Die Kinder im Heilig-Geist-Spital sind bestens betreut. Die beiden Erzieherinnen Elena Oruc (links) und Irina Gold kümmern sich um die ukrainischen Kinder. Foto: Davydenko

Ein Jahr nach Kriegsanfang. Viele Ukrainer flüchteten auch nach Villingen, suchten Sicherheit und Schutz für ihre Kinder.

Rund ein Jahr nach Kriegsende sei die Anzahl der ankommenden Menschen nicht sonderlich groß, meint Heimleiter Patrick Brachat. Er rechnet jedoch mit weiter steigenden Zahlen. An die besonders fordernden Zeiten, wie zum Beispiel den Herbst 2022, erinnern sich alle Beteiligten.

 

Das Spital ist ein riesiger Gebäudekomplex und hat eine Kapazität von 230 Flüchtlingen verteilt auf vier Stockwerke. Derzeit sind etwa 190 Plätze belegt. Die meisten Zimmer sind für drei Personen ausgelegt. Es gibt jedoch auch Familienzimmer, in die bis zu sechs Personen passen. „Es wird je nach Fall umstrukturiert“, erklärt Brachat.

Daniel Springmann (von links), Claudia Philipp-Dold und Patrick Brachat geben ihr Bestes während der Krise. Foto: Davydenko

Grundausstattung in den Zimmern

Jedes Zimmer wird grundausgestattet mit beispielsweise Betten, Matratzen, Geschirr und Besteck . In jedem gibt es eine Toilette und ein Waschbecken. Gemeinschaftlich werden vor allem Küchen und in einigen Fluren auch Duschen benutzt.

Selbstverständlich Geschlechter getrennt. „Die Struktur des Altersheims wurde einfach übernommen“, klärt Brachat auf. Alle Zimmer sind deckungsgleich, doch die Bewohner hauchen dem Ganzen Leben ein und gestalten es individuell. Trübsal ist in den Gängen nicht zu spüren.

Spital in zwei Teile aufgeteilt

Das ehemalige Altersheim wurde vom Landratsamt gekauft und in zwei Teile unterteilt. Zum einen in die Flüchtlingsunterkunft und zum anderen in private Wohnungen, die an die Ukrainer vermietet werden können. Denn in der Unterkunft dürfen sie maximal sechs Monate bleiben. Anders als bei anderen Geflüchteten müssen sie nicht in einer solchen Einrichtung wohnen, sondern können auch direkt nach ihrer Ankunft in eine private Wohnung ziehen.

Das Kleiderstüble des DRK versorgt die Flüchtlinge mit den benötigten Anziehsachen. Foto: Davydenko

Kleiderstüble und Deutschkurse

Zusätzlich verfügt das Heilig-Geist-Spital über ein Kleiderstüble, welches vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gefördert wird. Ukrainer, die Anziehsachen für sich oder ihre Kinder benötigen, können sie sich dort holen. Das DRK und die Volkshochschule bieten auch Deutschkurse an, die von Montag bis Freitag von 9 bis 11 Uhr stattfinden. Während die Eltern bei den Sprachkursen sind, können die Kinder in der hauseigenen Kinderbetreuung untergebracht werden.

„Für die Kinder sind Sprachbarrieren kein Problem“

Ellen Oruc und Irina Gold sind Erzieherinnen in dieser Betreuung. „Für die Kinder sind Sprachbarrieren kein Problem“, spürt Oruc bei ihrer Arbeit mit den Kindern. Während dem Gespräch rennen lachende Kinder durch die Gänge, spielen mit Autos oder basteln. Die Eltern seien sehr dankbar eine Möglichkeit zu haben ihr Kind während den Deutschkursen betreut zu wissen. Auch für die Kleinen sei es wichtig eine Struktur und Regelmäßigkeit in diesen Zeiten empfinden zu können, betont Oruc.

Zusammenleben wie in einer WG

Im Allgemeinen könne man wenig vorhersagen und vorausplanen. „Es kommt, wie es kommt“, ist sich Brachat bewusst. Eine gute Verbindung mit den Kollegen sei von hoher Bedeutung. Auch die Geflüchteten unter einander bleiben im regen Austausch und schaffen sich eigene Strukturen. Brachat erzählt von einem Putzplan, den die Ukrainer eigenständig erstellt haben: „In Fünfer-Teams reinigen sie die Flure und die Zimmer putzt jeder selber. Das ist nicht in jeder Flüchtlingsunterkunft so.“

Das Zusammenleben im Heilig-Geist-Spital sei nach einem Jahr Krieg eingespielt und eher wie in einer großen WG.