Fünf neue Räte sprechen über ihre Erfahrungen im Donaueschinger Gemeinderat. Sie freuen sich, ihre Stadt mitgestalten zu können. Die Arbeit ist anstrengend, aber eine Bereicherung.
Vor einem Jahr fanden die Kommunalwahlen statt. Während an den Spitzen der Wahllisten wie immer bekannte Namen standen, gab es doch den einen oder anderen Wechsel. Auch in der Quellstadt haben es neue Gesichter in den Gemeinderat geschafft. Wir haben knapp ein Jahr nach ihrer Wahl mit fünf Neulingen über ihr erstes Jahr im Donaueschinger Gremium gesprochen.
Patrick Fritschi (CDU) Einer der 36 Namen auf der CDU-Liste war Patrick Fritschi. Er hat nun sein erstes Jahr im Gemeinderat hinter sich. Wie würde er dieses in Schlagworten beschreiben? „Interessant, herausfordernd, intensiv und sehr viel Neues“, sagt Fritschi. In der Fraktion sei er gut aufgenommen worden. Das gute Miteinander zeige sich für ihn daran, dass die Neulinge von den etablierten Ratsmitgliedern vieles lernen, ihre Meinungen aber dennoch gleichberechtigt einbringen können.
Manchmal sei es noch schwierig zu verstehen, was hinter manchen Prozessen steckt, die noch aus früherer Zeit stammen. Doch dazu würde immer alles erklärt, um anständig mitgestalten zu können. Fritschi sagte, er habe den Eindruck, dass alle Fraktionen das Beste für die Bürger erreichen wollten – und das sei eben nur über eine konstruktive Zusammenarbeit möglich. Diese Fraktionen übergreifende Zusammenarbeit würde im Rat, trotz manch unterschiedlicher Positionen, immer wieder gefunden. Ein besonderer Höhepunkt des ersten Jahres sei für ihn die gemeinsame Klausurtagung gewesen.
Hanife Yazici (SPD) Ihr erstes Jahr in der Donaueschinger Kommunalpolitik resümiert Hanife Yazici von der SPD mit folgenden Worten: „Viel Neues und viele neue interessante Menschen. Die Arbeit und Zielsetzungen meiner Fraktion passen sehr gut zu meinen Erwartungen und Einstellungen.“ Man habe den Blick auf das Allgemeinwohl und in der SPD-Fraktion komme „jeder zum Zug und wird gehört“. Die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen sei sicher manchmal auch schwierig, doch man habe eine zwischenmenschliche Ebene, auf der am Ende meistens eine gemeinsame Lösung für Donaueschingen gefunden werde.
Mit der Verwaltung habe sie eher weniger Kontakt, der aber immer positiv gewesen sei. In der Regel gehe sie über den Fraktionsvorsitzenden, Jens Reinbolz, um zusätzliche Informationen einzuholen. Höhepunkt des ersten Jahres sei für sie die gemeinsame Klausurtagung aller Fraktionen und der Verwaltung gewesen, dort wurden viele Brücken gebaut, auf denen man weiter gehen könne.
Sie bringt Erfahrung in der Kommunalpolitik mit
Lisa Fritschi (FDP/FW) Lisa Fritschi wurde gleich zu Beginn zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP/FW-Fraktion gewählt. Ganz unerfahren ist sie in der Kommunalpolitik aber nicht. Sie hat bereits in Bräunlingen Gemeinderatserfahrungen gesammelt. „Lehrreich, ereignisreich und auch anstrengend“, beschreibt Lisa Fritschi die ersten zwölf Monate in Donaueschingen. Ihre Fraktion sei ein „toller Haufen, mit unterschiedlicher Expertise und Erfahrungen“, in den sie bestens aufgenommen worden sei.
„Die Alten nehmen die Neuen mit, alles wird erklärt und diskutiert“. Es hätten sich auch schon freundschaftliche, private Kontakte ergeben. Die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen sei konstruktiv, Politik lebe von Diskussionen, aber schließlich mit Kompromissen. „Manchmal bin ich überrascht, dass Abstimmungen nicht den vorherigen Diskussionsverlauf wiedergeben.“ Von der Verwaltung sehe sie die Fraktionen bei Entscheidungen manchmal zu spät einbezogen und dadurch könne die Zeit zur Entscheidungsfindung zu kurz sein.
Kerstin Tritschler (CDU) Kerstin Tritschler erklärt, für sie überwiege nach einem Jahr noch immer die Freude und Dankbarkeit über die Chance, im Rat aktiv mitgestalten zu dürfen. Sie ist beim Fürstenhaus angestellt und ist die persönliche Assistentin von Fürstin Maximiliane zu Fürstenberg. Ihre neue Rolle beschreibt sie als „arbeitsintensiv“. Im Vordergrund stehen für sie die Begegnungen mit Menschen, „die das Leben lebenswert machen“.
Ihre Gemeinderatsfraktion sei breit gefächert in den verschiedensten Berufsgruppen. Alle hätten Themen, in denen sie sich besonders auskennen. Sie lerne auch von den Fraktionskollegen viel, sagt Tritschler. „Ich würde sagen, ich fühle mich richtig in der CDU-Fraktion. Man verbringt so viel Zeit mit den Kollegen. Da wäre es nicht gut, wenn man sich nicht wohlfühlt“. Natürlich gehöre es dazu, dass man auch mal anderer Meinung als die anderen Fraktionen sei und dass manchmal auch hitzig diskutiert werde. Wichtig sei, dass man das immer auf einer Ebene tue, die mit Anstand zu tun hat und man sich danach wieder an einem Tisch zusammensetzen könne.
Sie sei es im beruflichen und privaten Umfeld gewohnt, Entscheidungen und deren Umsetzung auf kurzem Wege realisieren zu können, da wirke für sie die Verwaltungstätigkeit manchmal mühsam und etwas zäh. Doch es sei erfreulich, dass unter den Verantwortlichen viele zu finden sind, die trotz formaler Widrigkeiten erfolgreich etwas bewegen können und wollen. „Höhepunkte sind für mich immer die Termine und Treffen, die im Zusammenhang mit den Donaueschinger Städtepartnerschaften stehen. Was da für ein intensiver Austausch geleistet wird, ist für viele Außenstehende gar nicht sichtbar“, sagt Kerstin Tritschler.
Fraktion hat eine gute Mischung
Simone Zimmermann (GUB) Simone Zimmermann sagt, für sie blieben aus dem Premierenjahr im Gemeinderat vor allem die „vielfältigen und spannenden Einblicke, wie die Stadt funktioniert“, hängen. Ihre Fraktion habe mit vier erfahrenen und drei neuen Gemeinderäten eine gute Mischung. Ihre Beobachtung: Die Neuen stellten viele Fragen, die immer beantwortet würden, und dabei manche feststehende Meinung hinterfragten. Von anderen Fraktionen fühle sie sich auch gut aufgenommen. Neben vielem Miteinander gebe es natürlich auch Reibereien, doch es bleibe „oft hart in der Sache, aber freundlich im Ton“.
Manchmal stelle sie fest, dass „die Verwaltung doch eine andere Denkweise bei verschiedenen Projekten hat, als die Gemeinderäte und nach ihren verwaltungstechnischen Strukturen agiert“. Die Arbeit im Gemeinderat sei herausfordernd, aber insgesamt eine Bereicherung. Sie schätze auch die gemeinsamen Abende nach den Sitzungen, wenn einige noch im „Weinstüble“ bei Moosmann zusammen sitzen, dort auch anders über die Themen sprechen oder Kontroversen wieder sozial gekittet werden.
Der Gemeinderat
Mitglieder
Der Donaueschinger Gemeinderat besteht auf fünf Fraktionen und 39 Räten. Die CDU ist mit 13 Mitgliedern die größte Ratsfraktion, danach folgt die FDP/FW mit acht Mandatsträgern. Die Gemeinschaft unabhängiger Bürger (GUB) stellt sieben, die Grünen stellen sechs und die SPD stellt fünf Gemeinderäte. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre, dann wird wieder neu gewählt. Alle Namen unter www.donaueschingen.de/gemeinderat