LZ-Redakteur Jonas Köhler betrachtet interessiert den Nachbau eines Kohlemeilers im Schweighausener Wald. Foto: Göpfert

Eine Wanderroute in Schweighausen erinnert an einen fast vergessenen Beruf: Auf dem zwei Kilometer langen Stück im Wald lässt sich viel über die einstige Bedeutung des Handwerks in Erfahrung bringen. Redakteur Jonas Köhler berichtet von seiner Spurensuche.

Rund 34 000 Menschen in Deutschland tragen laut dem digitalen Familienwörterbuch Deutschlands den Nachnamen Köhler. Auch die in Baden weiter verbreitete Variante Kohler hat ihren Ursprung im Holzkohlehandwerk.

 

Dies allein ist ein Indiz für die frühere Bedeutung des Berufs. Als Träger des Namens, der wohl auf einen lang, lang verstorbenen Vorfahren zurückgeht, der diesen Beruf tatsächlich ausübte, bin ich mit großem Interesse den Köhlerweg abgelaufen – und habe so einiges herausgefunden.

Der Weg

Für den Spaziergang mit meinen Eltern, ebenfalls Träger des Namens, und meiner Verlobten wählte ich als Startpunkt den Parkplatz am Pflingsteck an der Gemeindegrenze zu Freiamt. Dort startet auch der Kniesteinweg – in großen Teilen identisch mit dem Köhlerweg – hinab in Richtung Schweighausen.

Auch ohne die Absicht, der Geschichte des eigenen Nachnamens auf den Grund zu gehen, macht der Weg bei strahlendem Sonnenschein einiges her. Bevor es in den Wald geht, ergeben sich wunderbare Ausblicke in die umliegenden Täler. Ich höre die Vögel zwitschern, der typische Waldgeruch steigt mir in die Nase, Straßenlärm ist nicht zu hören. Ich kann abschalten.

Der Weg selbst ist geschottert und damit gut zu laufen. Dazu gibt es am Wegesrand immer etwas zu entdecken: Auf dem Abschnitt in Richtung Kniesteinkapelle wurden alle paar Meter kleine Engelsfiguren auf Baumstümpfen positioniert und mit Moos oder Tannenzweigen dekoriert. Das hat zwar mit dem Beruf des Köhlers nichts zu tun, ist aber dennoch eine schöne Überraschung.

Der historische Beruf

Die ersten Infotafeln lassen dennoch nicht lange auf sich warten. Mit Interesse lese ich, dass der komplette Jahresbedarf an Kohle in Deutschland von immerhin 250 000 Tonnen einst von den klassischen Köhlern hergestellt wurde. Die Kohle wurde auch früher schon nicht nur zum Verbrennen, sondern auch in der Kosmetik oder in der Medizin eingesetzt.

Bis 1895 gab es in Schweighausen noch einen hauptberuflichen Köhler, Roman Ohnemus. Er verlor jedoch seine Arbeit, da die manuelle Herstellung immer unrentabler wurde. Zu groß war die Konkurrenz der industriellen Gewinnung von Holz- und Steinkohle.

Der Prozess

Doch wie wurde früher nun Holzkohle hergestellt? Aufschlüsse gibt eine Infotafel bei einem nachgebauten Kohlemeiler. Die mit Erde und Tannenzweigen bedeckten Holzscheite wecken meine Neugier. In solchen Meilern wurde das Holz entzündet und nach und nach alle Luftlöcher geschlossen. Das Ziel war, die Sauerstoffzufuhr zu reduzieren.

Damit erreichten die Köhler eine unvollständige Verbrennung, das sogenannte Pyrolyse-Verfahren. Wasser, Teer und Gase verdampften und verbrannten, die Holzkohle mit einem Kohlenstoffanteil von mehr als 90 Prozent blieb übrig und konnte nach dem Abkühlen geerntet werden. Entlang des Weges durch den Wald sind heute noch einige dunkle Verfärbungen im Boden zu erkennen. Das waren laut den Infotafeln die Stellen, an denen früher die Kohlemeiler standen. Bis zu 20 soll es um Schweighausen herum gegeben haben.

Das Drumherum

Der „Sport-und Kulturpfad Köhlerweg“ hat noch mehr zu bieten als Informationen zu einem fast vergessenen Beruf. Die Kniesteinkapelle etwa, bei der zahlreiche Bänke stehen, lädt zum Verweilen und zum Erkunden ihrer Geschichte ein. Zum Ende hin wird der Pfad steiler und – zumindest auf dem Rückweg bergauf – zu einer kleinen sportlichen Herausforderung. Spätestens hier ist der Weg auch nicht mehr für Kinderwagen geeignet.

An der Kniesteinkapelle gibt es eine Rastmöglichkeit. Foto: Göpfert

Im Tal schon in der Nähe des Ortes bietet eine Wassertretstelle Erholung für die Füße – bei unserem Besuch war das Becken allerdings noch leer. Dort gibt es auch eine kleine Hütte mit Grillstelle. Einige Meter weiter stehen Sportgeräte, falls sich noch jemand austoben möchte. Ansonsten geht das aber auch auf den zahlreichen Baumstämmen am Wegesrand, auf denen sich wunderbar balancieren lässt. Für eine anschließende Einkehr bietet sich einige 100 Meter weiter in Schweighausen das Dorfladen-Café ein. In unserem Fall hat sich die Gruppe getrennt, der eine Teil stapfte den Weg wieder hinauf zum Parkplatz, um das Auto zu holen, der andere Teil schlenderte weiter zum Café.

Das Fazit

Der Köhlerweg ist ein wunderbares Ausflugsziel. In gut einer Stunde hatten wir in gemütlichem Tempo und mit einigen Pausen, um die Attraktionen zu betrachten, den Weg hinunter absolviert. Nicht gefunden haben wir lediglich die Markierungen, die den Weg weisen sollen, aber auch so war ein Verlaufen fast nicht möglich, wenn man sich am Kniesteinweg orientiert. Zum Abschalten in der Natur an einem sonnigen Tag ist der Köhlerweg mit seinem Ambiente, den Informationen und kleinen Überraschungen zu empfehlen.

Die Initiatoren

Kurt Weber, CDU-Gemeinderat in Schuttertal und Vorsitzender der Waldservice Ortenau, war nach dem 800. Geburtstag von Schweighausen im Jahr 2019 zu der Überzeugung gekommen, dass die Geschichte der Köhler im oberen Schuttertal erhalten bleiben solle. Schon beim Jubiläum wurde ein Meiler nachgebaut und ein zweiwöchiges Köhlerfest gefeiert. Mit der Idee eines Köhlerwegs stieß Weber bei der Gemeinde auf offene Ohren.