Wissenswertes zum Anfassen: SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner und Justizministerin Marion Gentges machten sich über die im Naturschutzgebiet beheimateten Tierarten schlau. Foto: Decoux

Im Kappel-Grafenhausener Naturschutzgebiet Taubergießen sind seit zehn Jahren zahlreiche Salers-Rinder und Pferde zuhause.

Mit einem kräftigen Sägeschnitt statt einem Banddurchschnitt eröffnete Kappel-Grafenhausens Bürgermeister Philipp Klotz das Jubiläumsfest „Zehn Jahre Projekt Wilde Weiden“ an der Schollenhütte in Kappel. „Unsere Gemeinde feiert heute ein Erfolgsprojekt“, betonte er stolz, als er gemeinsam mit Vertretern des Gemeinderats, den Projektpartnern, Justizministerin Marion Gentges, Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner, der Regionalrätin der Region Grand Est, Marianne Horny-Gonier und zahlreichen Gästen das Fest offiziell eröffnete.

 

Was als visionäre Idee begann, ist heute eine lebendige Landschaft: Rund 70 Hektar Wald und 30 Hektar Weideflächen werden inzwischen ganzjährig von urigen Salers-Rindern und robusten Pferden beweidet. Sie formen die Landschaft der Rheinaue so, wie es einst die natürliche Weidedynamik getan hat und schaffen damit neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere. „Aus einer Idee ist Landschaft geworden“, fasste Bürgermeister Klotz stolz zusammen. „Das Projekt ist für unsere Gemeinde nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Erfolg.“

Projekt hat 5,5 Millionen Ökopunkte eingebracht

Denn die „Wilden Weiden“ haben bislang rund 5,5 Millionen Ökopunkte eingebracht, ein wertvoller Beitrag im Rahmen des ökologischen Ausgleichs und zugleich eine Sicherung landwirtschaftlicher Flächen. „Gutes Ackerland, das sonst für Ausgleichsmaßnahmen verloren ginge, kann durch solche Projekte geschützt werden“, betonte Klotz.

Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 2007 zurück, als mit dem Projekt Revitalisierung Taubergießen der Mut zur naturnahen Landschaftsentwicklung geweckt wurde. Heute zeigt sich der Erfolg auf ganzer Linie: Ein Gewinn für Natur und Landwirtschaft gleichermaßen. „Die Wilden Weiden sind ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Menschen, Natur und eine gute Idee zusammenwirken“, sagte Klotz. Er dankte allen Partnern, ohne dies dieses Projekt nicht möglich wäre – vor allem Bernd Ihle, Vorsitzender des Fördervereins Wilde Weiden, dem Forst Team, Forstrevierleiterin Ronja Schneider und Rangerin Cosima Zeller.

Für Besucher wurde viel geboten

Zum Jubiläum erwartete die Besucher eine Rallye zu sieben spannenden Stationen rund um das Thema Landschaft und Artenvielfalt. Der Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis lud mit einem „Flohhopserspiel“ zum Mitmachen ein, das Regierungspräsidium Freiburg und das Ökomobil gaben faszinierende Einblicke in die heimische Flora und Fauna. Der Forstbetrieb und die Gemeinde informierten anschaulich über das Ökopunktesystem und die nachhaltige Waldwirtschaft. Wer wissen wollte, warum gerade Salers-Rinder so wichtig für die Pflege der Wälder sind, konnte das spielerisch erfahren. Der Waidwerkservice präsentierte Exponate rund um Jagd und Wild, und der Förderverein Wilde Weiden lud mit Tastkästen und Infostand zum Entdecken ein.

Die Metzgerei Reichenbach aus dem Glottertal hat mit ihrem „Pulled Porker“ – natürlich vom Salers-Rind der Wilden Weiden – für leckeren Genuss gesorgt.