbekische Hauptstadt Taschkent durchgeführt. Mit Transportmaschinen vom Typ A400M und A310 wurden 5347 Personen aus mindestens 45 Nationen evakuiert. 450 Bundeswehrangehörige waren beteiligt, neben den Flugzeugbesatzungen auch Fallschirmjäger, Spezialkräfte, Feldjäger und Sanitäter. Der Bundestag billigte den Einsatz einen Tag vor dessen Ende nachträglich.