In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren prägten lebensfrohe Dorforiginale, legendäre Bälle und närrisches Brotbacken die Fasnet. Mitten im Treiben stand Pfarrer Anton Rapp.
Der lebensfrohe Dorfpfarrer Anton Rapp stand neben den Narrenvätern jener Zeit wie Willi Rauber, Paul Himmelsbach und Milchbarwirt Ewald Echle sowie dem Narrenratsgremium Mathias Schoch, Erich Schillinger, Anton Feger, Willi Suhm, Kilian Fritsch, Heinz Greulich, Albert Spinner und danach lange Jahre der heutige Ehrennarrenvater Anton Unger, so die Recherche mit Hilfe alter Fotos, in vorderster Reihe beim närrischen Geschehen. Von Anfang an war der sonntägliche Umzug mit nachfolgendem närrischen Treiben in den Dorfgasthäusern das zentrale Fasnetsereignis.
Schon früh kamen die Bälle hinzu, so vor allem der Ball des Schwarzwaldvereins am „Schmutzige Dunnschdig“ mit Auftritt der legendären Tanzkapelle „Becoh“. Hexen- und Wöfleball sowie der Sportlerball mit humorgewürzten Programm waren in den Wochen vor der Fasnet fix terminiert.
Schnurren begann im alten Saal
Das Schnurren nahm in Oberwolfach seinen Anfang mit dem Vortragen von Moritaten noch im alten Saal, dem Vorläufer der heutigen Festhalle. Der künstlerisch begabte Willi Suhm illustrierte fantasievoll die Schnurrthemen und Willi Rauber trat zusammen mit „Mathis“ Schoch auch in den Gasthäusern auf, um die Fehltritte der Mitbürger ans Licht zu befördern. Als „Wäschwieber“ waren, so sieht man es ebenfalls auf den Fotos, wortgewandt Frieda Frieda, Frau Groß von der Wolfacher Kanzel und „Becki“ Hilde Rauber sowie Luise Glutsch unterwegs. Da erlebte man auch das Komiker-Talent Hermann Zambellis, dem Paul Himmelsbach und Alois Schoch nachfolgten.
Bruno Fritsch brachte zusammen mit seinem Nachbarn „Pfüeti“ Bernhard Schuler das närrische Brotbacken in Gang, bei dem bis heute die „Brotsupp“, auch als „Schwarze Supp“ bekannt, als Spezialität nach altem Rezept von Ex-Posthörnle-Wirt Friedbert Echle zubereitet, angeboten wird. Die mitgekochte „Brotwurscht“ darf als würzige Einlage nicht fehlen.
Nun aber zu „Obernarr“ „Rappe-Doni“, wie der Dorfpfarrer allgemein bekannt wurde. Er fiel mit seiner stattlichen Körpergröße und im schwarzen Frack mitten im Narrengetümmel auf. Beim in den ersten Jahren üblichen närrischen Fußballspiel war er stets mit von der Partie, auch noch, als der Rasenplatz längst der „Roten Erde“ gewichen war.
Beim närrischen Fußball war der Pfarrer mit dabei
Man begegnet ihm, mit Ruß- und Schuhcreme-geschwärzt, schon um 1951 als närrischem Fußballer oder späterhin auch noch beim Anstoß zum Spiel der Hexen um Bruno Fritsch, Erich Decker, „Bertschi“ Armbruster und Karl Hans Baur gegen die Wölfle oder auch von irgendwelchen Damenmannschaften, die sich in die Trikots ihrer Ehemänner und Freunde hineinpressen mussten. Man präsentierte sich ungeniert, auch wenn eher man eher zur „Vollschlankheit“ tendierte. Es war ja Fasnet und somit Gaudi angesagt.
Fasnetssonntag
Hochwürden war mitunter am Fasnetssonntag nach dem Umzug auch noch mit Fasnetswagen der Jägerei unterweges, die fröhlich singend und „Schnapsbudel“ schwingend auch noch die Wirtschaften an der Walke aufsuchten. Beim närrischen Ball in der Festhalle war der Pfarrer mitunter auch in der Sektbar anzutreffen, vorgeblich um seinem Amt entsprechend den Moralwächter zu spielen. Aber unversehens war er plötzlich fröhlich mitten unter den Feiernden. Von den Narrenräten wurde er hinterher ins Pfarrhaus kutschiert. Möglicherweise ist ihm ähnlich ergangen wie einem anderen Oberwolfacher, der versehentlich hinten in sein Auto einstieg und mit großem Erschrecken feststelle: „ Jetz‘ hen si mr ‘s Lenkrad g’stohle!“