Helga Mühleisen vom Arbeitskreis Soziales (von rechts), Sozialarbeiterin Estera Scurtu, Standortleiter der Hoffnungshaus Nagold, Christoph Hartmann und drei weitere Besucher des Cafés am Kreuzermarkt. Foto: Verena Slama

Ein niederschwelliger Café-Treff in Nagold soll gegen die wachsende Einsamkeit ankämpfen. Das ist aus dem Konzept ein Jahr nach der Gründung gewachsen.

Ein Café-Treff, der gegen die Einsamkeit kämpfen soll. Seit einem Jahr gibt es das Angebot nun. Christoph Hartmann, Standortleiter des Hoffnungshaus Nagold, und Helga Mühleisen vom Arbeitskreis Soziales haben das Café Kreuzermarkt gemeinsam mit Unterstützung der Erlacher Höhe aufgebaut.

 

Aus dem Café Plus heraus entstand die Idee, einen niedrigschwelligen Treffpunkt für vereinsamte Menschen zu schaffen, die sich während der Corona-Zeit zurückgezogen hatten. „Wir wollten auch für die ältere Generation etwas anbieten, um sie herauszulocken“, so Hartmann. Im Stadtzentrum gebe es Menschen, die einen Café-Treff wie beispielsweise das Café Plus in Baiersbronn vermissten.

Das Projekt wachse langsam, aber beständig. Die Besucherzahl liege mittlerweile konstant bei acht bis zehn Personen. „Das ist für das erste Jahr eine gute Quote“, sagt Hartmann. Die Zahl der regelmäßigen Besucher hätte sich seit der Anfangsphase verdoppelt. Es habe sich ein fester Kreis gebildet, der immer auch neue Menschen einlädt.

Standort wird nach Brand neu aufgebaut

Der Kreuzermarkt musste vor zwei Jahren nach einem Brand umziehen und befindet sich nun im Burgcenter.

Dort ist das Café unter der Rolltreppe eingerichtet worden. „Das ganze Projekt hat sich durch den Brand des Sozialkaufhauses fast ein Jahr verschoben“, blickt Hartmann zurück. Das Café bietet Kaffee, Kuchen, Spiele und Raum für Begegnung.

Insgesamt finden rund zwanzig Personen Platz. Bei gutem Wetter wird auch draußen auf der kleinen Terrasse gesessen.„Ich finde es immer schöner, wenn wir es draußen machen können“, sagt Mühleisen. Bei schönem Wetter findet man den Café-Treff auf einer kleinen Terrasse neben dem Sozialkaufhaus: „Wenn wir draußen sitzen, werden mehr vorbeilaufende Leute auf uns aufmerksam.“

Niederschwellige Angebote sind entscheidend

Besonders seit Corona seien viele soziale Kontakte weggebrochen.„Wir überlegen, wie man den Leuten helfen kann, die kein soziales Umfeld haben.“ Niedrigschwellige Angebote wie das Café Kreuzermarkt seien dafür entscheidend. Wenn Menschen über das Café neue Kontakte knüpften oder Schritte in neue Lebenswege wagten, führe das Konzept zum Erfolg, berichtet Mühleisen.

Mühleisen beschäftigt sich im Arbeitskreis Soziales seit Jahren mit der Frage, wie man sozial isolierte Menschen erreichen und einbinden kann. Viele Menschen kämen über Flyer oder persönliche Kontakte. Manche nur einmal, andere regelmäßig. „Man braucht immer irgendeinen Anstoß“, berichtet Mühleisen aus ihrer Erfahrung.

Gemeinschaft soll gefördert werden

„Man fühlt, dass die Menschen die Gemeinschaft brauchen“, sagt die Sozialarbeiterin der Hoffnungshaus Nagold, Estera Scurtu . Hartmann betont: Ziel sei es, alle Generationen einzubinden, besonders auch jüngere Menschen und Geflüchtete. Bisher seien jedoch vor allem ältere Besucher vertreten, während das Café Plus insgesamt gemischter sei.

Einsamkeit nimmt weiter zu

Wachsende Einsamkeit unter jungen Menschen und Senioren greift um sich, wie eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergeben hat.

Unter den 16- bis 24-Jährigen sank der Anteil mit täglichen Kontakten zu Freunden demnach zwischen 2015 und 2022 von 44 auf 36 Prozent.

Unter älteren Menschen ab 65 Jahren wurde unterdessen unter allen Altersgruppen der stärkste Anstieg an sozialer Isolation festgestellt – dabei geht es um den Anteil der Menschen, der angibt, sich nie mit Freunden zu treffen. Der Anteil stieg zwischen 2015 und 2022 um 5,5 Prozentpunkte auf 11,4 Prozent.