Die Stadtmusik und der Liederkranz gestalteten das weihnachtliche Singen und Musizieren am ersten Weihnachtstag auf dem Schwenninger Muslenplatz. Foto: Schwillo

Was 1950 begann, bewegt bis heute: Auf dem Muslenplatz feierten Stadtmusik und Liederkranz 75 Jahre gemeinsames Singen und weihnachtliche Gemeinschaft..

Es war ein ganz besonders weihnachtliches Singen und Musizieren auf dem Muslenplatz, das am ersten Weihnachtstag die Stadtmusik Schwenningen und der Liederkranz der Bevölkerung boten.

 

Vor 75 Jahren feierte diese Veranstaltung ihre Premiere – damals noch auf dem Marktplatz.

Es war der 25. Dezember 1950 um 17 Uhr.

Aus einem echten Bedürfnis heraus

Die Schwenninger hatten damals, nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, das Bedürfnis nach etwas Harmonie. Da kam die Idee der Stadtmusik und des Volkschores auf, der Einwohnerschaft auf dem mit Tannen geschmückten Marktplatz ein kleines, sinniges Weihnachtsgeschenk darzubringen. Die „Weihnachtsfeierstunde unter dem Lichterbaum“ war geboren. Dass dieses Vorhaben ein freudiges Echo fand, zeigte die erstaunlich große Anteilnahme der Bevölkerung. Unter anderem wurden „Die Himmel rühmen“ von Beethoven, die „Weihnachtsglocken“ von Sonnet und der „Weltfriede“ von Uthmann zu Gehör gebracht.

Event wächst rausch

1952, schon zwei Jahre später, waren alle drei Schwenninger Chöre – der Liederkranz, der Frohsinn und der Volkschor – mit von der Partie, die gesanglich die Stadtmusik verstärkten.1979 versammelte man sich letztmals um den großen Lichterbaum am Rathaus. 1980 wurde der Muslenplatz geschaffen, und mittlerweile wird dort seit 45 Jahren das weihnachtliche Singen und Musizieren an der großen Freitreppe unterhalb des evangelischen Gemeindezentrums praktiziert – mittlerweile nur noch von der Stadtmusik und dem Liederkranz.

Stadtmusikdirektor Wolfgang Wössner dirigiert seit über 30 Jahren das große Blasorchester bei dieser Schwenninger Traditionsveranstaltung und lud die Bevölkerung ein, mitzusingen. Es sei zwar kein Kuhreihen, aber immerhin: 75 Jahre seien doch etwas Besonderes, so Wössner.

Wössner: „Einfach wunderschön“

Den Auftakt machte Aschenbrödels Tanz, bekannt auch in der Schlagerversion von Ella Endlich „Küss mich, halt mich, lieb mich“ aus dem Filmklassiker Drei Nüsse für Aschenbrödel. „Dieses Jahr hat ihn bestimmt jeder schon zweimal gesehen“, so Wössner.

Die Stadtmusik steuerte weiterhin „Happy Xmas – War Is Over“ von John Lennon und Yoko Ono bei, ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg. Zum 75. Geburtstag des weihnachtlichen Singens und Musizierens hatte Wolfgang Wössner auch „Happy Christmas“ – ein Weihnachtslieder-Medley im James-Last-Sound – mitgebracht. „Diese Fassungen sind einfach wunderschön“, erinnerte Wössner an den bekannten Bandleader.

Abwechselnd wurde das Programm gestaltet. Der Schwenninger Liederkranz unter Leitung seines Dirigenten Daniel Sütö sang den Weihnachtsklassiker „Es ist ein Ros entsprungen“, „Friede auf Erden“, ein Weihnachtslied aus Wales, und „Noel, Christ ist geboren“. Gemeinsam mit dem Publikum stimmten die Stadtmusik und der Liederkranz eine Reihe bekannter Weihnachtslieder an. Von „Leise rieselt der Schnee“, „Kommet, ihr Hirten“, „O Tannenbaum“ über „Alle Jahre wieder“ und „Süßer die Glocken nie klingen“ bis zu „Stille Nacht, heilige Nacht“ reichte das Repertoire.

Roth spürt „ein besonderes Gefühl“

„Fröhliche Weihnachten Ihnen allen hier auf dem Muslenplatz. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn wir uns alle hier begegnen“, freute sich Oberbürgermeister Jürgen Roth. Mittlerweile sei der 25. Dezember um 17 Uhr ein gesetztes Datum, und jeder wisse: Man geht auf den Muslenplatz, um gemeinsam zu singen und zuzuhören, betonte Roth.

Er lobte auch die Stadtmusik Schwenningen, die seit 75 Jahren diese weihnachtliche Veranstaltung begleitet. Seine Botschaft an diesem Abend war zudem, dass man gerade in der besinnlichen Zeit zusammenstehen müsse – unabhängig davon, wie sich das nächste Jahr entwickelt.

Traditionell wurde der Abend gemeinsam mit „O du fröhliche“ beendet. Anschließend stand der eine oder andere Besucher noch am Stand der Schwenninger Feuerwehr und ließ sich einen Glühwein schmecken.